Maschendrahtzaun sorgt für Diskussion

Grundstück am Inn: Bauausschuss beriet über Abweichung von Gestaltungssatzung

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Passt ein Maschendrahtzaun ans Innufer, oder verschandelt er die Postkartenansicht der Altstadt? Mit dieser Frage hatte sich der Bauausschuss der Stadt bei seiner jüngsten Sitzung zu befassen. Ein Hausbesitzer in der Schmidzeile hatte den Antrag gestellt, in seinem Südgarten einen Drahtzaun als Absturzsicherung in Richtung Inn anbringen zu dürfen. Allerdings: Erlaubt ist satzungsgemäß eigentlich nur ein Holzzaun mit senkrechten Latten. Der Bauausschuss diskutierte die Frage dann auch dementsprechend eingehend.

Bürgermeister Michael Kölbl zeigte Verständnis für den Hausbesitzer: „Der Zaun soll begrünt werden. Dann ist er irgendwann nicht mehr sichtbar. Ein Holzzaun hingegen würde mit Begrünung rasch verrotten.” Ähnliche Zäune gebe es bereits bei den Schrebergärten weiter westlich, flußaufwärts am Innufer.

 

Ganz anders sah das Christian Stadler (Grüne): „Ein Maschendrahtzaun passt da nicht hin. Dafür haben wir doch die Gestaltungssatzung, die das klar regelt.” Ihm fehle im Antrag jegliche Begründung für das Vorhaben. „Wenn der Zaun ohnehin begrünt werden soll, ist es doch egal, wie er ausgeführt wird. Womöglich ist der Draht auch noch mit Plastik ummantelt. Da tun wir bei jeder TV-Anlagen rum und dann lassen wir bei unserer Postkartenansicht einen  Maschendrahtzaun zu. Ich wohne da, da gibt’s flussabwärts keinen einzigen solchen Zaun. Wenn wir das zulassen, können wir auch gleich neon-gelbe Fassaden genehmigen, wenn sie anschließend mit Efeu begrünt werden.”

Wolfgang Schmid (CSU) blies ins gleiche Horn: „Wir haben ein bisserl wenig Infos darüber, was der Antragsteller eigentlich will. Wenn er das ordentlich bepflanzt, dann ist die kleine Fläche zwischen Haus und Inn schnell zugewachsen. Womöglich nimmt er da Pflanzen her, die ewig den Maschendrahtzaun nicht vollständig verdecken. Dann haben wir den Drahtzaun mitten in unserer Schokoladenseite.”

Für den Antragsteller stimmte Christian Peiker (Linke), er ist selbst Landschaftsgärtner: „Ein Drahtzaun, der begrünt ist, das macht schon Sinn und sieht sicher schöner aus, als ein klobiger Holzzaun. Ich bin mir sicher, dass der Draht schnell durchwachsen und dann nicht mehr sichtbar ist.”

Die Räte gaben schließlich mit 4:2 Stimmen grünes Licht für den Drahtzaun. Aber: Er muss mit heimischen Sträuchern hinterpflanzt werden und darf nicht aus glänzendem Material und nicht mit Kunststoff ummantelt sein.

Foto: John Cater

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15 Kommentare zu “Maschendrahtzaun sorgt für Diskussion

  1. Passt in unsere heutige Zeit. Gestaltungssatzung? Ist anscheinend ein dehnbarer Begriff.

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  2. Ja mai, wenn’s uns langweilig is und wir koane andan Probleme ham, dann regen wir uns einfach üba den Maschendratzaun auf.

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    1. Wie wahr, wie wahr. Da gäbe es ganz andere Sachen, welche das Stadtbild sehr viel mehr “verschandeln”. Zum Beispiel die Motorradflut vor unserem schönen Rathaus am letzten Sonntag. Aber mei, des einen Freud, des andern Leid.

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      1. Genau, Motorradfahrer haben in Wasserburg Narrenfreiheit weil die können Parken wo sie wollen. Parke du mal mit dem Auto vor dem Rathaus, na servus!

