„Klimawandel stoppen – es ist höchste Zeit!”

Über 600 Teilnehmer bei Kongress, der erstmals an der TH in Rosenheim stattfand

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Die Vorboten des Klimawandels sind seit Jahren alarmierend, jetzt muss endlich ein Ruck durch Gesellschaft und Politik gehen, um die Folgen abzumildern: Das ist das Signal, das von den Vertretern bayerischer und österreichischer Solarinitiativen, renommierten Klimaforschern und anerkannten Energieexperten ausgeht, die sich am vergangenen Wochenende an der Technischen Hochschule Rosenheim getroffen haben. Unter dem Motto „Klimawandel stoppen – es ist höchste Zeit, legen wir los!“ kamen …

… an den zwei Tagen über 600 Teilnehmer zur hochkarätig besetzten 26. Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer und Österreichischer Solarinitiativen (ABSI) zusammen. Das Programm des Kongresses spannte die Brücke vom Problem Klimawandel hin zur Lösung der Energiewende im Lokalen.

Die sowohl lehrreiche als auch unterhaltsame Veranstaltung profitierte nicht zuletzt von den Referenten, darunter der Physiker und Fernsehmoderator Prof. Dr. Harald Lesch, der Gletscherforscher und Ex-Leitautor des UN-Weltklimarats Prof. Dr. Georg Kaser (unser Foto), Prof. Dr. Bruno Burger vom Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme, Prof. Dr. Volker Quaschning von der HTW Berlin sowie der bekannte Extremkletterer Alexander Huber von den Huberbuam.

Anders als in den vergangenen Jahren war der ABSI-Kongress 2019 heuer deutlich mehr als ein Arbeitstreffen: Es war ein Motivationsschub für die gemeinsame Arbeit an einer besseren Zukunft. „Wenn es schon fünf nach zwölf wäre, würde ich hier nicht mehr stehen“, mahnte Prof. Dr. Kaser. Es müsse allerdings sofort gehandelt werden.

Deutlich pessimistischer zeigte sich Prof. Dr. Quaschning. Er konstatierte: „Unsere Generation hat in den letzten 30 Jahren versagt.“ Bereits vor Jahrzehnten haben Wissenschaftler das Phänomen Klimawandel erkannt und genauso lange warnen sie vor dessen Folgen.

Quaschning glaubt, dass die seit einigen Wochen weltweit demonstrierenden Schüler der Bewegung „Fridays for Future“ nun „den Hebel rumreißen“ könnten. Auch in Rosenheim gab es zuletzt dazu Schüler-Aktionen.

Der ehemalige Bundestagsabgeordnete und jetzige Präsident der Energy Watch Group, Hans-Josef Fell, sah im großen Zuspruch zur Tagung „ein gutes Zeichen, dass die Klimaschutzbewegung von unten wieder an Fahrt zunimmt“.

Dass es um mehr geht, als den Ausbau der Bürger-Solarenergie in Süddeutschland und Österreich konnte man auch am diesjährigen Motto ablesen: Wie schon bei der Veranstaltung im Vorjahr in Erlangen ist es vielmehr die Notwendigkeit eines Umbaus hin zu einer CO2-freien Energiezukunft in den Regionen, die die Protagonisten antreibt.

„Wir sind uns im Organisationsteam einig, dass wir die Energiewende in Bayern nur hinbekommen, wenn wir weiter am Ball bleiben“, erklärte Mitveranstalter Prof. Mike Zehner von der Technischen Hochschule Rosenheim. Deshalb soll in Rosenheim an den Konferenzerfolg von 2019 im kommenden Jahr mit einem Kongress zur Energiewende angeknüpft werden.

Neben der Solarstrom- und Solarwärmenutzung standen am Wochenende ebenso die Elektromobilität, die Energiespeicherung und die zu ändernden Rahmenbedingungen auf der Tagesordnung. Mehrere ausverkaufte Exkursionen in der Stadt Rosenheim und eine Fachausstellung ergänzten das Programm.

Dank aktueller Entwicklungen, wie etwa die Schülerbewegung „Fridays for Future“, aber auch dem erfolgreichsten Volksbegehren Bayerns, war in Rosenheim eine Aufbruchsstimmung deutlich spürbar. In vielen Gesprächen und Diskussionen wurde auf den Fluren der Hochschule an einer engmaschigen Vernetzung der gemeinsamen Interessen gearbeitet.

