Mit der „Zauberlaterne“ zum See

Aus dem Museum Wasserburg: Heute Interessantes zum Vorgänger des Dia-Projektors

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Das ist keine gwöhnliche Zeichnung – das ist ein Dia aus Glas! Eine kleine Gruppe hat sich zum Baden verabredet. Das Wasser scheint noch kalt zu sein, tastet sich doch der Bub in der rot-weiß gestreiften Badehose nur langsam vor. Seiner Spielkameradin geht es wohl nicht schnell genug: Ungeduldig zieht sie ihn an der Hand weiter hinein … Auch wir warten sehnsüchtig auf den Sommer. In früheren Zeiten wurde dieser von Eltern und Großeltern auch schon mal an die Wand projiziert. Deshalb: Interessantes heute über ein Objekt aus dem Wasserburger Museum, dem Vorgänger des Dia-Projektors …

Unser Foto aus dem Museum zeigt ein Glasbild mit dem Thema Wasserspiele für die Laterna Magica – vor 1900, Glas, Papier, geklebt, Chromolithografie, 20 x 6 x 0,2 cm.

Auf dem See befindet sich auch ein Ruderboot, in welchem drei weitere Kinder sitzen. Gebannt beobachten sie zwei Enten und einen Schwan, die an ihnen vorbeischwimmen. Vom begrünten Ufer aus angelt ein etwas älterer Junge. Gerade zieht er einen kleinen Fisch aus dem Gewässer. Seine Begleiterin freut sich über den gelungenen Fang. Ganz rechts sind erneut zwei Kinder zu sehen.

Sie befinden sich auf einer Holzbrücke, die über einen schmalen Fluss führt. Das Mädchen lehnt sich an das Geländer und stochert mit einer langen Stange neugierig in das Gewässer. Der Bub – etwas mutiger – hat indessen seine Hosenbeine hochgekrempelt und versucht, mit den Zehen das kühle Nass zu erreichen. Dabei hält er sich ebenfalls an dem Geländer fest, um nicht abzurutschen und in den Fluss zu fallen. Die vier Szenen wecken Sehnsucht nach einer unbeschwerten Zeit in der Natur und am Wasser.

Bei dem beschriebenen Bild handelt es sich nicht um eine gewöhnliche Zeichnung, sondern um ein Glas-Dia für die Laterna magica.

Diese ist als „Zauberlaterne“ (Foto) eine Vorgängerin des Dia-Projektors und somit eine Vorrichtung, mit welcher man Bilder vergrößert an die Wand projizieren kann.

Im Inneren des Blechgehäuses befindet sich eine Lichtquelle, deren Strahlen durch die Öffnung an der Vorderseite des Gerätes dringen. An dieser Stelle ist eine gekrümmte Linse angebracht. Sie ist in der Lage, einen nahen Gegenstand in vergrößerter Form auf einer beliebigen Fläche wiederzugeben. Hinter der Lichtquelle ist zudem noch ein Hohlspiegel montiert, der die Helligkeit der ausfallenden Lichtstrahlen erhöht. Die Glasbilder werden zwischen das Blechgehäuse sowie die Linse geschoben und dort unter Zuhilfenahme einer Feder stabilisiert.

Laterna magica, vor 1900, Metallblech, Weißglas, Holz, Metall, gestanzt, geprägt, lackiert, geformt, gebogen, gepresst, 36 x 12 x 27 cm.

Auch im Museum Wasserburg befindet sich eine solche Laterna magica, welche auf vier Messingfüßchen steht und mit einem ornamentalen Jugendstildekor versehen ist. Bei der Lichtquelle im Inneren handelt es sich hier um eine Petroleumlampe. Eine weitere Besonderheit dieses Exemplars ist, dass der originale Glaszylinder enthalten, der Apparat also noch funktionstüchtig ist

Konnte die Laterna magica mit ihren unterschiedlichen Glasbildern auch zur Belehrung dienen, beispielsweise bei Vorträgen, so zeigen sie doch vermehrt heitere Themen. Ihr Vorbild wiederum ist die Camera obscura, welche der neapolitanische Universalgelehrte Giovanni della Porta bereits im Jahr 1558 erfand.

Seit der Zeit des Biedermeiers findet man die Laterna magica in vielen bürgerlichen Kinderzimmern. Neben Puppen, Kaufläden, Pferdeställen, Papierspielen und Baukästen wurde sie als Spielzeug sehr geschätzt. Da mit diesen wertvollen Dingen aber nur unter Aufsicht gespielt werden durfte und die Kinder in den warmen Jahreszeiten die meiste Zeit im Freien verbrachten, kamen jene Spielsachen vermutlich vor allem im Winter zum Einsatz.

Die auf dem Glasbild wiedergegebenen Wasserspiele erweckten wahrscheinlich auch bei den Kindern Sehnsucht nach dem Sommer und somit der Möglichkeit, den gezeigten Aktivitäten selbst nachzugehen und die Szenen nachzuspielen.

Lena Hauser, Museum Wasserburg

 

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