„Legalisierung ein falsches Signal“

Cannabis-Problematik: Stellungnahme des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd

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Die unlängst vom Vorsitzenden der Polizeigewerkschaft BDK getroffenen Äußerungen zur Entkriminalisierung entfachten wieder einmal die Diskussion zur Legalisierung von Cannabis in Deutschland. Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd sieht sich aufgrund mehrerer Presseanfragen veranlasst, hier Stellung zu beziehen.

Die präventive und repressive Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität stellt auch im Polizeipräsidium Oberbayern Süd mit über 4.200 Delikten jährlich* eine hohe Arbeitsbelastung dar. Die Verbreitung von Cannabis indizieren auch die Sicherstellungsmengen der letzten Jahre. So stieg die Sicherstellungsmenge von Cannabis von etwa 60 kg (2015) auf über 146 Kilo durch unsere Polizeikräfte im Jahr 2016 an.

 

Befürworter argumentieren unter anderem, Polizei und Justiz können bei einer Legalisierung die für dieses Deliktsfeld verwendeten Ressourcen dann anderweitig einsetzen. „Ganz klar, nein“, sagt Robert Kopp, Präsident des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. „Gesundheitsgefährdende Straftaten dürfen nicht legalisiert werden, nur weil sie den Sicherheitsbehörden Aufwände bereiten. Das machen andere Phänomene auch. Nach meinen Erfahrungen aus über 40 Jahren Polizeidienst wäre eine Entkriminalisierung vor allem für unsere Kinder und Jugendlichen das falsche Signal. Wenn Befürworter auf das ,positive Beispiel‘ aus den Niederlanden hinweisen, halte ich dagegen: Warum ist Cannabis in den meisten anderen europäischen Ländern verboten?“

 

Das Polizeipräsidium weiter: „Bei realistischer Betrachtung muss man davon ausgehen, dass die Zahl der Konsumenten bei einer Legalisierung zunehmen wird. Tatsächlich kann regelmäßiger Konsum von Cannabisprodukten aber nach der Meinung von Fachleuten, gerade bei jungen Menschen, teils schwere psychische Schäden, wie Depressionen oder Schizophrenie, hervorrufen. Unbeachtlich des gestiegenen Wirkstoffgehaltes von THC (Tetrahydrocannabinol), der sich auch durch den Anbau in Indoor-Plantagen seit den 80-er Jahren mehr als verzehnfacht hat.“

 

Von den Befürwortern der Cannabislegalisierung wird immer wieder festgestellt, dass Alkohol in Sachen Gefährlichkeit auf einer Stufe mit Cannabis steht, eine Legalisierung von Cannabis somit nur „fair“ wäre. Hierzu Robert Kopp: „Sicherlich ist auch der Missbrauch von Alkohol ein gesundheitliches Problem in der Gesellschaft. Natürlich haben wir auch übermäßig alkoholisierte Personen, die die Polizei immer wieder zeitintensiv beschäftigen. Ich verstehe deshalb aber gerade nicht, warum wir uns mit der Legalisierung von Cannabis, einem weiteren Rauschmittel, zusätzliche Probleme schaffen sollten?“

Zumindest in Punkto Verkehrssicherheit kann Cannabis durchaus mit Alkohol verglichen werden. Die verlangsamte Reaktion nach dem Konsum von Cannabis ist nur eine von vielen Gefahren im Straßenverkehr. „Unsere Verkehrsstatistik im Zuständigkeitsbereich lässt den Schluss zu, dass die Risikobereitschaft, ein Kraftfahrzeug unter Drogeneinfluss zu führen, zunimmt. Wurden im Jahr 2015 noch 838 Verkehrsteilnehmer beim Führen eines Kraftfahrzeugs unter Drogeneinfluss erwischt, so stieg deren Anzahl im Jahr 2016 bereits auf 1.225 (+46,2%). Für mich nicht zuletzt auch ein Ergebnis einer öffentlichen und ideologisch geführten Diskussion, in der Cannabis verharmlost wird“, so Polizeipräsident Robert Kopp.

