Knappe Medikamente, aber nicht wegen Corona

Tobias Schlosser von der St. Jakobs-Apotheke: Lieferprobleme bei einzelnen Mitteln gab’s schon vor der Krise

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„Ein Mangel an bestimmten Medikamenten beschäftigt uns schon einige Zeit“, sagt Tobias Schlosser, Inhaber der St. Jakobs-Apotheke in der Ledererzeile, „das hat aber mit der Pandemie nichts zu tun.“ Grund für die Engpässe bei beispielsweise Blutdrucksenkern war eine Verunreinigung bei den Wirkstoffen. Durch Umstellung auf andere Präparate nach Rücksprache mit dem jeweiligen Arzt können die Patienten dennoch versorgt werden. „Wir haben gute Ausweichmöglichkeiten auf andere Zulieferer“, betont Schlosser. „Klar ist aber auch, dass sich diese Knappheit in der nächsten Zeit wenn auch nicht verschlimmern, so doch nicht verbessern wird.“ Denn nun komme erschwerend hinzu, dass …

… China und Indien, die Haupthersteller von Wirkstoffen, wegen der Krise ein Exportverbot verhängt haben.

Drohte noch vor wenigen Wochen eine gewisse Knappheit bei fiebersenkenden Medikamenten wie etwa Paracetamol oder bei Desinfektionsmitteln, stehen diese Dinge in ausreichender Menge in den Regalen. „Denn zunächst wurde gehamstert“, stellt Schlosser fest. Ebenfalls genug vorhanden sind Handschuhe, Mundschutz oder Masken und Fieberthermometer.

 

Zecken-Saison beginnt

Eine Gefahr, die im Schatten von Covid-19 zu stehen scheint, ist der Beginn der Zecken-Saison. „Weil wir praktisch keinen Winter hatten, sind die Zecken dieses Jahr schon drei bis vier Wochen früher unterwegs“, warnt der Apotheker. Denn Bayern ist nach wie vor ein Risikogebiet. Vor allem in hohem Gras und Feldern lauern die Parasiten. Ein gutes Gegenmittel seien spezielle Sprays und für Hunde und Katzen Wirkstoff-Halsbänder.

Mindestens für Risikopatienten empfiehlt Schlosser ganz klar eine Impfung gegen FSME, denn das Virus kann eine Gehirnhautentzündung auslösen. „Auf jeden Fall sollte ein Zeckenbiss gut beobachtet werden“, rät der Apotheken-Chef, „auch Borreliose kann durch Zecken ausgelöst werden.“ Dagegen gäbe es zwar keine Impfung, aber gute Behandlungsmöglichkeiten durch Antibiotika. CF

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Corona macht’s grad nicht einfacher

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Ein Kommentar zu “Knappe Medikamente, aber nicht wegen Corona

  1. wiebke Friedrich

    „auch Borreliose kann durch Zecken ausgelöst werden.“ Dagegen gäbe es zwar keine Impfung, aber gute Behandlungsmöglichkeiten durch Antibiotika.

    Stimmt nur zur Hälfte, was die “guten” Behandlungsmöglichkeiten betrifft:
    Das RKI schreibt dazu in seinem aktuellen Ratgeber von 2019 zur Lyme-Borreliose:
    ” Die Lyme-Borreliose ist aus verschiedenen Gründen schwierig zu bekämpfen und eine Herausforderung für den öffentlichen Gesundheitsschutz. Die Probleme umfassen u. a. kein verfügbarer Impfstoff, fehlende Vektorkontrolle und kein sicherer Schutz vor Zeckenstichen. Sowohl die vielfältigen und variablen Manifestationen der Lyme-Borreliose als auch das Fehlen eines gesicherten Ein- oder Ausschlusses der Erkrankung mittels labordiagnostischer Teste erschweren die Krankheitsüberwachung. ”

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