So waren die Teilnehmenden des Kongresses durchaus optimistisch, dass auch das geplante Volksbegehren „Klimaschutz in die bayerische Verfassung“ erfolgreich sein wird. Um dies zu verdeutlichen, wurde von Seiten der ABSI eine Resolution verfasst, welche in den kommenden Tagen an den Bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder überreicht wird.

Darin fordert die Arbeitsgemeinschaft Bayerische Solar-Initiativen Bayerns Staatsregierung auf, keinen Wechsel von Atomenergie zu zentraler Gaskraftwerksenergie durchzuführen, da damit der CO2-Anteil entgegen der Pariser Klimaschutzverträge in allen Energiesektoren steigen würden. Weiter pocht ABSI darauf, die Blockaden gegen den Ausbau erneuerbarer Energien in Bayern zu beseitigen.

Mit 363 Teilnehmern am Freitag, 296 Teilnehmern am Samstag sowie zusätzlich etwa 250 Besuchern des Festvortrags war der Rosenheimer Solarkongress das erfolgreichste Treffen der ABSI-Historie.

Den zweitätigen, öffentlichen Kongress zu Klimawandel und Energiewende hatte die Technische Hochschule Rosenheim zusammen mit der Initiative Energiezukunft Rosenheim (ezro), dem Rosenheimer Solarförderverein (rosolar), der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) organisiert. Der Kongress fand dieses Jahr erstmals in Rosenheim statt.

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19 Kommentare zu “„Klimawandel stoppen – es ist höchste Zeit!”

  1. Experten die am Klimawandel verdienen, kann das sein.
    Mir persönlich war heuer der Winter zu kalt und zu viel Schnee. Freue mich schon auf den Frühling.
    Denke das Wetter und die Jahreszeiten können wir nicht auf Knopfdruck steuern.
    Sehr altes Sprichwort. DAS WETTER TUT WAS ES WILL.
    Übrigens,es gab mal eine Eiszeit,auch die veränderte sich.

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  2. Ja schon, aber wenn wir wieder Unterschriften fürs Volksbegehren zum Stopp des Klimawandels machen, fahren wieder alle mit den Diesel-SUVs zum Rathaus und schimpfen fürchterlich, dass der Winterdienst zu wenig Salz auf die Straßen kippt um anständig fahren zu können.

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  3. Der Klimawandel ist bereits voll im Gang und alles andere als eine Glaubensfrage.

    Beim Klimawandel geht es um relativ einfache Naturgesetze, die auch dann gelten, wenn man sie nicht kennt oder nicht an sie glauben möchte. Die Ursachen des Klimawandels sind schon seit mehr als 150 Jahren bekannt, Hauptursache ist die Verbrennung fossiler Energieträger (Kohle, Erdöl, Erdgas).

    Genaue Modelle und Prognosen gibt es seit mehr als 30 Jahren. Spätestens seit der Umweltkonferenz von Rio de Janeiro (1992) ist das Thema auch einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Fast genauso lange gibt es auch lokale Initiativen, die sich für ein Umsteuern vor Ort einsetzen, z.B. Rio Konkret in Wasserburg. Oft mit wenig Erfolg, so auch bei uns.

    Leider gilt auch für Wasserburg, dass die Bürgermeister und Stadtrat ihrer Verantwortung für die Erhaltung der Lebensgrundlagen der zukünftigen Generationen seit 30 Jahren nicht nachkommen.

    Chancen gab und gibt es gerade in Wasserburg mehr als genug, allerdings fehlt den meisten Verantwortlichen das Interesse an diesem wichtigen Thema.

    Wasserburg wird daher seine 2008 selbst gesetzten Klimaziele für 2020 meilenweit verfehlen. Entscheidungen aus den letzten Jahren wie der Verzicht auf den Bau eines Nahwärmenetzes in der Altstadt und stattdessen der Erwerb von Erdgasnetzen gehen weiter in die völlig falsche Richtung.

    Dass man nun auf die Erstellung weiterer CO2-Bilanzen verzichtet und sich sogar der Wasserburger Klimaschutzmanager öffentlich vom Klimaschutz distanziert, ist sehr irritierend, wenn auch irgendwie konsequent …

    Die messbaren Auswirkungen des Klimawandels sind eher stärker als von den Modellen erwartet. Gerade für eine Stadt am Fluss sollte die prognostizierte weitere Zunahme von Starkregen und Hochwasser ein Signal zum entschlossenen Handeln sein.

