Nach knapp 60 Jahren naht das Aus

Wasserburger Traditionsgeschäft „Boutique Hinterberger" schließt zum Jahresende

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„Es tut mir in der Seele weh, aber es macht auf lange Sicht keinen Sinn mehr. Wir schließen zum Jahresende die Pforten”, sagt Claudia Mairhofer. Sie betreibt das Wasserburger Traditionsgeschäft „Boutique Hinterberger” seit 21 Jahren. Nächstes Jahr hätte Hinterberger sein 60-jähriges Bestehen in der Hofstatt feiern können. „Der Online-Handel und die Discounter, die mittlerweile ja fast ein Vollsortiment aufweisen, haben uns das Leben schwer gemacht.” Ein Wasserschaden vor zwei Jahren und die Corona-Krise gaben dem Geschäft jetzt den Rest.

„Ich habe es mir nicht leicht gemacht. Das war ganz sicher keine Entscheidung von heute auf morgen. Ganz im Gegenteil: Ich hatte viele schlaflose Nächte. Aber wenn ich in die Zukunft schaue, sehe ich eigentlich keine Chance mehr für das Geschäft”, so Mairhofer. Wachsende Bürokratie, immer mehr Auflagen von den Behörden und zunehmende Online-Konkurrenz – das sind für die Betreiberin der „Boutique” die Hauptgründe für die Schließung. „Und wir haben einfach keine Chance, mit den Discountern am Stadtrand preislich mitzuhalten. Die bieten mittlerweile viele Dinge an, die unser Geschäft früher stark gemacht haben und mit denen wir eine Alleinstellung hatten.”

Ausdrücklich bedanken wolle sie sich beim Verpächter („Er ist immer sehr fair mit uns umgegangen”), bei ihrer Familie („Sie hat mir stets den Rücken freigehalten”) und vor allem bei ihrem insgesamt siebenköpfigen Team. „Meine Mitarbeiterinnen haben sich Tag für Tag toll engagiert. Für sie tut es mit besonders leid. Es ist echt bitter.” Über jede von ihnen könnten sich die neuen Arbeitgeber jetzt schon freuen: „Das ist einfach super, mit welchem Herzblut die an ihre Aufgaben herangegangen sind – und das nicht nur wochentags, sondern auch am Samstag oder am Marktsonntag.”

Insgesamt sieht Mairhofer eine sehr schwierige Zeit auf die kleinen Geschäfte – nicht nur in Wasserburg – zukommen. „Die Fixkosten und die Auflagen sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. Da wird das, was am Ende überbleibt immer weniger.”

Wie’s mit dem „Hinterberger” in der Hofstatt nach der Schließung zum Jahresende weitergeht, steht in den Sternen. „Ich denke mal, der Verpächter wird den gerade eben sanierten Laden ausschreiben.”

Ein „herzliches Danke” schickt Claudia Mairhofer  an ihre treuen Stammkunden. „Ich werde sie sicher alle vermissen. Aber jetzt sehen wir uns ja erst noch ein knappes  halbes Jahr.”

 

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15 Kommentare zu “Nach knapp 60 Jahren naht das Aus

  1. Wieder ein “Internetopfer”. Es ist sehr schade dass es vielen Kunden nur um den Preis und um die Bequemlichkeit geht. Es werden von der Ware Fotos gemacht und gleich im Netz die Preise verglichen. Das ist doch ein unmögliches Verhalten, das ich beobachte. Wie dumm muss sich da ein Verkäufer/in vor kommen? Die Geschäfte vor Ort haben doch ganz andere Kosten, als die Riesen im Netz. Die Internetriesen zahlen Hungerlohn und bezahlen keine Steuern.Dann heißt es nur der kleine Handel ist so teuer. Ich hoffe dass viele Kunden, wie ich, mal darüber nachdenken, was der Handel vor Ort bedeutet. Für das was ich mehr bezahle, werden Arbeitnehmer gut bezahlt und die Stadt und der Staat will auch sein Geld. Der kleine Händler vor Ort braucht auch noch sein Auskommen. Darum muss ich einfach etwas mehr bezahlen. Die Ware in den kleinen Läden ist nicht überteuert, wenn man bedenkt wer von diesem Geld bezahlt werden muss. Die/den Verkäuferin, Verkäufer die/der uns berät muss auch bezahlt werden. Egal welcher kleine Handel es ist, er sollte Unterstützt werden. Ich zahle liebe etwas mehr mit gutem Gewissen, dass ich das Personal und auch dem Inhaber sein Auskommen sichere. Aber das was ich oft von anderen Kunden sehe, wie sie Fotos z.B. von Schuhen machen, sich beraten lassen und im Internet kaufen. Da fällt mir nichts mehr ein. Es tut mir so leid für das Traditionsgeschäft Hinterberger. Ich war so gerne drin. Ich wünsche euch viel Kraft.

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    1. Neue Techniken kommen immer mit einem Versprechen „Es wird einfacher und bequemer“. Das galt auch für das Internet. Und man konnte schon alle Zeit der Welt sehen, wo das hinführt. Gerade ein Traditionsgeschäft, was eben in seiner eigenen Tradition gefangen, wird also früher oder später „Selbstmord“ begehen. Vor allem dann, wenn durch das Geschäft nicht den täglichen Bedarf – Essen/Trinken- bedient, sondern Sachen die man so ab und an mal mehr oder weniger gerne hätte bevorratet.

