Monat für Monat im Einsatz

Bilanz eines Jahres: Sicherheitswacht Rosenheim hat auch in Corona-Zeiten viel zu tun

Bereits seit Mitte des Jahres 2010 gibt es in Rosenheim eine Sicherheitswacht. Das zehnjährige Bestehen sollte 2020 mit einem angedachten Festakt gebührend gefeiert werden. Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie musste die Veranstaltung jedoch zuerst verschoben und letztlich ganz abgesagt werden. Dennoch konnten, nach erfolgreich durchgeführten Werbemaßnahmen, Ende des Jahres 2020, fünf neue ehrenamtliche Mitglieder für die Rosenheimer Sicherheitswacht dazugewonnen werden. Der Hygieneaspekt während der Schulungen stellte auch die Polizei vor große Herausforderungen.

Eine Frau und vier Männer durchliefen mehrere Fortbildungs- und Lehrveranstaltungen bei der Polizeiinspektion Rosenheim 2020, um schließlich im Abschlussgespräch die Schulung erfolgreich zu bestehen. Die Ernennung und die Übergabe der Urkunden wurden durch die damalige Polizeivizepräsidentin des Polizeipräsidiums Oberbayer Süd,  Eva Schichl, vollzogen.

Somit sind nun insgesamt 22 Ehrenamtliche, darunter auch ein Ehepaar, im Stadtgebiet unterwegs, was die Rosenheimer Sicherheitswacht zu einer der größten Sicherheitswachten in ganz Bayern macht.

 

Die jeweiligen Streifengänge der Ehrenamtlichen dauern meist zwei bis vier Stunden und erfolgen je nach Bedarf. War die Sicherheitswacht bisher vor allem im Umfeld von großen Veranstaltungen, wie dem Rosenheimer Herbstfest, Sommerfestival oder Christkindlmarkt im Einsatz, sollte dies in der Pandemie 2020 völlig anders sein. So unterstützte die Sicherheitswacht beispielsweise die Rosenheimer Polizeibeamten zu den Vorgaben nach der Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung. Insgesamt leistete die Sicherheitswacht im Jahr 2020 über 2.200 Stunden Ehrenamt.

 

Ein Auszug von Einsätzen aus dem Jahr 2020:

 

Januar

 

–        Im Januar 2020 waren auffallend viele Bettler in der Rosenheimer Innenstadt unterwegs. Die Sicherheitswacht erhob jeweils die Personaldaten und sprach entsprechende Platzverweise aus, nachdem sich auch Anwohner und Gewerbetreibende über das teils aggressive Auftreten der Bettler beschwerten.

 

Februar

–        Im Bereich Luitpoldpark wurde ein 28-jähriger Asylsuchender aus Bad Aibling beim Konsum vom Betäubungsmittel angetroffen, woraufhin eine Polizeistreife zur Unterstützung gerufen wurde. Ein Ermittlungsverfahren nach dem Betäubungsmittelgesetz war die Folge.

 

–        Zwei stark betrunkene Männer verhielten sich im Salingarten ungebührlich. Die zu Hilfe gerufenen Polizeibeamten wurden von den beiden Männern mit einem Schluck Wein aus ihrem Tetra-Pack und den Worten „Prost“ begrüßt. Bußgeldverfahren waren die Folge, da der Konsum von Alkohol im Salingarten aufgrund der Rosenheimer Stadtsatzung untersagt ist.

 

März

–        Im März eines jeden Jahres ist der klassische Wechsel der Versicherungen für Kleinkrafträder. Die Sicherheitswacht konnte einen Rollerfahrer in der Fußgängerzone antreffen, der sich ohne ein „neues“ Versicherungskennzeichen durch die Fußgänger schlängelte. Ende März wurde zudem ein 50-jähriger Mann aus Rosenheim in der Kaiserstraße mit selbigem Verstoß (Vergehen Pflichtversicherungsgesetz) angezeigt.

