„Null Abstand in der Bahn”

20-jähriger Schüler aus Schechen meldet Missstände mehrmals - Ohne Erfolg

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Jonas Bettger fährt täglich mit der Südostbayernbahn (SOB). Der 20-Jährige aus Schechen besucht die 13. Klasse der Berufsoberschule Rosenheim. Und er macht sich ernsthaft Sorgen: „Ich fahre gerne mit der Bahn. Und das täglich. Aber was Pendler nach Rosenheim momentan so alles aushalten müssen, ist kaum zumutbar. Die Züge sind bis unter die Decke voll. Die Corona-Regeln im Zug greifen nicht.” Der junge Mann hat sich deshalb bereits an die Südostbayernbahn gewandt. Mehrmals. Bisher allerdings ohne Erfolg.

„Der aktuelle Zustand ärgert und ängstigt mich, hatte ich doch gehofft, dass wenigstens in Zeiten einer solchen Gesundheitskrise mehr Kapazitäten zum Einhalten von Abständen angeboten würden, um die Kunden zu schützen. Aber im Gegenteil: Man steht sich nach wie vor die Füße platt im Hochschulzug, beziehungsweise im Regio, dicht an dicht gedrängt mit wenigen Zentimetern Abstand.”

Teilweise kämen gar nicht mehr alle Fahrgäste in den Zug hinein. „Das ist erst vergangenen Donnerstag wieder so geschehen, als die SOB frühmorgens leider spontan nur einen Wagen geschickt hat. Einige Schüler aus meiner Klasse mussten den Zug tatsächlich sausen lassen und kamen dadurch zu spät in den Unterricht. Solche Probleme sind nichts neues, das gibt es hier auf einzelnen Fahrten immer wieder.”

 

Dazu kämen noch die überall gegenwärtigen Maskenverweigerer oder -Vergesser. „Und das, obwohl Rosenheim Corona-Hochburg ist und es in der FOS und BOS Rosenheim sogar einen bestätigten Corona-Fall gibt. Warum werden nicht einfach mehr Fahrzeuge geschickt, frage ich mich? Ist unsere Gesundheit der Bahn nicht so wichtig? Es kann doch nicht so schwer sein, an einen stark frequentierten Zug einen weiteren Triebwagen anzukuppeln”, so Jonas Bettger.

Sehr viele Leute seien von den Zuständen extrem genervt, aber kaum einer aber melde die Probleme zum Beispiel der SOB. „Warum, das ahne ich, denn ich habe die SOB kontaktiert, mehrfach, schriftlich und telefonisch. Dabei erfuhr ich nicht nur Freundlichkeit und Verständnis, nein einmal durfte ich mich ziemlich blöd anreden lassen.”

Schon im letzten Jahr habe er bei der SOB nachgefragt, ob man da nicht etwas ändern könne, und gebeten, vor allem in Hauptverkehrszeiten mit vielen Schülern und Pendlern für ein höheres Platzangebot zu sorgen, also mit einem extra angekuppelten Fahrzeug zu fahren. Damals habe er von der SOB als Antwort bekommen, dass so eine Maßnahme nicht wirtschaftlich, also rentabel sei. „Ja was denn nun, liebe SOB? Ist das vielleicht der wahre Grund für die ablehnende Haltung auch heute? Bisher konnte und durfte ich das nicht erfahren, wurde vertröstet oder aber unterbrochen und belehrt. Wird hier absichtlich mit unserer Gesundheit Kasse gemacht? Ich weiß es nicht.”

Die Auftragsbehörde der SOB, die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Eisenbahnverkehr in Bayern im Auftrag der Regierung von Bayern plant, finanziert und organisiert, stellte übrigens auf Bettgers Anfrage klare Forderungen an die SOB. Man antwortete ihm: „Sollte es zu einer dauerhaften Überbesetzung eines Zuges kommen, erwartet die BEG, dass das Verkehrsunternehmen – hier die SOB – auf die BEG zukommt, um entsprechend Abhilfe zu schaffen.“

Leider sehe die SOB, die als Tochter der Deutschen Bahn eigenständig Zugfahrten organisiert sowie die Infrastruktur verwaltet und ausbaut, das bisher wohl anders. Der 20-Jährige: „Ich finde das schade und enttäuschend. Die BEG als Auftraggeber müsste die Leistungen anfragen, denn auf eigene Faust wird die SOB nichts tun. Wichtig dafür wäre: Es müssten sich endlich alle an einen Tisch setzen, über die Situation reden und sie positiv beeinflussen, zum Beispiel die bestellte Fahrzeugmenge erhöhen. Doch bisher scheint nicht mal eine Pandemie Grund genug für konkrete Maßnahmen.”

