Lust auf Frühlingsputz?

Zur Sonderausstellung: Museum Wasserburg präsentiert seinen Staubsauger „Saugling“

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Die Tage werden länger, die Sonne scheint, alles strömt nach draußen und es wird wieder Zeit, Wohnung und Haus ordentlich durchzulüften, die Fenster zu putzen und das Großreinemachen zu beginnen. Während man das heute dank technischer Hilfsmittel und Zentralheizung eigentlich permanent und auch im Winter tun könnten, wurde früher die Reinigung der eigenen vier Wände aufgrund von Kälte und Dunkelheit im Winter gerne auf das Frühjahr verschoben. Das zeigt auch die Sonderausstellung im Museum Wasserburg mit dem Titel „Die Reinlichkeit betreffend!“.

Das Putzen spielte bis Ende des 19. Jahrhunderts für viele Hausfrauen noch keine so große Rolle. Es standen nur wenige Hilfsmittel zur Verfügung. Die wichtigsten Reinigungsmittel waren Laugen aus Seife, Natron und Asche. Mit Teppichklopfern und alten Lappen versuchte man dem Staub Herr zu werden. Hausfrauen und Dienstmädchen blieb aber in den großen Haushalten mit ihren vielfältigen und schweren Arbeiten nur wenig Zeit, um sich mit der Reinigung des Hauses zu beschäftigen.

Die ersten Staubsauger sollten hier Entlastung bringen. Es handelte sich um große Maschinen auf von Pferden gezogenen Wagen, von denen aus Schläuche in die Häuser gelegt wurden, um das ganze Haus mit all seinen Gardinen, Teppichen und Polstermöbeln abzusaugen. Diese großen Saugpumpen wurden noch per Hand betrieben. Später wurden in größere Gebäude sogenannte Hausstaubsauger eingebaut. Hierbei handelte es sich um Zentralgeräte mit einem im ganzen Haus verzweigten Rohrsystem, an welches die Handgeräte über eine Schlauchleitung angeschlossen wurden.

Schon während des 1. Weltkriegs hatte die Zahl der Dienstboten in den großbürgerlichen Haushalten erheblich abgenommen und nach dem Krieg boten Industrie und Handel weitaus bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne. Elektrische Haushaltsgeräte ersetzten fortan die Hausmädchen.

In den 1920er Jahren gehörten Staubsauger neben Bügeleisen zu den am weitest verbreiteten elektrischen Geräten im Haushalt. Sie waren Symbol für Fortschritt und Modernität, aber auch Freizeitgewinn und Arbeitserleichterung.

Einer der ersten deutschen Kleinstaubsauger war der „Saugling“ von Borsig. Borsig hatte seine Wurzeln nicht in der Elektrotechnik, sondern im Lokomotivbau. Als der Absatz Anfang der 1920er Jahre einbrach, konzentrierte sich das Unternehmen verstärkt auf seine Entstäubungsanlagen und brachte 1922 den ersten „Saugling“ auf den Markt. Mitte der 1920er Jahre wurde die „Saugling GmbH“ gegründet, die für den alleinigen Vertrieb des Borsig-Staubsaugers „Saugling“ zuständig war.

Bis in die 1950er und 60er Jahre blieb der Staubsauger ein Luxusprodukt. Erst nach und nach wurde er im Haushalt selbstverständlich. Ab den 1970er Jahren zogen dann fest verlegte Teppiche in die Wohnräume ein, denen mit einem Teppichklopfer nicht mehr beizukommen war.

Mit der Elektrifizierung der Hausarbeit wurden auch traditionelle Geschlechterrollen infrage gestellt. Auch die Hausfrau erwarb nun Technikkompetenzen und avancierte zur „Maschinenbedienerin“, wodurch das Ideal von Weiblichkeit ins Wanken geriet.

Viele Firmen betonten immer wieder die Leichtigkeit des Staubsaugens. So z.B. auch die Firma Borsig in einer Werbezeitschrift von 1925: „Unser elektrischer Staubsauger „Saugling“ ermöglicht selbst der schwächsten Frau Arbeit zu leisten, die sonst die Kraft eines Mannes erfordert hätte.“

Von Mai bis September hat das Museum wieder von 13 bis 17 Uhr geöffnet.
Abbildung: Staubsauger „Saugling“, Borsig, 1930er Jahre, Metall, Bakelit, Museum Wasserburg, Inv.-Nr.: 7528.

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