Objekt des Monats

Aus dem Museum Wasserburg: Gegenwartskunst mit jahrhundertealter Symbolik

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Stolz ragen die zwei hölzernen Segel in die Höhe. Trotz ihrer starren Form erinnern sie an Schilfgras, das sich im Wind bewegt. Der flache, ebenfalls hölzerne Rumpf wird an den Rändern von einer Messingplatte umrundet, die tragenden Nägel wirken wie eine zierende Borte. Das Kunstwerk „S…Schiff II“ von Ute Lechner scheint auf seinen eisernen Trägern fast durch den Raum zu schweben. Die 152 cm hohe Figur zeigte Ute Lechner im Rahmen der Großen Kunstaustellung 2018 vor dem großen Rathaussaal und die Stadt Wasserburg nutzte die Gunst der Stunde, um ihre zeitgenössische Kunstsammlung zu erweitern.

Bei der näheren Betrachtung fällt auf, dass die Künstlerin für die Segel ausgedientes Holz verwendet hat – es ist vom Holzwurm zerfressen und stark ausgeblichen. Das Schiffsdeck fügte sie wie ein Puzzle aus sechs verschieden geformten Holzklötzen zusammen.

Es ist mit mehreren größeren Löchern und Einkerbungen versehen, die sich wie ein Muster über die Oberfläche ziehen. Dazu befinden sich die arabischen Zahlen 1 und 4 sowie die römischen Ziffern I, III, und IV in schwarzer Farbe auf dem Deck. Die Beschriftungen, Löcher und Einkerbungen befanden sich schon auf dem ehemaligen Treibholz, das Ute Lechner am Inn gefunden hatte.

Die 2016 entstandene Skulptur spielt mit seinem Betrachter, denn Schiffe oder Boote haben eine starke Symbolik. Sie stehen für das Reisen und den Aufbruch zu etwas Neuem und wecken so in Vielen die Sehnsucht nach der fernen Welt, Ruhe und Erholung. Durch zahlreiche bekannte Piratenabenteuer geprägt, verspürt der ein oder andere aber bestimmt auch Abenteuerlust aufkommen.

Betrachtet man die Details des „S…Schiff II“, wird man nachdenklich. Das greisenhafte Holz und das aufgewühlte Deck versinnbildlichen auch eine andere Art der Reise: die symbolische Überfahrt der Toten in das Jenseits. Schon die Ägypter nutzten dieses Bild und auch im Christentum gilt das Schiff unter anderem als Zeichen für die Lebensreise mit dem Ziel des ewigen Lebens.

Foto: Stadt Wasserburg

 

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