Landkreis: Schlusslicht beim Impfen

Appell des Leiters des Staatlichen Gesundheitsamtes im Landratsamt

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Wie bereits im Jahr zuvor liegen Stadt und Landkreis Rosenheim bei nahezu allen Durchimpfungsraten bei den Schulanfängern in Bayern auf dem letzten Platz. Aktuell ist zwar die Auswertung des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, die jetzt vorliegt – das Schuljahr, um das es geht, liegt aber schon zwei Jahre zurück, nämlich 2016/17. Die Rede ist von Schutzimpfungen wie Masern, Keuchhusten, Kinderlähmung und Hepatitis B. 

Vor diesem Hintergrund sieht der Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes im Landratsamt Rosenheim, Dr. Wolfgang Hierl, dringenden Handlungsbedarf und appelliert an die Eltern, ihre Kinder impfen zu lassen: „Masern und Keuchhusten sind keine harmlosen Kinderkrankheiten. Sie sind hochansteckend und können einen schweren Verlauf mit bleibenden Schäden nehmen. Die Masernerkrankung kann Mittelohr- und Lungenentzündung verursachen und in einigen Fällen zu einer schwerwiegenden Gehirnentzündung mit bleibenden Schäden oder sogar zum Tod führen. Gerade Neugeborene und Säuglinge haben bei Keuchhusten ein hohes Risiko für schwerwiegende Komplikationen, nicht selten kommt es zu lebensgefährlichen Atemstillständen. Impfungen sind der wirksamste Schutz. Die Impfstoffe sind sicher und in der Regel gut verträglich.“

Bei den Kindern in der Region Rosenheim, die mindestens einmal gegen Masern geimpft waren, lag im Rahmen der Schuleingangsuntersuchung für das Schuljahr 2016/17 die Impfquote bei 90,2 Prozent, für mindestens zwei Impfungen bei 80,8 Prozent und damit deutlich unter dem bayerischen Durchschnitt von 96,6 bzw. 92,2 Prozent. Die Weltgesundheitsorganisation empfehle eine Impfquote von 95 Prozent, so die Behörde. Bei der Keuchhustenimpfung lag die Quote für eine vollständige Grundimmunisierung bei 88,9 Prozent und damit ebenfalls deutlich unter dem bayerischen Durchschnitt von 95,3 Prozent.

Hierl warnt vor einer Verharmlosung der Infektionskrankheiten: „Es ist ein Irrglaube, dass Kleinkinder schwerwiegende Infektionskrankheiten wie Masern und Keuchhusten für eine gesunde Entwicklung durchmachen müssten. Das Gegenteil ist der Fall: Eltern riskieren die Gesundheit ihrer Kinder und nehmen ernste Schäden in Kauf, wenn sie ihre Kinder nicht nach den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission impfen lassen.“

Im Jahr 2017 wurden für Stadt und Landkreis Rosenheim 180 Keuchhustenerkrankungen gemeldet, im Jahr davor waren es 215. Die Region Rosenheim lag dabei mit der Rate der Neuerkrankungen deutlich über dem landesweiten Niveau. 2018 wurden bereits 133 Erkrankungsfälle gemeldet.

Keine Entwarnung gibt es auch bei den Masernerkrankungen: „Auch wenn wir in Rosenheim in den letzten beiden Jahren vor Masernausbrüchen verschont geblieben sind, so müssen wir aufgrund der bestehenden Impflücken jederzeit mit einem Masernausbruch, zum Beispiel in Schulen oder Kindergärten rechnen“, sagt Hierl.

Informationen und Beratung zur Masernimpfung gibt es bei den Haus- und Kinderärzten in der Region oder direkt beim Gesundheitsamt in Rosenheim.

Foto: pixabay

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