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  4. Unser Alpenvorland war doch auch mal alles Gletscher! Das Klima hat sich doch schon immer verändert, da gab es noch gar keine Menschen!

    Es verändert sich eben jetzt gerade auch und es wird sich nicht aufhalten lassen.

    Ich glaube, das macht der Menschheit Angst. Es gab früher schon, ohne Autos, extreme Sommer mit Dürre. Da wussten die Bauern nicht, wie sie die Kühe durchbringen sollen! Das Klima erwärmt sich doch schon ewig lange, sonst würden wir noch in der Eiszeit leben.

    Dinosaurier sind ohne Zutun des Menschen ausgestorben! Ist das ganze Theater nicht etwas übertrieben?

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  5. Wasserburg holzt ja auch die gesunden Bäume um den Sportplatz ab, obwohl im Wuhrwald daneben der kompl. Wald stirbt….

    Aber sonst müsste man ja mal Laub zusammenkehren, in der Hecke war ein Vogelparadies …

    Aber beim Volksbegehren vorn hinstellen!

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  6. @..Pseudogrüner,

    Ihnen ist aber schon bekannt, dass Benzinfahrzeuge im Durchschnitt mehr CO2 ausstoßen als Diesel-Pkw ?

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  7. Klimawandel kann man nicht stoppen, da wir Menschen auf dieser einen Welt leben müssen.

    Eigentlich ist es ja nur ein Thema für sogenannte Experten und Lobbyisten, die gut daran verdienen.
    Der Wandel in der Natur ist schon lange bekannt, nur kaum beachtet worden.
    Mein ehemaliger Lehrer Herr Schön hat uns das bestens erklärt mit einem Buch
    von Charles Darwin, Naturforscher.
    Die Evolutionstheorie: Die Natur passt sich an!

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  8. @Surfer: Ersetzen Sie Diesel durch Benzin. Dann stimmts immer noch. Von mir aus können Sie auch Kohlestrom- oder Atomstromauto in den Satz einsetzen – tut nichts zur Sache.

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  9. Das Hauptproblem ist doch, dass unser Planet überbesetzt ist von einer einzigen Spezies, die allen anderen den Lebensfaden abschneidet: mit uns Menschen. Auf das Problem der Bevölkerungsexplosion hat schon Hoimar v. Ditfurth 1978 hingewiesen und alle bekannten Umweltprobleme darauf zurückgeführt. Die Menschheit müsste sich wieder zurückentwickeln. Das liegt aber nicht in deren Natur. Darum ist es auch so schwierig wirkliche Lösungen zu finden.

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  10. Schon Sigmund Freuds Psychoanalyse befasste sich vor mehr als 100 Jahren mit dem Prinzip der Verdrängung. Die Menschheit schädigt die Erde als ihre einzige Lebensgrundlage, in dem sie u.a. das Klima negativ beeinflusst. Aber wie man ja hier an einigen Kommentaren ablesen kann, wird das lautstark angezweifelt oder einfach ignoriert. Das riesige Problem wird einfach bequem verdrängt – zulasten unserer Kinder und deren Nachkommen!

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  11. Sehe ich genauso wie @Psychoanalytiker. Es ist erschreckend, wie egoistisch viele sind (Motto: “Nach mir die Sintflut”) und wie sich auf bequemer Unwissenheit ausgeruht wird. Und das, obwohl es inzw. mehr als kurz vor zwölf ist.
    Leider reden die Verantwortlichen nur, getan wird so gut wie nichts, Entscheidungen werden in die graue Zukunft verlegt.
    Bequemlichkeit? Finanzielle Interessen? Auf jeden Fall jedoch Verantwortungslosigkeit und Gleichgültigkeit, gemischt mit einer Portion Dummheit.

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  12. Die Menschheit muss sich nicht zurück-, sondern weiterentwickeln. Um unsere Erde für Menschen auf Dauer bewohnbar zu erhalten, bedarf es zwar tiefgreifender und schneller Änderungen unseres Lebensstils. Es ist aber keineswegs so, dass wir nicht wüssten, was zu tun ist.

    Unseren Energiebedarf können wir z.B. vollständig aus regenerativen Energien decken, dazu müssen wir aber auch schleunigst die bestehenden Energiesysteme umbauen. Auch die Nahrungsmittelversorgung einer wachsenden Weltbevölkerung ist machbar. Die Ernährung wird in Zukunft halt etwas anders ausschauen, als wir sie heute in den Industrieländern kennen.

