Nur die Hälfte der Plätze besetzt

Der Baubranche im Landkreis Rosenheim gehen die Azubis aus

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Bauboom trifft auf Nachwuchs-Mangel: Zu Beginn des neuen Ausbildungsjahres sind viele Baufirmen im Landkreis Rosenheim vergeblich auf der Suche nach Azubis. Darauf weist die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) unter Berufung auf aktuelle Zahlen der Arbeitsagentur hin. Danach blieben im Juli 46 Prozent aller Ausbildungsstellen auf dem Bau unbesetzt. Von 50 ausgeschriebenen Plätzen im Landkreis waren noch 23 zu vergeben.

Michael Müller von der IG BAU Oberbayern spricht von einem „Alarmsignal“. Wenn es den Firmen nicht gelinge, Schulabgänger für die dringend gebrauchte Arbeit als Maurer, Straßenbauer oder Baugeräteführer zu finden, dann gerate das Fundament der ganzen Branche ins Wanken. „Aber nur wenn die Arbeitsbedingungen auf Baustellen attraktiver werden, lässt sich das Nachwuchs-Problem lösen“, ist der Gewerkschafter überzeugt.

 

In der laufenden Tarifrunde fordert die IG BAU deshalb ein monatliches Einkommensplus von 100 Euro für alle Azubis. Außerdem soll die lange, meist unbezahlte Fahrerei zur Baustelle entschädigt werden, um die Arbeit attraktiv zu halten – auch gegenüber anderen Branchen, in denen weit weniger gependelt wird. „Wer sich bei der Berufswahl für den Bau entscheidet, der muss auch Familie, Freizeit und Arbeit unter einen Hut bringen können. Aber das klappt für die meisten Berufseinsteiger nur sehr selten“, so Müller. Diese Unzufriedenheit spiegele sich auch in einer hohen Abbrecherquote wider. Laut aktuellem Ausbildungs- und Fachkräftereport der Sozialkassen des Baugewerbes (SOKA-BAU) bringt jeder dritte Azubi die Ausbildung nicht zu Ende.

 

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9 Kommentare zu “Nur die Hälfte der Plätze besetzt

  1. Evtl liegt es ja auch am Verdienst als Geselle?

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  2. Die Bau Azubis verdienen sehr gut!
    Mein Mann ist selber aus der Baubranche!
    Eher liegt es daran das manche jungen Leute sich nicht mehr die Hände dreckig machen wollen und anscheinend aus Zucker sind und mal nicht nass werden wollen!

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  3. Wenn der Kunde bereit ist höhere Preise zu bezahlen, dann könnte den Angestellten auch mehr Lohn bezahlt werden. Auf Baustellen gibt es sehr oft enormen Zeit- und Preisdruck seitens der Auftraggeber. Oft werden deutsche gegen ausländische Arbeiter ausgetauscht, weil es ja der Kunde billig will. Jeder Arbeitnehmer im Handwerk oder Bau möchte natürlich gut verdienen. Aber dazu muss einfach der Kunde auch bereit sein dies zu bezahlen. Die Löhne sind leider teuer in Deutschland.

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    1. Naja, das stimmt so nicht. In der Regel schätzen Kunden gute Handwerksarbeit und sind auch bereit dafür zu zahlen.
      Die Unternehmen holen sich deshalb Mitarbeiter aus dem Ausland weil es hier einfach wenige gibt. Den Kindern wird eingeredet sie sollen studieren, fürs Handwerk begeistern sich nur wenige und somit fehlt der Nachwuchs.
      Auch sind viele Handwerksbetriebe noch sehr weit hinten was Zusatzleistungen angeht. Bei vielen gibt’s nur das was gesetzlich vorgeschrieben ist, sonst nichts. Auch hier müsste mal ein Umdenken stattfinden um attraktiver als Unternehmen zu sein.
      Der Verdienst ist trotzdem gut bis sehr gut. Vom Nebenher-Arbeiten ganz zu schweigen 😀

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    2. ‘Die BRUTTO-Löhne sind in Deutschland teuer.
      Das was als Jahresverdienst bei einem Bauhandwerker ankommt ist viel weniger als bei einem Industriearbeiter, der keinem Wind und Wetter ausgesetzt ist und auch keine so schwere körperliche Arbeit abliefern muss.

      Die Schlechtwetterzeit im Winter mit Kurzarbeiter- oder ALG1 Geld drückt ebenfalls das einem Bauhandwerker zur Verfügung stehende Geld.

      Zur Anmerkung “Die Jungen mögen nicht mehr nass werden”:
      Nach 2 oder 3, spätestens nach 4 Jahrzehnten bei Wind und Wetter ist jeder Bauhandwerker richt aufgearbeitet, gesundheitlich ruiniert.
      Niemand will dann für diese Menschen aufkommen, keine Krankenkasse, kein Arbeitsamt, keine Berufsgenossenschaft . . . . Gott sei Dank ! ! ! sind die Jungen nicht mehr so dumm, sich Jahrzehnte lang zu schinden, für mäßien Lohn, bei starker körperlicher Anstrengung mit gesundheitlichen Folgen . . . damit andere – vornehmlich Akademiker – in deren von diesen Bauhandwerkern Hände geschaffenen Häusern gut und gerne leben.

      Es kann so gar nicht mehr weiter gehen.
      So wie es jetzt ist, das ist unfaire Ausbeuterei – nichts anderes.

      Ein Bauhandwerker kann sich von seinem Lohn niemals selbst ein Haus leisten. . . immer nur für andere bauen . . . gut, dass auf diesen verlogenen Betrug nur noch wenige reinfallen.

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    3. Da hat einer studiert hm?
      Wir haben eine Marktwirtschaft. Der Preis richtet sich nach dem Angebot und so lange es Menschen gibt, die ihre Leistung/Arbeit so günstig anbieten (weil sie lieber günstig arbeiten als garnicht), wird der Unternehmer den günstigeren Arbeiter nehmen. Alles andere wäre seltsam. Warum sind Ingenieure und Ärzte gut bezahlt? Weil es niemanden gibt, der es günstiger macht.

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      1. Jawoi, Gewinnmaximierung heißt:
        – möglichst wenig Ausgaben (=Lohn an Angstellte) und
        – möglichst viel Einnahmen (Rechnung an Kunden).

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        1. In der Landwirtschaftsschule erzählt man ja, wenn der undankbare Verbraucher bereit wäre, mehr zu zahlen, gäben Molkerei und Einzelhandel das 1:1 an den Landwirt weiter. Also nicht überall Gewinnmaximierung.

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    4. Du meinst, wenn der Kunde freiwillig mehr zahlt, bekommt der Handwerker mehr Geld?

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