De Deckn in da Kapelln – blau wia da Himme

Kerschdorf: I bin de Marianne - und do bin i dahoam!

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OLYMPUS DIGITAL CAMERAStaad is in Kerschdorf – so richtig. Wirklich nix heard ma – nur die Vögel, de zwitschern. Da Tag beginnt grad erst an diesem Donnerstag – es is da Ruhetag im Gasthaus Schmid. Und deshoib bin i genau an diesem Tag verabredet mit der jungen Wirtin Marianne. Denn da – da is a bissal Zeit.

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De scheenstn Platzl in ihrm Dorf san für de Marianne gar ned weit weg vom Haus – nur a paar Meter. De Wiesn, wo sie se amoi in an Stuhl einesitzt und durchschnaufa kon und in de Berg eineschaut vom Wohnhaus aus. „Schod, dass heid no so dunstig is,“ sagts und zoagt ma dann des Platzerl, wo jez Obstbäume stehen. „Des, de Wiesn do, da hama imma Fuaßboi gspuit, ois Kinder und Jugendliche. Da sama imma zsammkemma… Des hob i scho vom Fensta aus gseng, wenn’s wieder soweit war.“ Dann – a kloans Stückerl weida, steh ma voram Weiher, dem Löschweiher der Kerschdorfer Feuerwehr, de aba „Feuerwehr Freiham“ hoaßt – vo früher her no. Da spuin de Junga heid no gern Eishockey im Winter, und sie selbst is da mit de Spezln immer gern zum Baden ganga. Ganz gleich, wos da ois drin rumgschwomma is. Im Weiher. A scheene Zeit is des gwen, sagt sie. Heid, find Marianne, dean de Kinder scho liaba Computer spuin. Schod find sie des.

Vom Uropa Richard, der 1929 mim Gasthaus Schmid ogfangt hod, hod ihr Vater de Wirtschaft übernomma. Dass da Papa, da Martin Schmid, erst vor a paar Wochen heuer im Januar verstorben is, des macht unsere Begegnung sehr berührend. Mit Leib und Seele is de Mama, de Maria, Wirtin in ihrem Heimatdorf. A Kerschdorfnerin, de an Kerschdorfner kenaglernt hod und ihr Glück gfundn hat. Beziehungen – guade – de hod’s oft gem damois in dem kloana Ort. Ma is ja ned vui rumkemma. Marianne woaß no, dass oana an Mercedes ghabt hod, an oidn – „des war des oanzige Auto do bei uns. Des war wos bsonders.“

Marianne (rechts) vor Ihrm Gasthaus mit ihrer Mama, Maria Schmid, die mit Leib und Seele de Wirtin vo Kerschdorf is.     Fotos: Renate Drax

Marianne (rechts) vor Ihrm Gasthaus mit ihrer Mama, Maria Schmid, die mit Leib und Seele de Wirtin vo Kerschdorf is. Fotos: Renate Drax

De junge Wirtin sagt, sie dat ma gern de kloana Dorf-Kapelle vo innen zoagn. „Weil’s a scheena Ort is. De Deckn is blau wia da Himmel heid.“ Aba mia erreichen koan vo dene, de de Schlüssel ham für de Kapelle. Marianne erzählt weiter. Vom frühen Aufsteh und dass in ihrem Haus eigentlich gar ned wohnt, sondern nur no schlaft – „bin ja de ganze Zeit in da Wirtschaft.“ Und a wenn’s jez schwer is für de beiden Frauen so alloa – sie krempeln jeden Morgen de Ärmel aufs Neue hoch. Für die Gäste. Auch Fremdenzimmer ham’s. Und da is ja a no da Benjamin, da Sohn vo da Marianne, der fleißig mithuift. Der lernt jez a no Koch – ganz freiwillig, des gfreid de Mama und de Oma sehr. Aba ob’s wirklich des Richtige is für den 17jährigen „Buam“, des werd se erst no rausstellen, sagen’s beide fast gleichzeitig.

Persönliche Schicksalsschläge, de hod ganz Kerschdorf scho vui erlebt. Was sie selbst fürs Leben hier glernt hod? „Dass da leida so vui wahr’s dro is an dem Sprichwort – unter jedem Dach ein Ach …“ sagt Marianne Schmid leise. Und nachdenklich geh ma gemeinsam zur kloana Kapelln. De, wia i erfahr, scho aus dem Jahr 1895 is und a Gedächtniskapelle is für de frühere Kirch „St. Nikolaus“ in Kerschdorf. De is abgrissn worn, weil da Blitz eigschlogn hod. Dreispänner stengan jez dort – genauso wia an dera Stell, wo früher da Kramerladn war. Aba na, zu sentimental woit ma ja gar ned wern heid – deshoib lacht mi de Marianne glei wieder an: „Da gibt’s a nette Gschicht – hinterm Ladn da is immer a Toiletten-Häusl gstandn, so a Hütterl aus Holz. Und jeds Jahr am Steffi-Dog da is vschwundn und is irgendwo in da Ortschaft higstellt worn…“ Lustig warn’s scho immer drauf – de Kerschdorfer. Marianne lacht: „Oamoi is sogar oben anam Kran baumelt – des Toilettenhäusl…“ Wo da Name vom Ort herkommt, erfahr i a: Vo de Kirschbaam natürle. „Doch, bei uns hod’s vui Kirschbaam gem“, woaß de Mama.