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        1. Zum einen sieht man (leider) regelmäßig Autos vor dem Rathaus parken, ohne dass denen was passiert, zum anderen erschließt sich der Zusammenhang mit dem Zaun jetzt nicht. Dieser ewige Whataboutism nervt.

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        2. Was hat jetzt, dass Sie nicht mit dem Auto vor dem Rathaus parken können, mit Zäunen an der Innfront zu tun?

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      2. ..@ Michaela… wie verbittert und traurig muss ein Leben sein, um Motorradfahrer als Schandflecken zu bezeichnen… Manche Menschen können einem nur Leid tun..

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        1. Genau lesen: nicht die Motorradfahrer werden als Schandfleck bezeichnet, sondern deren Motorräder, speziell in ihrer Häufung (“Motorradflut”).
          Wie verbittert und traurig muss ein Leben sein, um anderen nicht getätigte Aussagen zu unterstellen, nur um sich theatralisch darüber aufregen zu können?

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          1. .. sorry, ich korrigiere meinen letzten Kommentar.. wie verbittert und traurig muss ein Leben sein, um Motorräder als einen einen Schandfleck zu bezeichnen..
            Diese Menschen tun mir Leid..
            Schönen Motorradfreien Sonntag noch..

  3. Was für ein Schmarrn. Von der anderen Innseite sieht man so einen Maschendrahtzaun so gut wie gar nicht. Aber Hauptsache alles hat seine Ordnung…
    Und ohne Kunststoffummantelung aber nicht glänzend – als ob das jemand merken würde. Aber so ist Deutschland.

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    1. Voll. Wer so nahe dran geht, dass man eine Maschendrahtzaun abgrenzen kann, bekommt eh kein Foto von der Wasserburger “Schokoladenseite”, weil er viel zu nahe dran steht

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  4. Meine Meinung: wenn es eine Gestaltungssatzung gibt, so hat das seinen Grund. Stadtrat sollte sich daran halten. Eine Ausnahme hier eine Ausnahme dort führt zu immer mehr Abweichungen. Die Konsequenz wird sein, dass das historische Stadtbild Wasserburgs mehr und mehr bröckelt.
    Ein Maschendrahtzaun ist wirklich kein Schmuck, und Begrünung meist nicht dauerhaft und dicht. Die meisten Hausbesitzer finden bessere und schönere Lösungen um ihr Grundstück einzuzäunen, obwohl sie keine Gestaltungssatzung befolgen müssen.

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  5. Viel Aufregung um nichts. Die Abweichung der Gestaltungssatzung zur Errichtung von PV-Anlagen wurde auch zugestimmt, was komplett untergeht. Dass aber anstatt eines Bretterzaunes, der nicht hätte bepflanzt werden müssen nun eine Wildhecke entstehen kann, die den Maschenzaun verdeckt…. Oh mei. Zusammengefasst, Abweichung der Gestaltungssatzung für Photovoltaik aus Klimagründen ist ok, Pflanzen die auch dem Klima dienlich sind zur verdeckung eines Drahtgeflechts, nicht ok. Was denn nun?

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  6. Oh oh der Maschendrahtzaun-streit bricht wieder aus. Den gabs doch vor einigen Jahren schon mal……..
    Wurde ein hit. Unter Stefan Raab. 😁

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  7. Da Stefan Raab hod üba soichan Zaun schon a Lied geschrim!!
    Ganz ehrlich, a schena, verzinkta Maschnadrodzaun is schena ois a ogstrichana Bredlvaschlog. Da MZ is voi liachtdurchlässig, man mua eam ned mid Farb streicha, er is vo da andan Seitn, a von da Stodseitn fast ned zum seng, es koi ois an eam aufewachsn, (a Imkenfuada, des wachsd doch e scho übaoi). Stodrod, habds nix foisch gmacht. I mog so Zäin, hob selba oan.

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