Mit einer Legalisierung in Deutschland wäre letztlich davon auszugehen, dass es zu einem „Tourismus von Cannabisliebhabern“ aus anderen europäischen Ländern kommen würde. Gerade für die südlichste Region in der Bundesrepublik Deutschland und damit unseren Zuständigkeitsbereich wäre das sicher von signifikanter Bedeutung. Polizeipräsident Robert Kopp: „Bereits jetzt werden auf einschlägigen Internet-Blogs unter anderem ,Die TOP 10 der Besten Reiseziele für Cannabisliebhaber‘ vermarktet. Auf derartige Touristen und die damit verbundenen Auswirkungen würde ich aus polizeilicher Sicht bei uns aber lieber gerne verzichten.“

 

Ein Unterschied zwischen Cannabis und Alkohol liegt auch darin, dass sich ein Glas Wein oder eine Halbe Bier durchaus zum reinen Genuss trinken lässt. Einen Joint oder einen „Topf“ kann man dagegen nicht alleine des guten Geschmacks wegen genießen. Anders als beim verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol führt Cannabiskonsum immer zu einem Rauschzustand.

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17 Gedanken zu „„Legalisierung ein falsches Signal“

  1. (…) Neueste Studien zeigen, dass die meisten Unfälle durchs Handy am Steuer verursacht werden!

    Kommentar von der Redaktion gekürzt …

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  2. Endlich mal eine offizielle Stelle, die diese Meinng SO vertritt!! Von allen Seiten hört man nämlich eine Verherrlichung der Freigabe!
    Keiner will die Risiken hören und beruft sich nur auf die „positiven Effekte“. Oder argumentiert über erlaubten Alkohol oder Handys am Steuer. Ich denke jedes ist ein Problem für sich und man muss sich zusätzlich Neues aufladen. Kontrollierte Freigabe bei chronisch Kranken, kein leichter und schlussendlich geduldeter Zugriff für Kinder und Jugendliche!
    Danke für diesen Artikel, für diese Meinung!

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    1. Einverstanden! Dann gleiches Recht für Alle/s! Dann sollte Alkohol genauso verboten werden! Ab sofort! Bin ich sofort dabei! Somit entsteht kein neues Problem und alte Probleme wie Alkohol sollten sofort verboten werden!!

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      1. Wie kann man etwas gut heißen, nur weil etwas anderes, das auch nicht gut ist, erlaubt ist? Das kann doch nicht DAS Argument sein?!

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        1. Ist es auch nicht. Es gibt nicht DAS Argument, es ist nur eins von vielen. Kurze Beispiele auf die man innerhalb kurzer Recherche trifft:

          Cannabis ist keine Einstiegsdroge (Zumindest ist es nach der kommenden Aufhebung des Verbots keine)
          ENTLASTUNG DER VERFOLGUNGSBEHÖRDEN
          GLAUBWÜRDIGKEITSVERLUST ALLER STAATLICHEN BEHÖRDEN UND INSTANZEN
          Keine gefährlichen Streckmittel mehr
          Verbesserte Aufklärung und bessere Hilfe
          Steuereinnahmen
          Recht auf Freie Entfaltung (Der Mensch macht letzendlich mit seinem Körper was er will)
          Das Verbot verhindert eine wünschenswerte Qualitätskontrolle. -> Weitere Unwissenheit was, wie oben genannte, THC- Gehalte ausmachen.

          (Stell dir vor es gäbe Alkohol nur auf dem Schwarzmarkt. Woher sollst du wissen ob du beim Kauf eine Menge von Ethanol equivalent zu einem Radler oder Wodkashot erwischt?)
          Für den Konsumenten bedeutet es, sich in ein kriminelles Milieu zu begeben, keine Informationen über die Qualität der Drogen zu haben und kriminalisiert zu werden.
          Jugendschutz könnte wirksamer greifen
          Niemand wäre gezwungen, seinen (Problem-)Konsum zu verheimlichen -> Ausgrenzung aus der Gesellschaft verhindert doch nur ein wieder normales Leben

          KONSUM WÜRDE ZURÜCKGEHEN (Belegt durch empirische Beispiele wie US Staaten mit freigabe / Niederlande / Portugal)

