Konzerte, Kino, Kabarett

Mit dem Altstadtbiergarten soll der heimischen Kulturszene unter die Arme gegriffen werden

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Wasserburgs Altstadt erhält einen neuen, zeitlich begrenzten Biergarten. Von Juli bis September soll auf dem Areal am Schopperstattweg (Foto), das die Stadt für das neue Feuerwehrgerätehaus erworben hat, eine Bühne für Konzerte, Theater, Kino und Kabarett entstehen. Für das Vorhaben des Wirtschafts-Förderungs-Verbandes gab der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt gestern einstimmig grünes Licht (wie kurz berichtet). „Mit dem Projekt wollen wir den heimischen Kulturschaffenden unter die Arme greifen, die durch die Corona-Krise besonders gebeutelt wurden”, so Bürgermeister Michael Kölbl.

Durch die Pandemie und die eingeleiteten Sicherheitsmaßnahmen sei der Kulturbetrieb in Stadt und Altlandkreis quasi komplett zum Erliegen gekommen. Kölbl: „Der Biergarten mit Bühne bietet für die Kulturszene eine Chance, wieder Aufträge zu erhalten.” Mit dem Biergarten wolle man im Zuge der schrittweisen Lockerung der Beschränkungen eine Möglichkeit schaffen, kulturelle Veranstaltungen anzubieten – „wenn auch ausschließlich im Freien und im begrenzten Rahmen.”

 

„Frühlingsfest light” ist vom Tisch

Im Vorfeld habe man bereits Gespräche mit dem WFV und den heimischen Kulturschaffenden geführt. Dabei habe sich herauskristallisiert, dass das zunächst vom WFV in der gesamten Altstadt geplante „Frühlingsfest light” wegen mangelndem Interesse der Schausteller vom Tisch sei. Dann habe man die Idee entwickelt, einen Biergarten mit Bühne am Festplatz am Badria zu installieren. „Allerdings wäre das Gelände dort oben für dieses Konzept selbst ohne Corona wohl wenig attraktiv. Wir können uns dort eine echtes Biergartenambiente eigentlich nicht vorstellen. Das Areal ist obendrein einfach zu weit von der Altstadt entfernt”, so Kölbl.  So sei die Idee mit dem Gelände am Schopperstattweg entstanden. „Mit dem nahegelegenen Parkhaus und dem Parkplatz an der Rampe haben wir dort auch gleich ausreichend Parkflächen. Es ist zudem gut abgrenzbar und hat mit mehr als 4000 Quadratmetern ausreichend Fläche.”

Ein Gesamtkonzept für die drei Monate zu erstellen, sei jetzt Aufgabe des WFV. „Wir sollten heute aber den Rahmen dafür abstecken, sonst wird es zeitlich eng.” Der WFV solle bei der Erstellung des Konzepts die Anliegen der Anwohner und der städtischen Gastronomie nicht aus den Augen verlieren.

Der Bürgermeister wies darauf hin, dass der Altstadtbiergarten am Schopperstattweg nichts mit dem geplanten Biergarten am Inndamm zu tun habe. „Auch dieses Projekt ist weiterhin in Planung, wird aber nicht vor 2021 kommen.”

„Eine prima Idee”

Stefanie König (Grüne) nannte das geplante Projekt „eine prima Idee”. Was sie besonders freue, sei die Tatsache, „dass alle heimischen Kulturschaffenden mitgenommen werden”. Allerdings habe sie auch etwas Angst um die Altstadt-Gastronomen. „Es sollte schon darauf geachtet werden, dass man beim kulinarischen Angebot nicht in direkte Konkurrenz zu unseren Wirten tritt.”

Heike Maas (CSU) regte an, dass man sich auch um den Rest der Altstadt Gedanken machen sollte. „Wir haben genügend schöne Plätze, auf denen ebenfalls Programm stattfinden könnte. Wir sollten beim Marketingkonzept darauf achten, dass die gesamte Stadt, der gesamte Wasserburger Sommer beworben wird und nicht nur der Biergarten am Schopperstattweg.” Ansonsten sei das Projekt aber eine tolle Sache. „Die Leute wollen wieder weggehen. Der Biergarten kann eine Magnetwirkung für die ganze Altstadt entwickeln.”

Das sah auch ihr Fraktionskollege Georg Machl so: „Ich finde es toll, wie sich der WFV für die Stadt einsetzt und was für das Leben in der Altstadt unternimmt – im Winter die Eisbahn, die von 10.000 Menschen genutzt wurde, und jetzt der Biergarten, für den der WFV in Rekordzeit eine Idee entwickelt hat.” Er finde es besonders gut, dass man auch diesmal die Veranstaltungs-Profis von SAS mit ins Boot hole.

Bedenken äußerte Friedericke Kayser-Büker (SPD). „Ich befürchte, der Biergarten wird den Gastronomen direkt Konkurrenz machen. Aber die Organisatoren vom WFV sagen ja, sie sind die Experten. Dann sollen die das auch durchziehen.”

