Landkreis: Absagen und abwarten

Corona: Gesundheitsamt und RoMed-Kliniken nehmen Stellung - Bestätigter Fall in Reitmehring

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Es ist immer wieder Südtirol. Auch der dritte bestätigte Corona-Fall im Landkreis – eine Frau aus Reitmehring ist erkrankt und im Klinikum untergebracht – ist auf einen Kontakt in Südtirol zurückzuführen. In einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz äußerten sich sowohl Gesundheitsamt-Leiter Dr. Wolfgang Hierl, als auch Dr. Jens Deerberg-Wittmann, Geschäftsführer der RoMed-Kliniken, und Nina Maschner von der Abteilung Gesundheit und Verbraucherschutz am Landratsamt zur neuen Situation.

Foto: Dr. Jens Deerberg-Wittmann, Dr. Wolfgang Hierl, Nina Maschner und Michael Fischer, Pressesprecher des Landratsamtes (von links).

Dabei konnte Wolfgang Hierl bezüglich des ersten bekannten Falls Entwarnung geben: „Die Person hatte generell keine Symptome und nur einen Tag, an dem sie leichte Erkältungserscheinungen feststellte. Sie ist in der Zwischenzeit aus dem RoMed-Klinikum entlassen worden. Heute und morgen werden noch Proben entnommen, sollten die Tests negativ ausfallen, ist die Erkrankung bei ihr vorbei.”

Dr. Jens Deerberg-Wittmann äußerte sich über die Mitarbeiterin des Klinikums, die positiv getestet wurde (wir berichteten): „Sie hat nur sehr milde Symptome und befindet sich derzeit in häuslicher Quarantäne.” Auch Kontaktpersonen der Patientin wurden vorsorglich nach Hause geschickt, in der Chirurgie wurde die Zahl der Behandlungen auf das Notwendige heruntergefahren.

Dr. Wolfgang Hierl zur allgemeinen Lage: „Wie schon erwähnt, entwickelt sich die Situation zur Zeit sehr dynamisch, in Deutschland wie auch in Stadt und Landkreis Rosenheim.” Das Gesundheitsministerium erwarte eine weltweite Ausbreitung, und auch das Gesundheitsamt in Rosenheim für den Landkreis sieht eine erhöhte Risiko-Situation. Deshalb gelte momentan die vom Robert-Koch-Institut vorgegebene „Containment-Strategie”. Bedeutet: Verdachtsfälle isolieren und Empfehlungen für Großveranstaltungen aussprechen.

In einem Fall kann Nina Maschner von der Abteilung Gesundheit und Verbraucherschutz am Landratsamt schon Vollzug melden: „Das Starkbierfest in Raubling wurde auf Anordnung des Landratsamtes bereits abgesagt.” Im Falle des Festes in Rosenheim, das schon angelaufen ist, kann die Behörde allerdings nur die Empfehlung aussprechen, die Türen zu schließen. „Entscheiden muss hier die Stadt Rosenheim”, sagt Maschner.

Dass es gerade die Starkbierfeste trifft und noch keine Sportveranstaltung wie beispielsweise ein Spiel der Starbulls, begründet Dr. Wolfgang Hierl wie folgt: „Gerade die Bierzeltsituation ist riskant. Hier sind viele Menschen auf engem Raum dicht zusammen, nur durch einen schmalen Tisch getrennt.”

Ob und wie schnell die Zahl der infizierten Personen steigt, kann zum jetzigen Zeitpunkt niemand genau sagen. Laut Gesundheitsamt gibt es Stand Montagnachmittag weltweit 110.086 nachgewiesene Corona-Fälle, davon 80.735 in China, 7375 in Italien, 1112 in Deutschland und 256 in Bayern. „Doch diese Zahlen”, sagt Hierl, „können sich stündlich verändern.”

Ein Grund, in Angst und Panik zu verfallen sei dies noch nicht. Der Gesundheitsamtleiter und Dr. Jens Deerberg-Wittmann empfehlen, größere Menschenansammlungen zu meiden, sich regelmäßig und jeweils mindestens 30 Sekunden lang die Hände mit Seife zu waschen und sich zudem zu beobachten: Habe ich irgendwelche Symptome? Kam ich mit Menschen in Berührung, die aus Risikogebieten kommen?

In Schulen bekommt bei einem Verdachtsfall in einer Klasse die ganze Klasse bis zum Testergebnis des betreffenden Schülers oder Lehrers für diese Zeit schulfrei. Sollte die Person dann positiv getestet werden, gibt’s zwei Wochen „Zwangsurlaub” von der Schule. So lange dauert ungefähr die Ansteckungszeit durch Corona-Viren.

Ob die Krankenhäuser auf eine stark steigende Anzahl von Verdachtsfällen und Patienten vorbereitet sind, vermag Dr. Jens Deerberg-Wittmann nicht mit Bestimmtheit sagen. „Ich denke, wir sind gut aufgestellt, doch auch wir schauen von Woche zu Woche.”

An Schutzanzügen für das Personal würde es nicht mangeln, nur mit Desinfektionsmitteln würde in seinen Häusern sparsam umgegangen werden. Deshalb hat die Krankenhausleitung auch an den Stellen in den Kliniken, an denen es nicht unbedingt erforderlich ist, die Flaschen aus den Desinfektionsmittel-Spendern entfernen lassen. „Oft reicht tatsächlich auch gründliches Händewaschen”, sagt er.

 

 

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