Und wiavui Leit jez hier leben, frag i. Ja so um de 200, sagt de Maria. Aba de Marianne moant: „Na, des san jez scho mehra, 300 oda 400. Des warn früher 200.“ Des woaß sie nämlich no ganz genau, dass sie ois Kind imma – wenn’s ned eischlafa hod kenna – alle Leit zählt hod vo Kerschdorf. Und da is imma genau bis 200 kemma …

Des is des Platzl, des bsondere Erinnerungen weckt - bevor da Obstbaam standn, war des a Fuaßboiplatz früher in Kerschdorf. Marianne Schmid denkt gern an de Zeit.

Des is des Platzl, des bsondere Erinnerungen weckt – bevor da Obstbaam standn, war des a Fuaßboiplatz früher in Kerschdorf. Marianne Schmid denkt gern an de Zeit. Im Hintergrund ihre Wirtschaft.

Gmiatlich is in da Stubn im Gasthaus Schmid in Kerschdorf.

Gmiatlich is in da Stubn im Gasthaus Schmid in Kerschdorf.

De kloanae Marianne gratuliert ihrem Uropa Richard zum 84. Geburtstag - a Buidl, des de junge Wirtin wian Schatz bewahrt.

De kloane Marianne gratuliert ihrem Uropa Richard zum 84. Geburtstag – a Buidl, des de junge Wirtin wian Schatz bewahrt.

Des Wappen vo Kerschdorf ausm Jahr 1516.

Des Wappen vo Kerschdorf ausm Jahr 1518.

 

 

 

 

 

Da oide Saal, den's bis 1977 gem hod. Danach wara a Zeitlang amoi a Tier- und Jagd-Museum mit Woiperdinger.

Da oide Saal, den’s bis 1977 gem hod. Danach wara a Zeitlang amoi a Tier- und Jagd-Museum mit Woiperdinger.

da neie Saal - hier san Hochzeiten und Beerdigungen, de Preisverleihung vom Königsfischen vom Kreisverband. Hier feiern de Jager genauso wia de Schützen.

Da neie Saal – hier san Hochzeiten und Beerdigungen oder a de Preisverleihung vom Königsfischen vom Kreisverband. Hier feiern de Jager genauso gern wia de Schützen.

A Schmuckstück is de oide Lampn am Eingang vom oidn saal. Sie is ausm jahr 1929.

A Schmuckstück is de oide Lampn am Eingang vom oidn Saal. Sie is ausm Jahr 1929.

De kloane Kapelle vo Kerschdorf leuchtet in da Morgensonn.

De kloane Kapelle vo Kerschdorf leuchtet in da Morgensonn.

 

 

 

 

 

 

Original aus dem Jahr 1895 is no de Tür vo da Kapelle.

Original aus dem Jahr 1895 is no de Tür vo da Kapelle.

Eine Zierde außen überm Eingang des Kircherls: De Kerschdorfer beten hier für Verstorbene und Kranke im Dorf.

Eine Zierde außen überm Eingang des Kircherls: De Kerschdorfer beten hier für Verstorbene und Kranke im Dorf.

 

 

 

 

Des war früher des Freibad vo de Kerschdorfer Kinder und Jugendlichen - heid werd da gern no Eishockey gspuit.

Des war früher des Freibad vo de Kerschdorfer Kinder und Jugendlichen – heid werd da gern no Eishockey gspuit.

 

Die FFF - Freiwillige Feuerwehr Freiham - is eigentlich de Feuerwehr vo Kerschdorf.

Die FFF – Freiwillige Feuerwehr Freiham – is eigentlich de Feuerwehr vo Kerschdorf.

Ob des da Herr Latein sei soi? Jedenfois bei da größten Firma im Dorf, der Zimmerei Latein, steht jez de Skulptur vom Bildhauer Johann Steinbach, der jez  in Kerschdorf lebt.

Ob des da Herr Latein sei soi? Jedenfois bei da größten Firma im Dorf, der Zimmerei Latein, steht de Skulptur vom Bildhauer Johann Steinbach, der jez in Kerschdorf lebt.

 

 

Wegweiser für de radlfahrer, de a gern im gasthaus vo da Marianne und da Maria Halt machan zum Vaschnaufa ...

Mozart-Radlweg – Alz-Inn-Radlweg – egal – do geht’s lang für de Radlfahrer – am besten glei amoi zum Gasthaus vo da Marianne und da Maria – wo ma Halt macha ko zum Vaschnaufa und imma a guade Brotzeit griagt …

 

 

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