Kostenexplosion beim Depot

„Das ist ein großer Rückenwind!“ – Bürgermeister Michael Kölbl reagierte sichtlich erleichtert auf den einstimmigen Stadtratsbeschluss, wonach das Museumsdepot trotz 25-prozentiger Kostensteigerung gebaut werden soll. Der erste Spatenstich erfolgt 2021. Allerdings gab es vor der positiven Entscheidung eine eingehende Diskussion im Stadtrat.

„Es ging immer nur um drei Millionen Euro“, so Kölbl. Dann die böse Überraschung: Nicht nur die Entwicklung der allgemeinen Baupreise, auch fehlerhafte Berechnungen (Außenwände, Decken, sonstige Baukonstruktionen) schlugen mit zusätzlichen rund 832.000 Euro zu Buche. Und obwohl zahlreiche Streichungen vorgenommen wurden – so wird beispielsweise auf die einteilige Ausführung der sieben Meter hohen Fertigteilwände verzichtet sowie auf aufwändige Gestaltungselemente – stehen immer noch 3,8 Millionen Euro im Raum. „Die staatlichen Zuschüsse von rund einer Million Euro sind damit verpulvert“, fand Markus Bauer (CSU) deutliche Worte.

Kölbl gab zu bedenken, dass bei einer Aufhebung des Maßnahmenbeschlusses vom Februar 2019, der auf den drei Millionen basierte, das Projekt „Zentraldepot“ endgültig vom Tisch sei. Dagegen spreche, dass das Wasserburger Museum mit seiner umfangreichen Sammlung, die zu den ältesten in Bayern gehört, überregionale Bedeutung hat. „Sie ist die größte zwischen München und Salzburg“, betonte Kölbl. Derzeit sind die Exponate auf sechs verschiedene Depots verteilt. Klar sei, dass ohne fachkundige Aufbewahrung die Sammlung erheblich verkleinert, wenn nicht sogar aufgegeben werden müsse – und damit an Bedeutung verliert.

Eine Aufbewahrung im jetzigen Museum sei ebenfalls keine Lösung, weil die Dauerausstellungen dort ohnehin überfrachtet seien und das Gebäude außerdem saniert werden muss. Zudem würde man zahlreichen Bürgern, die der Stadt Exponate übergeben haben, vor den Kopf stoßen, wenn die Stadt sich dieser Objekte entledigen würde.

Wasserburgs Zweiter Bürgermeister Werner Gartner brachte es schließlich auf den Punkt: „Wenn wir das Projekt jetzt ablehnen, gibt es 20 bis 30 Jahre lang kein Depot mehr. Damit hat das Museumskonzept keine Chance.“ Man sei der 1000-jährigen Geschichte Wasserburgs verpflichtet und stehe in der Verantwortung, die Sammlung für die Nachwelt zu erhalten. Außerdem seien seit 2009 bereits 387.000 Euro für Planungen ausgegeben worden, die bei einer Ablehnung umsonst gewesen sind.

Ins selbe Horn stieß Lorenz Huber (Bürgerforum): „Wir haben einen kulturhistorischen Auftrag.“ Seine Parteikollegin Edith Stürmlinger, Dritte Bürgermeisterin und Kultureferentin, pflichtete ihm bei: „Wir haben keine Alternative.“ Die hatte zuletzt Museumsleiterin Sonja Fehler unter die Lupe genommen: „Wir haben sämtliche Bestandsbauten untersucht und es war nichts dabei.“ Denn man brauche ein stabiles Raumklima, möglichst energieeffizient und die Objekte sollten kompakt an einem Ort deponiert werden.

Zusätzlich ermutigt durch Stadtkämmerer Konrad Doser („die Stadt hat mehr Rücklagen als Schulden“) war sich das Gremium schließlich einig, das Museumsdepot voranzutreiben. Freilich nicht, ohne nochmals alle Einsparpotenziale auszuschöpfen.

 

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