Mit der Umschulung kam die Liebe

Nach einer niederschmetternden Diagnose findet Florian ein neues, doppeltes Glück

image_pdfimage_print

Unser Bericht handelt von dem Erfolgsfall eines jungen Mannes, dem die Agentur für Arbeit Rosenheim die Umschulung zum staatlich geprüften Bautechniker ermöglicht hatte und der dadurch seinen beruflichen Weg gefunden hat – und zufällig auch noch seine große Liebe … 

„Das ist mein Reich“, sagt Florian Zeilmann (Foto) und deutet in einem der Keller seines Arbeitgebers, der „Isidor Kotter GmbH für Hoch- und Tiefbau, Zimmerei“ in Frasdorf, auf die zahlreichen Regale, in denen Schrauben, Rinnen, Schneestopper und und und lagern. „Es gibt eigentlich nichts, was wir nicht haben und ich entdecke jeden Tag etwas Neues“, berichtet er mit einem Augenzwinkern.

Seit Januar 2019 ist der 26-Jährige bei dem Frasdorfer Unternehmen als Bautechniker angestellt und leitet dort den Bereich Zimmerei mit drei Gesellen und zwei Auszubildenden. Florian Zeilmann führt nun die Abteilung in dem Beruf, den auch er erlernt hat, in dem er aber schon mit 22 Jahren aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten konnte.

„Ich wollte schon als kleiner Bub Zimmerer werden und habe gleich nach der mittleren Reife eine Lehre gemacht. Nach dem erfolgreichen Abschluss habe ich begeistert als Zimmerer gearbeitet und da war es schon sehr bitter als ich 2015 bei der Arbeit mit den Knien solche Probleme hatte, dass ich nicht mehr aufstehen konnte. Die ärztliche Diagnose lautete: „Operation, Reha und den Beruf als Zimmerer an den Nagel hängen.“ Damals ist für mich schon eine kleine Welt zusammengebrochen“, sagt er.

Thorsten Liebold, Berater für Rehabilitation bei der Agentur für Arbeit Rosenheim, war damals sein Ansprechpartner und erinnert sich noch gut an Florian Zeilmann: „Der junge Mann war hoch motiviert und weil er als Schulabschluss die Mittlere Reife mitbrachte, war die Möglichkeit gegeben, ihm die Umschulung zum staatlich geprüften Bautechniker beim Berufsförderungswerk (BFW) in Kirchseeon mit Starttermin im Winter zu ermöglichen. Ein weiteres Kriterium dafür war, dass wir in diesem Berufsfeld einen sehr guten Arbeitsmarkt haben“, erklärt Liebold.

„Die Umschulung zu machen, das war eine goldrichtige Entscheidung“, sagt Florian Zeilmann. „Das Schönste ist, dass ich dort meine heutige Frau Monika kennengelernt habe, die als gelernte Maurerin mit mir zusammen die Umschulung zur Bautechnikerin machte. Heute arbeiten wir beide bei der Isidor Kotter GmbH“, sagt der 26-Jährige strahlend.

Von welchem durch die Umschulung erworbenen Wissen er bei seiner jetzigen Tätigkeit besonders profitiert?

„Heute verbringe ich rund 70 Prozent meiner Arbeitszeit im Büro mit Planung. Da spielen die Abstimmung zwischen dem Büro ‘Was können sie an Aufträgen annehmen?’ und meinem Team ‘Welche Auftragsmenge schaffen sie?’ eine wichtige Rolle.

Aber ich bin auch froh, dass ich etwas über Hochbaukonstruktion erlernt habe, denn die meiste Zeit verbringen die Zimmerer und Maurer in unserem Unternehmen bei Neubauten, Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten auf der Baustelle und da ist es schon gut und wichtig zu wissen, wie geplant wird, welche Materialien benötigt werden und wie alles zusammenhängt. Manchmal schnappe ich mir aber auch einen Gabelstapler und fahre herum und lagere alles ein. Das hat dann nichts mit theoretisch erworbenem Wissen zu tun“, sagt er mit einem Augenzwinkern.

Auf die Frage, wie es ihm gesundheitlich gehe, antwortet Florian Zeilmann: „Ich fühle mich fit. Das Wichtige ist bei der Arbeit halt die wechselhafte Belastung, mal sitzen, mal stehen – aber auch mal knien.

Und es macht jedes Mal Spaß, wenn ich mit meinen Zimmererkollegen zusammenarbeiten kann. Dabei profitiere ich in der Praxis von den 30 bis 40 Jahren Berufserfahrung, die meine Kollegen haben und ihnen nutzt hoffentlich das theoretische Wissen, das ich als Bautechniker habe.

Astrid Schneider, die bei der Agentur für Arbeit Rosenheim das Team, das Rehabilitanden wie Florian Zeilmann unterstützt, leitet, spricht über die Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, damit eine Umschulung unterstützt werden kann:

„Für Menschen, die gesundheitlich eingeschränkt sind, kann die Agentur für Arbeit Rosenheim, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind, Maßnahmen ermöglichen, um die Erwerbsfähigkeit zu erhalten oder wieder herzustellen. Dabei handelt es sich um personenbezogene Einzelfallentscheidungen“, erklärt Schneider. „Interessierte können sich per Mail an die Ansprechstelle-Rehabilitation@arbeitsagentur.de wenden.“

sti

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Leitfaden für die Veröffentlichung von Kommentaren