 

–        Bereits 2019 wurden in Zusammenarbeit mit dem Umwelt-/Grünflächenamt der Stadt Rosenheim Betretungsverbote für den Salingarten ausgesprochen. Diese Verbote sind die Konsequenzen für Personen, die mehrfach und wiederholt gegen die gesetzlichen Bestimmungen im Salingarten (mehrfache und beharrliche Verstöße gegen die Rosenheimer Stadtsatzung, Körperverletzungsdelikte) verstoßen haben. Der Zeitraum dafür beträgt in der Regel ein Jahr, weshalb das Betreten auch für einen 37-jährigen Rosenheimer noch Bestand hatte. Für die Sicherheitswacht war der Mann kein Unbekannter, ein Bußgeldverfahren die Folge. Nach Auskunft der Stadt wird dies mit einem Regelbußgeldsatz von 500 Euro verfolgt und geahndet.

 

April

–        Der Lock down war nun auch in Deutschland „angekommen“ und die Sicherheitswacht unterstützte vor allem an den Spiel- und Bolzplätzen, die von der Stadt Rosenheim nach und nach gesperrt wurden. Etliche Eltern mussten mit ihren Kindern nach Hause gebeten werden.  Auch die Seen, wie beispielsweise der Happingerau See, wurden in das Streifengebiet aufgenommen. Personen beim Angeln oder Sonnenbaden wurden höflich gebeten, den Platz zu verlassen. Absolut im Vordergrund standen der Dialog und aufklärende Gespräche.

 

–        Etwas verdächtig kam den Ehrenamtlichen ein 34-jähriger Mann am Innspitz vor. Wie sich später herausstellen sollte, lagen sie goldrichtig. Gegen den Mann bestand ein Haftbefehl. Nur durch Zahlung von rund 1000 Euro bei der Justiz konnte der Rosenheimer diesen abwenden und wieder „freien Fußes“ die Dienststelle verlassen.

 

Mai

–        Über 2,5 Promille zeigte der Atemalkoholtest bei einem 57-Jährigen an. Er versuchte im Salingarten provokativ vor den Augen der Sicherheitswacht auf sein Rad zu steigen und wegzufahren. Nach Belehrung der Ehrenamtlichen dies zu unterlassen, winkte er ab, fuhr dann trotzdem los. Er lasse sich nichts sagen, so seine Äußerungen. Er konnte von einer Polizeistreife kurz danach fahrend angetroffen werden, ein Ermittlungsverfahren wegen Trunkenheit im Verkehr war die Folge.

 

–        Ein 12-Jähriger, der der Sicherheitswacht auf dem Gehweg mit seinem motorisierten Roller entgegenkam, musste in der Folge seinen Eltern übergeben werden. Er war nicht zu Fuß unterwegs, sondern mit einem Kleinkraftrad. Gegen das strafunmündige Kind wurde ein Vorgang wegen Fahren ohne Fahrerlaubnis an die Staatsanwaltschaft übergeben, nachdem eine Streife vor Ort die ersten Maßnahmen getroffen hatte.

 

Juni

–        Wie wichtig die Fußstreifentätigkeit ist, bewies die Sicherheitswacht, als sie von einer Mutter im Innenstadtbereich angesprochen wurde. Gerade sei ihre 4-jährige Tochter im Getümmel der Fußgängerzone davongelaufen. Die Sicherheitswacht setzt über Funk alle Streifen der Polizei in Kenntnis. Nach Fahndungsleitung der Polizei, konnte die Kleine kurz danach auch schon wieder angetroffen und ihrer Mutter übergeben werden.

 

–        Der enge Kontakt zum Bürger verhalf auch zur Klärung eines Fahrraddiebstahls. Als der Geschädigte schilderte, dass ihm sein Fahrrad in der Kufsteiner Straße gestohlen wurde, nahm die Sicherheitswacht die Beschreibung des Rades auf. Nach rund 30 Minuten konnte das Rad samt Täter in der Nikolaistraße angetroffen und der Polizei übergeben werden.

 

–        Auch das sog. „Schwarzfischen“ ist nicht erlaubt. Am Kanal der Mangfall konnte die Sicherheitswacht zwei Männer beim Angeln beobachten. Sie hatten schon ein paar Fische gefangen, was ein Ermittlungsverfahren wegen Fischwilderei nach sich zog.

 

Juli

–        Etwas „auf die Lauer“ legte sich die Sicherheitswacht im Juli. Sie konnten im Salingarten ein Drogengeschäft beobachten und verständigten über das mitgeführte Funkgerät die Streifen der Polizei. Dank des Hinweises der Ehrenamtlichen, wurde in der Folge eine 27-jährige Rosenheimerin durch die zivile Einsatzgruppe (ZEG) Rosenheim festgenommen. Bei ihr konnte Marihuana aufgefunden und sichergestellt werden.

