„Machen kein Kasperltheater mit Masken“

Abwarten, konzertierte Aktion, Unsicherheiten: Wie die Traditionswirtshäuser im Altlandkreis auf die nächsten Wochen blicken

image_pdfimage_print

Den großen Gaststätten rund um Wasserburg, viele mit hohem Personalstamm, Festsälen und Übernachtungsmöglichkeiten hat die zweimonatige coronabedingte Schließung besonders zugesetzt. Die Freude über die Wiedereröffnung wie auch die Hoffnung auf bessere Zeiten ist dementsprechend verhalten. „Wir machen kein Kasperltheater mit Masken, Desinfektion und so weiter!“Johann Brunnlechner, Inhaber des gleichnamigen Gasthofs in Babensham, ist sichtlich genervt über die Auflagen, die Gastronomen zur Wiedereröffnung am 18. Mai (zunächst nur im Außenbereich) erfüllen müssen. „Dieser ganze Kuddelmuddel“, kritisiert der Wirt die vielen Maßnahmen, „wenn wir aufmachen, dann g’scheit!“

Die zahlreichen Übernachtungsgäste, beispielsweise Arbeiter, die auch verköstigt werden durften, hätten seinen Betrieb über Wasser gehalten. Seine 13 Mitarbeiter (drei Angestellte, zehn auf geringfügiger Basis) hat er alle behalten und bei den Umbauarbeiten beschäftigt. „Alle sind seit vier bis sechs Wochen eingespannt und haben beispielsweise beim Putzen oder Streichen geholfen“, sagt er. Außerdem seien Urlaube und Überstunden abgeleistet worden. Freilich: Sollten die Einschränkungen in der Gastronomie noch länger andauern, „dann überlegen wir uns was.“

Die ganzen Auflagen sorgen bei Magret Sanftl, Chefin vom Traditionsgasthaus in Eiselfing für Unsicherheit. „Ich warte immer noch auf exakte Anweisungen vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband“, meint die Wirtin. Natürlich habe sie sich mit Gesichtsschutz, Desinfektionsmittel und Handschuhen eingedeckt. Ihre Gäste werden sich wohl in Listen eintragen müssen, damit man gleich verfolgen kann, wenn etwas passiert.

Noch habe sie im Biergarten für den 18. Mai keine Tische, Stühle und Bänke aufgestellt: „Sonst setzen sich die Leute gleich hin, wenn sie Speisen abholen. Rund 30 Gäste können dann draußen Platz nehmen.

„Die Verluste können wir nicht mehr aufholen“, sagt Sanftl bitter. Schließlich waren auch keine Versammlungen und Veranstaltungen mehr möglich. „Aber wir machen weiter“, betont sie, „wie’s läuft, weiß der Geier!“

Bis zum 25. Mai, wenn auch im Innenbereich wieder bedient werden darf, wartet Giuseppe Costanzo, Inhaber des „Il Caminetto“ in Haag ab. „Wir haben noch nichts genaues vom Landratsamt gehört“, beklagt er, „deshalb heißt es abwarten.“ Er und sechs weitere Haager Gasthäuser, darunter das Unertl Bräustüberl, die Restaurants Casa Tropea, Il Ritrovo da Michele, Akropolis, Taj Mahal und das Freibadstüberl, haben sich in der Zwischenzeit zusammengeschlossen, „um an einem Strang zu ziehen“. Costanzo selbst kam „einigermaßen gut“ durch den Lockdown, sein Lieferservice und der Straßenverkauf haben dazu beigetragen. Seine sieben Mitarbeiter sind noch bis Ende des Jahres „sicherheitshalber“ in Kurzarbeit.

