Nach oben geht nichts mehr

Trotz Wohnraummangels: Antrag der Grünen auf Aufstockung städtischer Gebäude abgelehnt

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Es ist ein Dauerthema in Wasserburg: Wohnungen zu erschwinglichen Preisen sind nach wie vor Mangelware. Deshalb nahmen die Grünen die von der Kommune verwalteten Anlagen ins Visier und beantragten, Wohnraum durch die Aufstockung auf bestehende Gebäude zu ermöglichen. Die Stadt hat allerdings ihre Hausaufgaben gemacht und sämtliche Optionen geprüft. Ergebnis: Mehr ist nicht möglich.

Es geht um rund 200 Wohnungen, verteilt auf etwa 50 Wohn- und Geschäftsgebäude, die in der Obhut der Stadt sind. Damit sich die Bürger auch künftig das Wohnen in Wasserburg leisten können, forderten die Grünen jetzt von der Verwaltung eine Liste aufzustellen, wo durch Ausbau und Aufstockung weitere Wohnungen eingerichtet werden können.

 

Das ist allerdings schon teils vor Jahren geprüft worden. „Wir sind ja nicht von irgendwoher geschwommen“, kommentierte Bürgermeister Michael Kölbl den Antrag der Grünen. Robert Mayerhofer vom Liegenschaftsamt präsentierte denn auch eine Aufstellung, wo eine Aufstockung erfolgreich umgesetzt, geprüft und verworfen wurde oder schlichtweg nicht sinnvoll oder möglich ist.

 

Als Paradebeispiel für gelungenen Ausbau dient das Gebäude an der Bahnhofstraße 60 in Reitmehring. Bereits vor zehn Jahren wurde das Haus für rund zwei Millionen Euro umfassend umgebaut und modernisiert. Ein Aufzug wurde außerdem installiert und zwei Wohneinheiten mit etwa 180 Quadratmetern Wohnfläche im Dachgeschoß geschaffen.

 

Bei den Anlagen in der Brunhuberstraße 20 – 24, Am Wuhrbach 5, 7 und 9 sowie beim Quartier Unteres Burgerfeld war eine Aufstockung akribisch geprüft und verworfen worden. Beispielsweise war am Unteren Burgerfeld eine Dachgeschossaufstockung in Betracht gezogen worden, die aber aus technischen Gründen nicht möglich war.

 

„Der Großteil der Wohn- und Geschäftsgebäude eignet sich aufgrund baurechtlicher, denkmalschutzrechtlicher und wirtschaftlicher Aspekte nicht für eine Aufstockung“, erläuterte Mayerhofer. Stattdessen empfahl er, die finanziellen und personellen Kräfte für eine Nachverdichtung zu bündeln. Besonders gelungen sei das etwa beim Objekt an der Ponschabaustraße 9, wo ein Bungalow abgerissen worden ist und ein innovativer Holz-Hybridbau mit 23 barrierefreien und bezahlbaren Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen errichtet wurde (Foto, wir berichteten).

Weitere Möglichkeiten, Wohnraum zu schaffen, gibt es künftig auf dem Gelände der ehemaligen Essigfabrik am Holzhofweg, an der Bahnhofstraße in Reitmehring und in der ehemaligen Kaserne und jetzigem Polizeigebäude am Kaspar-Aiblinger-Platz.

 

Obwohl damit der Antrag einstimmig abgelehnt wurde, zeigte sich Steffi König (Grüne) angesichts der ausführlichen Präsentation versöhnt. Edith Stürmlinger (Bürgerforum) und Heike Maas (CSU) wünschten unisono, an Privatleute heranzutreten, um sie für eine Aufstockung ihrer Wohnhäuser zu gewinnen.

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9 Kommentare zu “Nach oben geht nichts mehr

  1. Anlass unseres Antrages war natürlich nicht, dass wir der Meinung wären, die Verwaltung wäre “von irgendwoher geschwommen”, sondern dass bei der anstehenden Neufassung der Bayerischen Bauordnung sowohl eine Änderung des Abstandsflächenrechts als auch Erleichterungen für den Holzbau kommen werden. Dies geschieht mit dem ausdrücklichen Ansatz, kosten- und flächensparende Nachverdichtungen durch Aufstockung zu erleichtern. Das sollte dann auch für eine Stadt wie Wasserburg Grund genug sein, zehn Jahre alte Beschlüsse nochmal einer Neubetrachtung zu unterziehen, ohne dass man sich schon durch den Antrag gleich wieder auf den Schlips getreten fühlt.

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    1. könnte man so etwas nicht intern regeln, Herr Stadler?

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      1. Könnte man. Wenn aber der Bürgermeister unseren Antrag öffentlich schlecht redet, ist es auch erlaubt, öffentlich dazu Stellung zu nehmen.