          Quellen:

          https://hanfverband.de/themen/flyer-cannabis-legalisieren
          https://www.drogen-aufklaerung.de/gruende-fuer-die-legalisierung-von-cannabis
          http://himate.de/234/gute-grunde-fur-die-legalisierung-von-cannabis
          http://blogs.taz.de/drogerie/2017/04/15/trotz-cannabislegalisierung-kiffen-immer-weniger-schueler-in-den-usa/

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    2. Wie kommen Sie darauf, das eine Entkriminalisierung zu einem geduldeten Zugriff für Kinder und Jugendliche führen würde? Einem Dealer ist es egal, mit wem er sein Geld verdient. Ein kontrollierte Abgabe in Apotheken oder stattlich kontrollierten Coffeeshops würde die Verfügbarkeit für Kinder und Jugendliche erschweren. Wer würde denn seine wertvolle Lizenz aufs Spiel setzen? Neuste Studien aus den USA zeigen, das der Konsum von Cannabis unter Teenagern in Colorado (Cannabis seit 2014 für Erwachsene legal erhältlich, auch ohne medizinischen Grund, jedoch streng reglementiert) zurück geht. Natürlich wird es weiterhin einen Schwarzmarkt geben, aber dafür gibt es ja immer noch unsere Polizei, die sich dann auf diese Fälle konzentrieren kann.

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  3. Es geht hier aber nicht um die Ideologie ob ein Signal gesetzt wird oder nicht.
    Es geht darum dass Menschen nicht mehr weil sie ein anderes Psychotropika als Alkohol bevorzugen kriminalisiert werden und dadurch Nachteile im Leben haben.
    Zu den dutzenden Studien die dies unterstreichen muss nichts mehr gesagt werden.

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  4. Warum muss man das Mistzeug auch noch legalisieren? Haben doch schon mehr als genug legale Drogen die man verbieten sollte.

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    1. Ich gebeSabine Riemer vollkommen recht und möchte hinzufügen dass bereits einmaliger Konsum von Drogen zu messbaren hirnmorphologischen Veränderungen führt.

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      1. Schonmal am Bierglas genippt?

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        1. ID vermute der Wasserburger hat mich missverstanden mit seinem Bierglas.Nochmals zum Verständnis:Cannabis ist der Häufigste Drogentyp bei 2 Millionen Konsumenten in Deutschland,wobei besonders gefährlich als Einstiegsdroge.Unter Drogen versteht man den Opiattyp,den Kokaintyp,den Cannabistyp ,den Halluzinogentyp sowie letztendlich Stimulanzie und Psychotonika..

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          1. Die Mär von Cannabis als Eistiegsdroge ist zig mal widerlegt. Und wo auf Ihrer Liste verortet sich der Alkohol, die wirkliche Einstiegsdroge?

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    2. Das Verbot schadet mehr, als es dient. Außerdem kann man Menschen nicht verbieten was sie mit ihrem Körper anstellen, das hat noch nie funktioniert, und wird es auch nicht.

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  5. Bedauerlich das die uniformierte Staatsgewalt so lernresistent ist, immer wieder die gleiche alte Leier.
    aber mei wie soll man auch ohne Gesichtsverlust aus der Geschichte aussteigen nachdem man Jahrzente lang jeden kleinen Kiffer zum Dämon erklärt hat
    Und immer und immer wieder die gleiche Aussagen und die Kinder werd denkt den an die armen Kinder oh man ..
    Warum geht mir gerade ein Lied vom Söllner Hans durch den Kopf .
    Herr Kopp , ich weis ja nicht wie das bei ihnen so abläuft aber…… es gibt Berufsgruppen die sind gesetzlich verpflichtet auf Fortbildungskurse zu gehen um sich die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse vermitteln zu lassen …… bei ihnen auch ? oder fehlt es ihnen an Geld ?. Ich würde, um ihren Bildungslücken abzuhelfen gerne eine Spende zukommen lassen .

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    1. Des Liad is vom Hans Söllner – Mama ziag dei Schürzn aus…..

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    2. @catweazle: Ist das ein ernsthafter Text?!?

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  6. Auch als jemand der noch nie Gras geraucht hat und es nicht vor hat, bin stark für eine Legalisierung.

    Das Zeug muss von der Straße, weg von den Dealern, die eben nicht nur damit dealen, sondern auch noch anderen Scheiß dabei haben und den Kindern andrehen wollen.

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