Man habe ihn lieber darauf hingewiesen, dass Abstände mit Maske kein Muss mehr seien. „Die wechselnden Anweisungen zum Einhalten oder Nicht-Einhalten von Abständen verwirren viele Menschen, so dass ich es gut verstehe, wenn es ihnen dann egal ist, ob sie Abstand halten oder nicht. Verpflichtende Abstände, Überlegungen ins Detail und sinnvolle Kontrollen würden dafür sorgen, dass sich endlich jeder auskennt und sich niemand herausreden kann. Mir erscheinen die Vertröstungen und Entschuldigungen wie Ausreden.”

Bettger abschließend: „Eigentlich mag ich die Bahn ja sehr gerne, aber das hat mich wirklich enttäuscht. Ich wünsche mir, dass die SOB in Zukunft mehr Fahrzeuge auf der Strecke einsetzt und damit endlich für mehr Sicherheit in Zeiten von Corona sorgt Konkrete Maßnahmen zu ergreifen ist notwendiger denn je, um Corona nachhaltig zurückdrängen zu können.”

 

 

Auch in den Bussen herrscht bisweilen dichtes Gedränge. Das Landratsamt hat deshalb eine Beschwerde-Adresse eingerichtet (wir berichteten).  Missstände unbedingt dorthin melden – und/oder Fotos an

info@wasserburger-stimme.de senden…

Überfüllte Busse dringend melden

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6 Kommentare zu “„Null Abstand in der Bahn”

  1. Eventuell hilft hier ja eine Strafanzeige direkt bei der Staatsanwaltschaft wegen Verstoß gegen die Verordnung (EG) Nr. 1371/2007, Artikel 26 ‘Persönliche Sicherheit der Fahrgäste’ …

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  2. Ja oder eine Sammelklage wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Denn genau das ist es was hier geschied, auch bei den jüngeren Schulkindern.

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  3. Eine Aussage von unserem Ministerpräsidenten dazu von heute, ja wenn ich den Zug und Bus so anschaue dann ist das in der Tat ein leichtsinniger Umgang mit Corona!
    Herr Söder, sie predigen von der Kanzel herab, beschuldigen die Jugendlichen des Leichtsinns. Das ist nicht fair!

    “Am Dienstag (22. September 2020) hat sich Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mit einem Appell zur höchsten Vorsicht und Sorgfalt besonders an jüngere Menschen gerichtet. In der Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen sei ein immenser Anstieg an Infizierten zu beobachten. Das liege daran, dass die Menschen im Umgang mit den Corona-Maßnahmen immer leichtsinniger würden. Vor allem jüngere Menschen besäßen nicht genügend Bewusstsein und würden dementsprechend locker verfahren”

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  4. Genau das gleiche Szenario ist in vielen, vielen Schulbussen des RVO der Fall!!

    Wann geschieht denn endlich was?
    Ich habe ebenfalls mehrere Emails an den RVO sowie an das LRA geschickt – „… werden uns sofort in Verbindung setzen … kümmern uns darum …“.
    Bis heute ist nichts passiert!

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  5. War ja klar das alles so bleibt wie vor corona! Wo sollen jetzt plötzlich mehr Busse, Personal etc herkommen? Ganz ehrlich ein gesunder Menschenverstand und wo kein Abstand eingehalten werden kann natürlich Maske und bitte keine Hysterie dann klappt das auch in den Bussen! Also wenn kein Abstand möglich dann bitte Maske!!!

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  6. Wenn diese Aussagen hier nicht Ernst gemeint wären, müsste ich jetzt schmunzeln….
    Was mir auffällt….ein Herr Söder erklärt gerade den “Weltuntergang apokalyptischen Ausmaßes” und genau die Institutionen die zum Teil von der öffentlichen Hand finanziert werden, setzen die Massnahmen nicht um…..das kann man nicht erfinden….😂😂😂
    Noch deutlicher kann man Unsinn nicht darstellen…..😂😂😂✌
    In diesem Sinne, bleibt gechillt…😉✌

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