Martina und ihr Ort für die Seele

Applaus für einen schönen Abend beim Gartenbauverein Pfaffing

image_pdfimage_print

Die stille Abgeschiedenheit des Berges, fernab vom hektischen Alltag im Tal: Das sind die Sommer von Martina Fischer. Von Almauftrieb bis Almabtrieb übernimmt sie die harte Arbeit einer Almerin, melkt Kühe, macht Butter und Käse, mistet den Stall aus, betreut die Tiere liebevoll. So lebt sie im ursprünglichen Rhythmus der Jahreszeiten, den Gewalten der Natur ausgeliefert. In Pfaffing war die Autorin jetzt beim Gartenbauverein mit Christine Glasl (links im Bild) an der Spitze zu Gast. Stühle mussten noch herangeschleppt werden, so groß war das Interesse im voll besetzten Saal: Ein schöner Abend, der allen im Gedächtnis bleiben wird …

Bevor Martina Fischer anhand eines Bildervortrags zu erzählen begann, zog Christine Glasl für die rührigen Pfaffinger Gartler eine Jahresbilanz.

Keine Mühen scheut der Verein stets – allen voran die Vorsitzende: Christine Glasl hatte eigens den Treppenaufgang zum Gemeindesaal in Pfaffing passend zum Thema des Abends liebevoll ‚oimarisch‘ geschmückt – wie unsere Bilder zeigen ...

 

Sonderapplaus für Christine Glasl für eine liebevolle, oimarische Deko im ganzen Pfaffinger Gemeinde-Treppenhaus …

Aus der Gemeinde ist das große, ehrenamtliche Engagement der Mitglieder nicht mehr weg zu denken. Und das Schöne: Es gab gleich zehn Neuanmeldungen im vergangenen Jahr – Vereins-Nachwuchs quasi, der sich auch gleich miteinbrachte.

Vom traditionellen Radi-Essen über den schönen Schmuck am Pfaffinger Osterbrunnen bis hin zu den hübschen Blumen-Arrangements anläßlich der 60-Jahrfeier der Sportler – von interessanten Ausflügen bis zu kurzweiligen Vorträgen: Weit gefächert ist die Angebots-Palette der gemeinsamen Aktivitäten beim Pfaffinger Gartenbauverein.

Ein besonderer Dank ging an dieser Stelle von der Vorsitzenden Christine Glasl an die vielen, so fleißigen Helfer – ein ganzes, langes Jahr lang immer wieder unermüdlich aufs Neue!

Diesem Dank schloss sich Pfaffings Bürgermeister Lorenz Ostermaier (Foto) gerne an – die Gemeinde könne stolz sein auf so viel Ehrenamt. Froh sei er, dass der Generationenwechsel an der Führungsspitze – Christine Glasl hatte von der so viele Jahre lang 1. Vorsitzenden Maria Neudecker übernommen – so wunderbar funktioniert habe.

Eine tolle Kassenführung attestierten die beiden Prüferinnen Resi Demmel und Maria Traunsteiner der Finanz-Chefin der Pfaffinger Gartler, Christine Maier (Foto unten 3. von links), die im Saal ihren Jahresbericht abgab. Anschließend erfolgte einstimmig die Entlastung.

Zum Thema Finanzen hatte Sparkassen-Geschäftsstellenleiter Walter Koblechner, selbst Mitglied im Gartenbauverein, noch eine Überraschung parat: Eine 150-Euro-Spende – unser Foto zeigt ihn bei der Übergabe mit der Vorstandschaft …

Bei der Vorschau auf heuer berichtete Christine Glasl über einige anstehende Termine. Und Mitglied Willi Hesse hatte das Thema Saatgut-Vermehrung angeregt, dem man sich nun eigens in einer Arbeitsgemeinschaft widmen möchte.

Nachdem sich alle bei einem tollen Büffet gestärkt hatten, begann Autorin Martina Fischer mit ihrem Vortrag, einem sehr persönlichen Vortrag.

Einsam wird es auf einer Alm nie, auch wenn man es vermuten könnte. Das machte sie von Beginn an sehr deutlich. Ein enges Verhältnis zu den Tieren erfülle ihr Leben auf eine ganze neue Weise und auch an interessanten Besuchern mangele es nicht.

Die inspirierend bodenständige Autorin ließ die Pfaffinger auf charmante Art und Weise an ihrem Alltag, ihren Gedanken und Einsichten aus dem Leben auf der Alm teilhaben. 

Einfühlsam erzählte sie nicht nur von den traumhaften Seiten: Das ungeschönte Leben einer Almerin mit Hingabe bis zum Rand der körperlichen Erschöpfung – auch das gehörte zu ihrem ehrlichen Vortrag. Das Sich-selbst-Finden im Alleinsein und in der Zufriedenheit, die man nach einem Tag mit harter Arbeit, der um 4.30 Uhr beginnt und nie vor 21 Uhr endet, in sich spürend …

Ist es doch eine Arbeit, bei der man nicht zimperlich sein darf, wenn es heißt, zahlreiche Jungkühe, Kälbchen und Milchkühe zu versorgen. Wenn das Weidegebiet abgegangen und „geschwendet“, sprich von unerwünschtem Bewuchs freigehalten werden muss – wenn das Vieh täglich bei Wind und Wetter im weitläufigen Almgebiet kontrolliert, Zäune repariert und Brunnen instandgehalten werden müssen. Zudem soll ja die frisch gemolkene Milch sofort zu Rahm, Butter, Käse und Topfen weiterverarbeitet werden.

Gäste bewirtet Martina Fischer mit selbst zubereiteten Speisen, deren Rezepte sie in ihrem Buch ‚Die Alm‘, das vor knapp einem jahr erschienen ist und das sie in Pfaffing den Besuchern gerne signierte, ebenso weitergibt, wie altes Wissen etwa über Wetterkerzen, Almstock oder Almabtrieb. Gerne las Martina Fischer auch immer wieder Passagen aus ihrem Werk vor.

Ihr war es wichtig, Hintergründe über Tiere und Pflanzen, Brauchtum und tief verwurzelte Werte so zu schildern, wie sie es dort oben erlebt hat und erlebt.  Traditionen haben so viel Wertvolles, oft praktischen Nutzen und geben einem Halt – so ihr schönes Fazit.

Und was die Besucher zwischen den Worten für ihren Alltag lernen konnten am Pfaffinger Abend beim Gartenbauverein: Mehr auf die Geduld zu achten, sich etwas zuzutrauen – ‚Abers‘ bei Seite zu legen – und auch mal Stille auszuhalten …

Fotos: Renate Drax

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.