Landarztpraxen unter der Lupe

Hausarzt 4.0:  Ärzte diskutierten attraktive Praxismodelle für den Nachwuchs

image_pdfimage_print

„4.0“ ist gerade in. Die Industrie ist 4.0, die Pflege will dahin. Gesucht werden neue Formen der Arbeitsgestaltung mit und ohne Unterstützung durch „Digitalisierung“. Dies gilt auch für die Hausärzte. In einer Veranstaltung in der „Alten Post” in Fischbach im südlichen Landkreis ging es um die Frage: Ist die Arbeitswelt in der Landarztpraxis auch auf dem Weg zu 4.0?

Das Ziel formulierten Felix und Florian Bonke, Hausärzte in Flintsbach in ihrem Beitrag: „Wir brauchen innovative Wege aus dem Landarztmangel.“ Der Hausarzt, die Hausärztin sollte sich zu einem zentralen Manager und Gestalter in allen Gesundheitsfragen entwickeln, so dass immer mehr Versorgung zu Hause stattfinden kann. Und es sei wichtig, dass sich die Ärzte für neue Kooperationsformen öffneten. Der Einzelkämpfer, der 60 Stunden in der Woche für seine Patienten da sei und dabei übersehe, dass auch der „Bürokram“ wichtig sei, werde langsam „aussterben“. Die Kooperation, die beide Flintsbacher Hausärzte als vielversprechend sehen, ist die Filialpraxis.

 

Dieses Modell ist vor allem für ältere Ärzte attraktiv, die in den Ruhestand gehen wollen. Sie übergeben ihren Arztsitz an jüngere Kolleginnen und Kollegen, nehmen sich rechtzeitig einen Weiterbildungsassistenten in die Praxis und können so ihren Berufsausstieg vorbereiten. Die Praxis bleibt im Ort erhalten und die Patienten können sich rechtzeitig auf den Wechsel ihres Arztes vorbereiten. Für angehende junge Ärztinnen und Ärzte ermöglicht dieses Modell die Arbeitsform, die sie am meisten schätzen, nämlich eine angestellte Tätigkeit mit überschaubarem Arbeitsvolumen und Teamarbeit. Das Modell ist „4.0“, denn es ist ein Gewinn für alle Beteiligten, das bestätigte auch einer der Teilnehmer, der sich gerade in der Phase der Praxisübergabe befindet. Zudem ist dieses Modell wirtschaftlich, denn die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns fördert die Facharztweiterbildung in Vollzeit mit bis zu 4.800 Euro im Monat.

 

„Gute Weiterbildung ist die beste Form der Akquise, um den Hausarztberuf für Studierende der Medizin attraktiv zu gestalten“, sagte Dagmar Schneider. Sie ist die Leiterin der Koordinierungsstelle Allgemeinmedizin (KoStA) in München und warb für gute Weiterbildung, denn sie sichert die Qualität der Versorgung, sie macht dem Weiterbildner Freude und vermittelt diese Freude am Beruf dem ärztlichen Nachwuchs. Schneider zeigte auf, welche Regelungen und Unterstützungen es gibt: „Sie finden alle wichtigen Informationen auf den Seiten von KoStA und wir stehen Ihnen jederzeit bei Fragen zur Verfügung!“

 

Es folgte eine rege Diskussion, in der deutlich wurde, dass es bei der Suche nach neuen Kooperationsmodellen auch wichtig ist, sich als Arzt (steuer-)rechtlich und betriebswirtschaftlich beraten zu lassen. Wie mehr Ärzte und Ärztinnen gewonnen werden, Nachwuchs weiterzubilden, wird eine Arbeitsgruppe beraten, die von der Gesundheitsregionplus Landkreis Rosenheim moderiert wird. Dort werden auch die Ergebnisse der Studie „Attraktiv für Hausärztinnen und Hausärzte: eine Region kümmert sich“ einfließen, die demnächst abgeschlossen wird.

 

„Es war ein sehr interessanter Nachmittag und ich habe viel Neues erfahren, das auch für mich als Bürgermeister wichtig ist. Denn eine gute Versorgung mit Ärzten vor Ort liegt uns natürlich sehr am Herzen.“ Mit diesen Worten verabschiedete Stefan Lederwascher, Bürgermeister von Flintsbach die Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Leitfaden für die Veröffentlichung von Kommentaren