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      2. Man merkt schon deutlich, dass Frau Maas noch nicht so ganz vertraut mit den Gegebenheiten der Altstadt ist. Wo wollen Sie denn bitteschön noch aufstocken? Wollen Sie den paar kleinen Innenhöfen, welche zum Teil sogar einen kleinen Garten beherbergen, den Garaus machen, weil dann gar kein Licht mehr reinkommt? Bevor man solche Gedanken hegt, sollte man vielleicht auch einmal darüber sinnieren, welche Häuser seit langem leer stehen und allmählich dem Verfall preisgegeben werden. Hier würde es meiner Meinung nach Sinn machen, mit den entsprechenden Eigentümern zu sprechen. Man könnte mit Sicherheit den einen oder anderen, in die Jahre gekommenen, Altbau gründlich sanieren und an moderne Wohnverhältnisse anpassen. Ich verstehe auch nicht, warum in anderen Bundesländern einfach vorausschauender gebaut und geplant wird. Hier stehen dann auf Aldli und Konsorten eben Wohneinheiten.

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        1. Wo lesen sie bitte raus, dass sich der Antrag bzw. die Diskussion darüber und somit auch die Aussage von Frau Maas explizit auf die Altstadt bezogen haben?

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  2. Das ist, zumindest erst mal, ein vernüngtiges Zeichen des Stadtrates.
    Die Verdichtung des Burgerfelds in den letzten Jahren erscheint mir städtebaulich, wie sozialverantwortlich, an die Grenze des Erträglichen gestossen zu sein.
    Das Thema Verkehrsplanung wurde mE komplett ignoriert und die Bürger, die schon länger dort wohnen, müssen eben mit der reduzierten Wohnqualität klar kommen. Übrigens nicht nur die Menschen, auch Flora und Fauna muss den, offensichtlich von der Vaerwaltung als selbstverständlich angesehenen Verdichtungen, Tribut zollen. Will man so weiter machen, jedes “verlassene” alte Häuschen, der Erbengemeinschaft und einem “Immobilienentwickler” zu überlassen, um jeden m³ “optimal” zu versilbern?
    Da würde ich mir doch mehr Kreativität und Verantwortungsbewustsein wünschen. Leerstehende Gewerbeimmobilien “verschönern” weiter die Perepherie. Warum muss es noch ein Finanz- und Vermessungsamt geben (Homeoffice, digital Administration, war nicht heute gerade wieder ein netter Artikel ;-))? Beamtenfachschule und Stiftung Attel schnappen sich jeden frei werdenden Flecken. Dort würden mir schon noch Möglichkeiten des “Aufstockens”, bzw. Bebauens von schon lange brach stehenden Flächen einfallen. Das uralte Thema Bauhof, raus aus der Stadt (zB in die Strassenmeisterei). Neu das Thema “Essigfabrik”, und es wird Jahre dauern, bis alle Planer und Stadträte alles dazu gesagt haben.
    Frei werdenden Flächen in der Innenstadt (Polizei, Feuerwehr). Ich würde sagen, bisschen Fahrt auf nehmen und sich nicht immer hinter der Bürokratie verstecken, dann kann da noch viel Wohnraum geschaffen werden , bzw. hätte schon geschaffen werden können.

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  3. Das schaut nach einer klassischen Scheindebatte im Stadtrat aus. Ein wenig präziser Antrag der Grünen zum öffentlichkeitswirksamen Thema ‘Wohnen’. Und die erwartbare Zurückweisung jeder Änderung am Status Quo durch Bürgermeister Kölbl.
    Ein Blick in den aktuellen Stadthaushalt hilft bei der Einordnung dieses Vorgangs. Bis einschließlich 2023 sind keine nennenswerten Investitionen in städtische Wohngebäude geplant.
    ‘Wohnen’ scheint – ähnlich wie ‘Bildung’ – für Bürgermeister und Stadtrat tatsächlich also keine hohe Priorität zu haben. Und alle! im Stadtrat vertretenen Gruppen scheinen sich dabei einig zu sein, schließlich wurde dieser Haushalt einstimmig angenommen.

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  4. Ahhhsoooo, deswegen baut man kein Sattel- bzw Schrägdach mehr, wie hier abgebildet in der Ponschabaustraße…….die Abdichtung funktioniert ja dauerhaft – oder auch nicht – wie die Turnhalle (respektive Schwimmhalle) der Mittelschule in unmittelbarer Nähe ja mehrfach / andauernd beweist!

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  5. I woa’ wos: A da Oidstodt drin grobm ma Erdlecher nachad hamma des Motto “back to the Roots” für olle erdverbundna, feichtelt hoid a bissal, aber des hod a glei a Bunka- Schutzwirkung.
    Wem des z’diaf unt’ is der ko im Kellerberg in de seit Jahrzehnten(!) laarstähadn Bierkatakomben eiziang, inklusive Freibier(versteht sich) dann braucht er/sie/es den ganzen “Grampf” der so oblafft nimma mid oschaung und hean!
    Sodala – und an Fuassboiblotz bau ma a paar gschmeidige Woikenktatzer im Sinn vo Babylon eine, nachad ko ma über a Bruckn glei ausm “Oidstodttröpfchen” (der Innperle) eben aussegeh…an Griasparkblotz kannt ma im Zuge vo dem ganzen a glei zuabaun dann wer’n d’ Autos a da Stodt a glei weniger…de örtlichen Bauunternehmer warad sakrisch ghoiffa und de arbadslosen sowieso!
    Nachad hamma zig Fliang mid oana Klapp’n daschlong und a glei de Stodt vo lästige Insekten befreit!?😜🤐

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