      Diese Entwicklung lässt sich nicht mehr aufhalten. Und ja wir sind da alle selbst „schuld“. Klar wird hier wohlfeil gewettert auf den OnLine Handel, aber nutzen tuen wir ihn alle. Das Kaufhaus am Bildschirm ist doch allzu bequem. Und gerade die Werbung erklärt uns seit Jahrzehnten sehr erfolgreich, wie dumm wir sind, falls wir nicht das günstigste Angebot nutzen.
      (m.E. extrem deutlich bei den Strichmännchen im Flugzeug – Sie wissen was ich meine)

      Aber was wir noch nicht sehen, ich hoffe Wasserburg bleibt es erspart, ist die einhergehende soziale Verödung, die hierdurch hervorgerufen wird. Man kann es im Osten gut beobachten. Geschäfte, Friseure ja alles schließt. Es gibt keine sozialen Mittelpunkte mehr. Der Mensch sucht sich dann was Größeres wo er einen vermeintlichen Zusammenhalt findet. So konnte dann zB. Pegida entstehen.

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  2. Ich habeTränen in den Augen als ich das gerade lese . So ein schöner Laden schliesst . Ich habe so oft da eingekauft , von Bastelsachen über Badeanzug ,meine Schuhe für das Bürgerspiel 2009 und und und . Es ist so schade , die Verkäuferinnen waren so nett und hilfsbereit . Es tut mir so leid . Ich wünsche Ihnen allen alles Gute und viel Kraft !!!!

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  3. Oh nein 😱 ich bin entsetzt !!!
    Liebe Claudia, dein Laden hat immer die Sachen gehabt die ich sonst nirgends gefunden habe. Ihr seid nicht zu ersetzen!!

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  4. Das tut mir sehr leid Claudia, Ihr gehört zu Wasserburg doch einfach dazu. Sehr schade 🙁 Ich wünsche Dir alles Gute für neue Ziele und in allen Bereichen viel Glück und Erfolg.

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  5. Das ist sooo schade! Ich bin sehr traurig darüber! Man konnte hier immer etwas finden, Geschenke, Bastelideen, Lustiges….! Es ist so traurig, dass so ein wichtiger Laden weg sein wird!

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  6. Ich muss ganz ehrlich sagen was die Geschäfte Umkosten haben ist mir Egal ich muss auch auf meinen Geldbeutel schauen und wenn es extrem einen Unterschied gibt im Internet dann sollen die Leute da Einkaufen wo sie es für richtig halten dann sollen sie zusperren wenn es sich nicht rentiert (…)

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    1. @Ein Anwohner, aber vorher gehen Sie dann in den Laden und lassen sich beraten? um dann billig das gleiche Produkt zu kaufen?

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  7. Ja, es ist zum heulen. Bald gibt es in Wasserburg nur noch Essen, Trinken und Drogeriewaren. Letzteres wohl auch nicht mehr lange.

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  8. @ein Anwohner: Ich kann dieses Argument nicht wirklich nachvollziehen. Ich schau auch auf Geld, aber ich kaufe lieber weniger und gute Dinge, wie billigen Schmarrn. Und im Internet kann ich solche Dinge wie der Hinterberger hat schon gar nicht kaufen. Ich muß das sehen, anlangen könne. Manchmal habe ich ein Projekt, weiß noch nicht genau wie ich es lösen soll. Da brauch ich die vielen Dinge in solchen Läden, dann fällt mir schon was ein. Mir wird ganz schlecht, selbst wenn ich weiß was ich brauche muß ich ja auf 10, 20 Seiten schauen, bevor ich das zusammen habe. Ich glaube hier nicht an die Konkurrenz durch das Internet. Ich denke die Leute werden einfach unkreativer und fauler. Man kauft das Zeug billig in China hergestellt anstatt sich selber Gedanken zu machen.

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  9. Die Bürokratie hat es geschafft.
    Wida oana hi.

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  10. @penelope machen sie doch bitte mal ein Beispiel für eines ihrer Projekte wofür sie 20 30 Internetseiten benötigen um alles zusammen zu bekommen.

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  11. @Ich …haben Sie schon mal etwas für einen runden Geburtstag organisiert, für eine Hochzeit oder ähnliches? So mit allem drum und dran, von Karten bis zur Tischdeko, von Spielen bis zum Mitbringsel für alle Gäste, oder Kindergeburtstag? 20 Seiten zu googeln wären da Minimum und dann hat man es trotzdem nicht wirklich gesehen und oder Tip von einer Verkäuferin bekommen.

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    1. @Maria Mittner, Sie machen das Falsch die Sparfüchse gehen erst in den Laden lassen sich alles erklären und beraten, sagen dann komme Morgen wieder um die Sachen zu kaufen und machen sich ran ans Internett und kaufen es dann dort billiger ein. Das sind halt die Leute die meinen Service ist kostenlos und steht ihnen zu.
      Das verstehen wir halt nicht wir sind einfach zu dumm dafür 🙂
      Soll heißen wenn ich mich beraten lasse und das Produkt gefällt mir bzw. möchte ich haben dann kaufe ich das dort auch.

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  12. Jeder kauft dort ein, wo er für sich selbst den größten Nutzen sieht…

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