Dass Stammtische, Hochzeiten, Beerdigungen und alle weiteren Veranstaltungen ausgefallen sind, hat Marion Grasser und ihrem Landgasthof Suranger bei Amerang arg zugesetzt. „Es wird Jahre dauern, bis wir die Verluste wieder aufgefangen haben““, prognostiziert sie. 40 Prozent weniger Gäste im Garten und 50 Prozent in den Gasträumen erwartet Grasser. „Die Nischen innen müssen wir ganz leerräumen, weil wir sonst den Mindestabstand nicht einhalten können“, sagt sie. Überhaupt die ganzen Maßnahmen: Salz und Pfeffer können nicht mehr aufgestellt werden, Besteck platziert oder Speisekarten ausgelegt – „was ist, wenn da jemand hin hustet?“

Künftig wird Messer und Gabel abgestimmt auf die Personenzahl an den Tisch gebracht, die Speisekarten wohl laminiert werden, damit sie desinfiziert werden können. Erschwerend sei beim Suranger hinzugekommen, dass man schon ab 8. März geschlossen hatte, weil Betriebsurlaub war. Das Übergangsgeld bezeichnet Marion Grasser als „Tropfen auf dem heißen Stein“.

Einzig eine Hygienebeauftragte ist derzeit im Brauereigasthof Gut Forsting unterwegs. „Desinfektionsspender müssen aufgestellt werden, 200 Gesichtsmasken sind schon bestellt“, sagt Wirt Robert Luger. Erst am 21. Mai will Luger öffnen. Bis dahin wird eine Grundreinigung vorgenommen, bei denen auch die sieben Festangestellten dabei sind, „niemand musste bisher ausgestellt werden.“ Die Einbußen wird Luger „auf keinen Fall mehr“ aufholen können. Tagungen, Hochzeiten, Übernachtungen – alles wurde bis in den November hinein gestrichen. Luger: „Es is‘ scho‘ a Wahnsinn“. Eine Chance sieht er darin, dass auch Großveranstaltungen wie Volksfeste oder Urlaubsreisen nicht möglich sind. „Vielleicht kommen die Leute dann eher zu uns“, hofft der Inhaber, „aber das ist nur ein Gedankenspiel.“

„Uns ist es gleich zwei Mal schlecht ergangen“, bemerkt Brigitte Scherer, Chefin vom Gasthaus Bichler in Ramerberg. Erst kam es am Kirta-Sonntag am 20. Oktober letzten Jahres zu einem Küchenbrand, bei dem rund 250.000 Euro Schaden entstanden ist (wir berichteten) und dann zur Schließung durch Covid-19. Die erlittenen Verluste seien nicht mehr aufzuholen, sagt Scherer entmutigt. Auch dass Veranstaltungen vorerst bis Ende August nicht stattfinden können, sei gravierend, denn davon lebe man ja auch.

Erst am 25. Mai soll wieder aufgesperrt werden. Dann braucht sie extra eine Person, die die Leute empfängt und ihnen einen Tisch zuweist. Die Gäste müssen auch hier Adresse und Telefonnummer hinterlassen sowie die Anwesenheitszeit, damit gegebenenfalls das Virus zurückverfolgt werden kann, falls sich jemand infiziert. Brigitte Scherer: „Es ist ein Saustall.“ Höchstens 50 Prozent befürchtet die Wirtin bedienen zu können.

Das Abholgeschäft habe etwas geholfen – „aber auch nur, weil wir ein Familienbetrieb sind und dafür kein eigenes Personal brauchten.“

Übrigens – Eine gute Nachricht gibt’s für die Wasserburger Altstadt:

Ebenfalls am 25. Mai eröffnen will Max Huber vom „Klosterstüberl“ im Wasserburger sein „Henna-Gassl”: „Wir haben ja keinen Garten.“ Nur mehr 20 Plätze wird der Wirt anbieten können, der seine Wirtschaft mit seiner Frau Hilde betreibt. Es ist eine schwierige Zeit“, sagt Huber schicksalsergeben, „aber es hilft ja nichts…“

CF

Sie geht es den Wirten in der Stadt:

 

Etwas Licht am Ende des Tunnels

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Leitfaden für die Veröffentlichung von Kommentaren

10 Kommentare zu “„Machen kein Kasperltheater mit Masken“

  1. Schöne Grüße vom Kasperltheater: Bitte keine Diskriminierungen :-). Das was die Politik da gerade macht, ist eine Beleidigung für jedes Kasperltheater.
    Tausende Menschen dürfen auf Demonstrationen jegliche Sicherheitsvorkehrungen außer Acht lassen, aber der Kasperl darf nicht auftreten. Das ist unverständlich. Und heute wird bei der Pressekonferenz übersehen, dass es auch noch eine (Wirtshaus-)Kultur zwischen Gottesdienst und Rockkonzert gibt.