    Das Problem der letzten 30 Jahre ist das Verdrängen dieser Herausforderungen und das Festhalten an nicht zukunftsfähigem Denken und Handeln. Das Schöne ist aber, dass man v.a. auf der lokalen Ebene sehr viel bewirken kann, wenn man nur den Willen zu Veränderungen hat.

    Wasserburg hat hier grundsätzlich ein großes Potential. Man muss Veränderungen (politisch) aber halt auch tatsächlich wollen, sie ermöglichen und unterstützen. Leider haperte es daran bisher gewaltig,

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  13. Aber mit Maisanbau für Biogas stoppen Sie den Klimawandel nicht.
    Googeln Sie “Nicht noch mehr Mais” von Christian Hof in der FAZ
    Christian Hof lehrt an der TUM Terrestrische Ökologie. Sie finden ihn auch auf twitter.

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  14. “Aber mit Maisanbau für Biogas stoppen Sie den Klimawandel nicht.” – Schön, da trifft es sich doch ganz gut, dass dies zumindest hier auch gar niemand behauptet hat. Also: was genau soll mit dieser destruktiven Art der Diskussionsführung eigentlich bezweckt werden?

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  15. @Whatercastle,
    Biogas zählt zu den regenerativen Energien und die sind von Hofstatt angeprochen worden. Was passt Ihnen jetzt an meinem Kommentar nicht?

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  16. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk sagt Christian Hof, dass der Anbau von Energiepflanzen der Artenvielfalt schadet.
    Ich täts schon verlinken, wenn man hier dürfte.

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  17. Die größten Anteile an regenerativer Energieerzeugung tragen Sonnen- und Windenergie bei. Sie sind in großen Teilen der Welt längst auch die kostengünstigsten Stromquellen. Folgerichtig fließen mehr als 90% der Investitionen in regenerative Energien in Sonnen- und Windenergieanlagen.

    Biogas spielt wegen der hohen Kosten kaum noch eine Rolle.

    Nur Biogas, dass aus Reststoffen erzeugt wird, hat eine längerfristige Perspektive.

    Gerade in Wasserburg könnte Biogas daher in Zukunft doch noch einen Beitrag leisten, weil in der hiesigen Lebensmittelindustrie solche Reststoffe anfallen.

    Auch Kläranlagen erzeugen Biogas, das wird auch in Zukunft so bleiben. Biogasanlagen, die mit Mais oder anderen Feldfrüchten betrieben werden, werden mittelfristig aus ökologischen und ökonomischen Gründen verschwinden.

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  18. @Akelei: was mir an ihrem Kommentar nicht passt?

    Der Hofstatt nennt regenerative Energien allgemein. Die regenerativen Energien sind alles mögliche: Wind, Wasser, Sonne, Geothermie und eben auch Biomasse. Sie picken sich daraus eine spezielle Form der Biomasse heraus und weisen auf deren (unstrittig vorhandenen) negativen Begleiterscherinungen hin, indem sie unterstellen, es sollte die Energiewende einzig und alleine durch diese Form der Energieerzeugung erreicht werden.

    Sie blenden also nicht nur sämtliche anderen Formen der regenerativen Energien aus, sondern auch alle anderen Aspekte einer Energiewende wie Energieeinsparung, Effizienzsteigerung etc.

    Sie unterstellen somit eine Forderung, die so von niemandem erhoben wurde.

    Wenn man zu einer Debatte nichts Konstruktives – also Vorschläge, wie die Energiewende besser gelingen kann – beitragen kann, dann versucht man eben, durch polemische Beiträge (hier im speziellen durch ein sog. Strohmann-Argument – diesen Begriff gerne bei Bedarf googeln) den “Gegner” zu widerlegen.

    Dies mag Ihnen im speziellen Fall die Zustimmung ihrer Klimaskeptikerkollegen einbringen, inhaltlich ist das ziemlich armselig.

    Ihrem Maisanbau-Argument muss man eigentlich nur die negativen Begleiterscheinungen der konventionellen Energieerzeugung und des fossilen Individualverkehrs entgegenhalten, um es recht dürftig aussehen zu lassen.

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  19. ein Teilnehmer dieses Kongresses, Hans-Josef Fell, hat 2003 den Deutschen Biogas Preis erhalten.

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