Raus aus dem Dornröschen-Schlaf

Bayerische Digitalministerin Judith Gerlach bei der Frauen-Union mit Botschaft

image_pdfimage_print

Sie ist erst ein halbes Jahr im Amt und will Deutschland beim Thema Digitalisierung aus dem Dornröschen-Schlaf holen: Die bayerische Digitalministerin Judith Gerlach hielt bei der Ladies Lounge der Frauen-Union in Rosenheim ein leidenschaftliches Plädoyer für mehr Mut zum Digitalen. „Uns geht es wirtschaftlich gut, aber wir leben noch zu sehr im alten System“, sagte Gerlach im vollbesetzten Saal im Happinger Hof.

Unser Foto zeigt von links MdB Daniela Ludwig, Digitalministerin Judith Gerlach, die Vorsitzenden der Frauen-Union Rosenheim Land und Stadt – Katharina Hüls und Alexandra Linordner.

Gerlach: „Die Digitalisierung betrifft alle Lebensbereiche. Wir müssen hier mehr Mut haben und Hemmschwellen und Ängste abbauen.“

Deutschland habe in der Medizintechnik und in der Verkehrspolitik herausragende Forschungsprojekte, sagte die stellvertretende Landesvorsitzende der Frauen-Union und Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig. „Der Bund investiert alleine drei Milliarden Euro in Projekte der Künstlichen Intelligenz. Doch das alles hilft nichts – ohne einen flächendeckenden Breitbandausbau. Bei diesen Themen müssen wir besser und schneller werden.“

Die Einsicht, dass es ohne Mobilfunk und Digitalisierung nicht geht, sei noch nicht bei allen Bürgern und auch bei Politikern in allen Bundesländern angekommen, betonten Judith Gerlach und Daniela Ludwig. „Als es um eine Teststrecke für Autonomes Fahren ging, hat sich nur Bayern beworben. Andere Bundesländer haben die Dimension des Projektes nicht erkannt“, so die heimische Wahlkreisabgeordnete.

Digitalministerin Judith Gerlach will in den nächsten Monaten mehrere Themenfelder aufgreifen. Sie will vor allem bei den Bürgern das Bewusstsein schärfen, dass Digitalisierung jeden Einzelnen betrifft, und dass sie nicht aufzuhalten ist. „Jeder regt sich auf, wenn er mit seinem Handy in seinem Ort kein Netz hat. Aber bei jedem Mobilfunkmasten regt sich Widerstand. Lange Wartezeiten in Behörden bei Anträgen sind auch unbeliebt. Wenn ich aber Behördengänge digital von zuhause erledigen will, brauche ich den Datenaustausch.“ Genau diese Punkte seien Hemmschwellen in der Weiterentwicklung der Digitalisierung. „Wir brauchen hier einen gesellschaftlichen Konsens. Die Politik muss dieses Thema offensiver angehen.“

Lange Verfahren wie etwa bei der Ausschreibung der 5G-Technik in Deutschland seien ebenfalls Hindernisse, die man beseitigen müsse. „Die Verfahren dauern ein bis zwei Jahre. Wir müssen bei der Infrastruktur mehr Gas geben. In der Forschung passiert sehr viel, aber das hilft nichts, wenn wir die Infrastruktur für den Datenaustausch nicht haben.“

Um mehr Frauen für die digitalen Berufe zu begeistern, hat die Ministerin das Talentförderprogramm „Bayerns Frauen in Digitalberufen“ ins Leben gerufen. „Die technischen Berufe sind bei Mädchen nach wie vor nicht so beliebt. Dabei gibt es gerade hier tolle Jobs, in denen man flexibel auch von zuhause aus arbeiten kann. Das erleichtert die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“ Ein stärkeres Augenmerk will Gerlach auch auf die Schulen legen. „Das ist mir ein Herzensanliegen. Wir müssen die Lehrer befähigen, den Schülern den richtigen Umgang mit Handys und Tablets nahezubringen. Mobbing der Schüler im Internet gibt es bereits an der Grundschule.“

Die anschließende Diskussion und der Besucherandrang bei der Veranstaltung zeigten, dass die Frauen-Union mit der Digitalisierung ein Thema aufgegriffen hat, das den Menschen in der Region unter den Nägeln brennt. So gab es viele Fragen an die Ministerin, unter anderem zum Digitalen Klassenzimmer, zu möglichen Strahlenbelastungen durch die neue 5G-Technik oder zur internationalen Konkurrenz bei der Erforschung und beim Ausbau der Künstlichen Intelligenz.

Die beiden Kreisvorsitzenden der Frauen-Union Rosenheim Stadt und Land, Alexandra Linordner und Katharina Hüls, waren von dem großen Zuspruch ihrer Ladies-Lounge auf jeden Fall begeistert. „Die Ministerin hat uns das Thema Digitalisierung gekonnt näher gebracht“, sagte Hüls. „Sie beweist auch, dass es für Frauen einen erfolgreichen Weg in die Politik gibt.“

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Leitfaden für die Veröffentlichung von Kommentaren