Davon gehe er aus, ergänzte der Bürgermeister: „Der WFV ist die Hauptvertretung des Einzelhandels und der Gastronomie in der Stadt. Wenn der die Interessen dieser Gruppierungen nicht im Auge behält, wer dann?”

Auch Edith Stürmlinger (Bürgerforum) hält den Biergarten für eine sehr gute Idee. „Wir müssen schauen, dass wir das alles jetzt schnell auf den Weg bringen.” Es sei toll, dass die heimischen Künstler in Zeiten der Krise wieder eine Bühne bekämen. „Wir dürfen aber den Rest der Altstadt nicht vergessen. Vielleicht finden wir da auch noch weitere Auftrittsmöglichkeiten für verschiedene andere Künstler”, so die Kulturreferentin. 

 

Einstimmig grünes Licht

Die Stadträte genehmigten den zeitlich begrenzten Biergarten an Schopperstattweg unter folgenden Auflagen einstimmig:

    1. Die Überlassung erfolgt an den Wirtschafts-Förderungs-Verband Wasserburg im Wege eines Pachtvertrages für längstens drei Monate von Juli bis September.
    2. Es muss eine Möglichkeit für Kultur-Veranstaltung verschiedenster Art (zum Beispiel Konzerte, Theater, Kino) geschaffen werden möglichst für regionale Künstler.
    3. Um ein entsprechendes Marketing-Konzept zu entwickeln, das auch die gesamte Altstadt berücksichtigt, muss das Rahmenprogramm für den Biergartenbetrieb möglichst zeitnah gemeinsam mit allen Beteiligten erarbeitet werden.
    4. Bei der Gestaltung des Rahmenprogramms sind die Belange der Anwohner zu berücksichtigen.
    5. Alle erforderlichen Genehmigungen und Erlaubnisse sind vom Pächter zu besorgen. Der Pächter ist für die Einhaltung der jeweils gültigen Bayerischen Infektionsschutz- Maßnahmen-Verordnung zuständig. Der Veranstalter muss ein Hygiene- und Sicherheitskonzept ausarbeiten und der Stadt vorgelegt.
    6. Für die Herstellung der notwendigen technischen Infrastruktur sind umgehend ein Konzept sowie eine Kostenermittlung zu erstellen. Für die Herstellung der Infrastruktur wird die Unterstützung der Stadt signalisiert.
    7. Im übrigen sollte der Platz weitgehend so genutzt werden, wie es steht und liegt. Die Herstellung eines Planums in bestimmten Bereichen durch die Stadt ist möglich.
    8. Als Kostenbeteiligung der Stadt für die Herstellung der Infrastruktur einschließlich der einschließlich der Bauhofleistungen wird ein Betrag von 15.000 Euro in Aussicht gestellt. Dies entspricht in etwa dem Gegenwert der Bauhofleistungen für die im Jahr 2020 ausgefallen Veranstaltungen (Frühlingsfest, Weinfest, musikalische Samstage).

 

Übrigens: Trotz Klimanotstand in der Stadt wirkt sich der Beschluss negativ auf den Klimaschutz aus. Vergnügungsveranstaltungen können nicht CO2-neutral durchgeführt werden.

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6 Kommentare zu “Konzerte, Kino, Kabarett

  1. Frau Kayser-Büker hat anscheinend ihre Probleme mit dem WFV .Sie will anscheinend nicht zur Kenntnis nehmen,daß dieser Verband das ganze Jahr über ehrenamtlich für das Wohl der Beschäftigten und Bürger der Stadt arbeitet .

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    1. Der WFV arbeitet gemäß seiner ureigensten Aufgabe für das Wohl der Gewerbetreibenden. Deren Interessen sind oft auch die Interessen der Beschäftigten bzw. der Bürger allgemein sein, einen Automatismus hierzu gibt es aber nicht. Auch wenn ich selbst das mit dem Biergarten für eine sehr gute Sache halte, so sollte es einer gewählten Stadträtin (die nebenbei bemerkt ebenfalls ehrenamtlich tätig ist) schon noch erlaubt sein auch bei Initiativen des WFV auf möglicherweise entstehende Probleme hinzuweisen. Und nachdem der Beschluss einstimmig war, hat dann wohl auch die Frau Kayser-Büker nicht dagegen gestimmt.

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  2. Naja ganz ohne Eigennutz tun die Vertreter*innen des WFV auch nicht! Genauso wenig wie eine Firma die öffentlich ihre Spendenaktivitäten kommuniziert, da wird halt das Eigeninteresse geschickt mit Wohltätigkeit verknüpft was in einer Marktwirtschaft ja auch ok ist, aber der WFV versucht schon sehr wohl seine Interessen zu bewerben und durchzusetzen.

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  3. Chapeau: Eine absolute Bereicherung für Stadt und Altlandkreis Wasserburg!!!

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  4. Ohne WFV wärs fad.
    Meist unken eh die, die selbst in keinem Verein oder sonst irgendwie für die Gesellschaft positiv aktiv sind.

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    1. @Tom, der WFV positiv und aktiv für die Gesellschaft?
      Glaube eher mit biegen und brechen die eigenen Interessen durchzusetzen.

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