„Moralisch eine Katastrophe“

Matthias Schnetzer, Bürgermeister von Edling, ärgert sich: „Das verstehe ich nicht, das ist nicht moralisch.“ Was den CSU-Mann so auf die Palme treibt, ist die Nachricht, dass eine Holzhütte auf seinem Grundstück bei Schloss Hart laut Bescheid des Landratsamtes innerhalb der nächsten Wochen abgerissen werden muss. Seit Jahren ist der Bau fast unbeanstandet für 14 Jungs und Mädchen ein beliebter Freizeittreff. Pikant: Einer der Jugendlichen ist Jakob (18), Sohn des Bürgermeisters.

Komplett in Eigenregie haben die jungen Leute über vier Jahre lang an ihrer Hütte gearbeitet. Gemütlich wirkt der rund 40 Quadratmeter große Holzbau mit Balkon auf zwei Seiten und auf zwölf Stelzen teils an einen Hang gebaut, sodass die Hütte an der höchsten Stelle etwa drei Meter hoch ist. In dem Raum mit Tisch, Eckbank, einer Couch und einer kleinen Bar treffen sich die jungen Menschen nach der Arbeit oder am Wochenende. „Es ist ein Projekt, das nie fertig ist“, sagt Jakob Schnetzer nicht ohne Stolz

Das scheint einem Unbekannten ein Dorn im Auge: Bereits 2018 ging beim Landratsamt Rosenheim eine anonyme Anzeige ein: Schwarzbau. Das Amt schickte die Baukontrolle vorbei, die eine Kapazität von 160 Personen (!) errechnete. Viel zu viel Gewicht für den Bau, in dem realistisch bestenfalls 50 Leute Platz finden. Logische Folge: Abriss! Die absurde Berechnung wurde denn auch übergangen und die Hütte auf dem Privatgrundstück von Bürgermeister Schnetzer zwei Jahre geduldet. „Auch der Gemeinderat, dem ich letztes Jahr die Hütte vorgestellt habe sowie die Bürgermeister der Umgebung hatten keine Einwände“, sagt das Gemeindeoberhaupt.

 

Vor einigen Wochen dann erneut eine anonyme Anzeige. Da rief Landrat Otto Lederer bei Schnetzer an und berief sich aufs Baurecht. Denn für die Holzhütte liegt keine Baugenehmigung vor  und muss deshalb abgerissen werden.

„Rein rechtlich ist das in Ordnung“, betont Schnetzer, „aber doch nicht moralisch.“ Worüber sich der Gemeindechef aufregt ist die Tatsache, dass es seiner Schätzung nach rund 150 derartiger Hütten im Landkreis gibt, die Jugendlichen als Treff dienen. „Wenn man so will, sind das doch auch alles Schwarzbauten.“

 

Für Schnetzer sind solche Hütten Jugendarbeit; „Sollen sich die jungen Menschen stattdessen vielleicht an der Tankstelle treffen?“ Er erwartet, dass das Landratsamt diesbezüglich nun Stärke zeigt, hat aber noch keine Stellungnahme erhalten. „Wenn die Hütte weg muss, gibt’s einen Flächenbrand“, befürchtet Schnetzer.

Wer hinter der Anzeige steckt, kann der Bürgermeister nur vermuten. „Aus der Nachbarschaft kommt es nicht“, sagt er; „vielleicht ist es politisch motiviert…“