    Antworten
    1. “Nach wie vor sind Versammlungen nach den §§ 5 und 7 BayIfSMV landesweit untersagt. Die Zulässigkeit einer Versammlung ergibt sich nur bei Einhaltung bestimmter Parameter bzw. bei Erteilung einer Ausnahmegenehmigung durch das Kreisverwaltungsreferat als zuständige Versammlungsbehörde.

      Die genehmigten Teilnehmerzahlen und der Mindestabstand von mindestens 1,5 Metern unter diesen Teilnehmern sind Auflagen, die unbedingt einzuhalten sind.

      Bei Missachtung der Auflagen droht den Versammlungsteilnehmern eine Geldbuße in Höhe von 500 Euro.” Quelle Münchner Polizei

      Fazit: Nein es dürfen nicht Tausende einfach so Demonstieren und die Abstandsvorschriften nicht einhalten.

      Antworten
  2. Geschäfte müssen seit Ihrer Öffnung mit diesen Vorschriften leben. Frisöre ebenfalls. Die haben das hingenommen. Auch in Kirchen müssen die Vorschriften umgesetzt werden. Vorher wird geschrieen, dass die Gastronomie nicht öffnen darf und jetzt wird geschrieen, dass es so nicht geht. Die Gastronomie hätte sich doch denken können, dass sie die gleichen Vorschriften auferlegt bekommen, wie alle anderen auch. Keiner muss öffnen. Sie dürfen, nach lautstarken Protesten, wieder öffnen. Alle Geschäfte usw. schaffen es. Dann wird die Gastro es auch schaffen. Die Regeln müssen einfach eingehalten werden.

    Antworten
  3. Die größte Frechheit ist man muss überall den mindestabstand einhalten und masken trage.

    Aber die Bundesliga darf wieder spielen da läuft einiges falsch in diesem Land.

    Antworten
  4. Ist überhaupt keine Frechheit,sondern Schutz!
    Und bei der Bundesliga sind alle getestet worden!
    Kann nur ein Fussballhasser schreiben!
    Was ist mit den Demonstranten ?
    Die dürfen sich alles erlauben?

    Antworten
  5. Erschreckend mit welcher Arroganz und Ignoranz sich hier ein Wirt äußert, indem er Masken und Desinfektionsmittel als “Kasperltheater” bezeichnet. Prost Mahlzeit!

    Antworten
  6. Dokumentation nach HACCP ist schon lange Standard in der Gastronomie. Dann füllen wir halt noch ein paar Zettel mehr aus. Der Gast/Kunde weiß zum Großteil was momentan seitens der Gesetzgebung gefordert ist. Da seh ich kein Problem. Harte Zeiten waren die letzten Wochen sowieso. Wir können nur auf die Zukunft hoffen und uns über jeden Gast, der uns beim Überleben hilft, freuen.

    Antworten
  7. Jeder einzelne der Gastronomen hat recht mit seiner Aussage! Ein ausreichend hohes Kurzarbeitergeld für die Masse, damit diese “Ruhe” bewahrt, Milliardenhilfen für Großkonzerne und frisches Geld für die Finanzmärkte in unvorstellbaren Summen! Die leidtragenden kleinen (nicht systemrelevanten) Unternehmen, vor allem in der Gastro-/Hotel und Reisebranche werden mit “lächerlichen” Hilfen und dreisten Kreditprogrammen abgespeist und sollen nun mit diesen Auflagen wieder öffnen. Wenn der Gesundheitsschutz so wichtig ist, dann bitte die Gastro dauerhaft (solange wie die Fachleute das für nötig halten) schließen und für ein finanzielles Überleben der Branche sorgen! Dann ist sowohl dem Gesundheitsschutz als auch den Wirten geholfen! Aber mit 50% der Plätze und erhöhten Hygienemaßnahmen (=höherer finanzieller Aufwand) kann man in der Gastro ganz sicher nicht überleben.

    Antworten
  8. Wirt ganz ihrer Meinung.

    Eine Gaststätte benötigt bei entsprechender Größe das selbe Personal wie bei voller Belegung plus die Person zusätzlich für die Tisch Zuweisung.

    Wie soll sich so etwas für jemanden rechnen?

    Antworten