 

–        Mit rund drei Promille fiel ein 59-jähriger Rosenheimer der Sicherheitswacht fast „vor die Füße“. Er war mit seinem Fahrrad unterwegs und konnte sich nur schwer auf seinem Rad halten, ein Strafverfahren wegen Trunkenheit im Verkehr war die Folge nach erfolgter polizeilicher Anordnung einer Blutentnahme.

 

–        Auf einem Spielplatz in der Aventinstraße wurde ein 19-Jähriger beobachtet, während er gemütlich einen Joint rauchte. Die Polizei leitete nach entsprechender Information der Ehrenamtlichen über das mitgeführte polizeilichen Funkgerät, ein Ermittlungsverfahren ein.

 

August

–        Im August lag der Schwerpunkt der Streifengänge in der Überwachung der Stadtsatzung. Hierbei wurde überwiegend das Alkoholverbot im Salingarten kontrolliert. Etliche Personen wurden dabei angetroffen, Platzverweise ausgesprochen und Bußgeldverfahren über die Stadt eingeleitet.

 

September

–        Bewusstlos am Boden liegend, so konnte ein 44-Jähriger Obdachloser angetroffen werden. Die Sicherheitswacht leistete sofort Erste Hilfe und durch den hinzugerufenen Notarzt wurde der Mann ins Klinikum verbracht. Wie sich später herausstellen sollte, hatte er eine Alkoholvergiftung und großes Glück, dass  die  Ehrenamtlichen ihn dort aufgreifen konnten.

 

–        Bei einem Streifengang wurden die Ehrenamtlichen von mehreren Frauen angesprochen, welche von zwei Männern belästigt wurden. Das Duo konnte auch kurz darauf angetroffen werden. Beide hatten kürzlich einen Flirtkurs besucht und wollten nun „üben“. Offenbar bedarf es noch einer Vielzahl von Nachschulungen und Übungen der beiden, um beim weiblichen Geschlecht die Flirtkünste noch besser aufzeigen zu können.

 

Oktober

–        Auffallend war wieder eine Vielzahl von Bettlern im Oktober, die entsprechend von der Sicherheitswacht des Platzes verwiesen wurden.

 

–        Zwei Heranwachsende aus dem Stadtgebiet wurden von der Sicherheitswacht im Bereich des Innspitzes angetroffen. Beide rauchten einen Joint und die vor Ort gerufenen Beamten der Rosenheimer Polizei leiteten ein Ermittlungsverfahren nach dem Betäubungsmittelgesetz ein, auch das Rauschgift wurde sichergestellt.

 

November

–        Eine Art „Saufgelage“ wurde von der Sicherheitswacht im Salingarten beendet. Eine größere Personengruppe traf sich dort und trank Alkohol, kistenweise hatten sie die Getränke in den Salingarten geschleppt. Die Vorgaben des Infektionsschutzes wurden ebenfalls nicht eingehalten. Bußgeldverfahren wurden eingeleitet und Platzverweise ausgesprochen.

 

–        In der Leitzachstraße konnte eine Gruppe Heranwachsender angetroffen werden, auch dort wurde ein Joint herumgereicht. Folge war ein Ermittlungsverfahren nach dem Betäubungsmittelgesetz gegen die „Raucher“.

 

Dezember

–        Passanten baten die Sicherheitswacht in der Fußgängerzone um Hilfe. Ein Mann lag regungslos auf dem Boden und nach eingeleiteten Erste-Hilfe-Maßnahmen durch die Sicherheitswacht kam der hinzugerufene Rettungsdienst. Aufgefunden werden konnten mehrere Tütchen mit Kräutermischungen. Die Rauschgiftermittler der Polizei Rosenheim leiteten ein Verfahren gegen den 39-jährigen Wohnsitzlosen nach dem Betäubungsmittelgesetz ein.

 

Für die ehrenamtliche Tätigkeit werden auch weiterhin engagierte Bürgerinnen und Bürger gesucht. Wer Mitglied der Sicherheitswacht werden möchten, können sich bei der Rosenheimer Polizei, Erster Polizeihauptkommissar Robert Maurer, Telefon 08031/200-2030, Mai: pp-obs.rosenheim.pi@polizei.bayern.de, melden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Leitfaden für die Veröffentlichung von Kommentaren