,,Keine Sterbe- sondern Lebensbegleitung”

Versorgungszentrum für Familien mit schwerstkranken Kindern in Rosenheim eröffnet

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Immer mehr Familien mit schwerst- und lebensbedrohlich erkrankten Kindern und Jugendlichen brauchen professionelle Unterstützung und Betreuung. Für die Region Südostoberbayern wurde deshalb kürzlich ein Versorgungszentrum in Rosenheim eingerichtet, um nun auch Familien in Stadt und Landkreis Rosenheim ausreichend versorgen zu können. Träger ist die „Stiftung Ambulantes Kinderhospiz München“ (AKM).

Dieses Angebot gibt es bereits seit 2018 für die Landkreise Rosenheim, Altötting, Berchtesgadener Land, Mühldorf und Traunstein. Anfang diesen Monats fand nun die offizielle und feierliche Eröffnung statt. Neben Christine Bronner (Dritte von rechts), Gründerin der Stiftung AKM und geschäftsführender Vorstand, war auch Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (am Pult) anwesend.

Das Zentrum Südostoberbayern in Rosenheim ist eines von insgesamt drei regionalen Zentren der Stiftung AKM. Hinzu kommen das Zentrum Südwestoberbayern in Inning am Ammersee und das Zentrum Niederbayern in Landshut.

Die angebotenen Leistungen umfassen familienbegleitenden Kinderhospizdienst, wobei Familien mit schwerstkranken Kindern durch ein Erstgespräch mit einer Koordinatorin die Vielzahl an Möglichkeiten der Unterstützung aufgezeigt wird. In dieser Beratung werden psychosoziale und andere Belastungssituationen gemeinsam durchgesprochen. Nach Bedarf werden die eigens geschulten ehrenamtlichen Familienbegleiter in der Familie zur Unterstützung und Entlastung eingesetzt.

Zudem wird auch sozialmedizinische Nachsorge (SMN) angeboten mit dem Ziel, die Krankenhausaufenthalte für die Patienten zu verkürzen oder zu vermeiden, die anschließende ambulante Behandlung sicherzustellen und den Übergang ins häusliche Umfeld reibungslos zu gestalten.

Weitere Dienstleistungen im Spektrum des Zentrums Südostoberbayern sind Angehörigenberatung, 24-Stunden-Krisendienst, therapeutische Kurzintervention durch PsychologInnen und TherapeutInnen und teilhabeorientierte Nachsorge, die die Inklusion und gesellschaftliche Teilhabe der betroffenen Familien fördern soll.

Neun Mitarbeiter aus den Bereichen Kinderpflege, Psychotherapie, Kinder- und Jugendmedizin, Sozialpädagogik, Seelsorge und Pflegeberatung arbeiten dabei eng mit der Rosenheimer Klinik für Kinder- und Jugendmedizin zusammen. Hinzu kommen viele ehrenamtliche Helfer, ohne die die Arbeit der Stiftung AKM nicht möglich wäre.

„Ganz wichtig ist für uns auch die Aufklärungsarbeit, denn bei dem Thema ,Kinderhospizarbeit’ schrecken viele Menschen zurück. Wir sind aber keine Sterbebegleitung, sondern eine Lebensbegleitung”, so Elisabeth Nützel, die Leiterin des Zentrums Südostoberbayern (Foto oben). Es gehe vielmehr um eine Betreuung der gesamten Familie, wenn ein Kind schwerst- oder lebensbedrohlich erkrankt ist – und das ab der Diagnose.

Ein großer Teil der erkrankten Kinder leidet an Krebs, Herz- oder Stoffwechselerkrankungen. Im Bereich des Nachsorgeangebots „Bunter Kreis Rosenheim“, das nun zum Zentrum Südostoberbayern gehört, liegt der Schwerpunkt auf Familien mit Frühgeborenen und chronisch kranken Kindern, zum Beispiel DiabetikerInnen.

„Im Bereich Südostoberbayern gibt es noch einige Regionen, die im Hinblick auf unsere Zielgruppe zu wenige ambulante Angebote haben. Gerade Familien mit schwerst- oder lebensbedrohlich erkrankten Kindern haben es schwer, da sie häufig aus dem sozialen Netz fallen”, erklärt Nützel. Da die Erkrankungen oft über einen längeren Zeitraum gingen, ziehe sich das soziale Umfeld irgendwann zurück und die Familien seien häufig auf sich alleine gestellt. Zur schwierigen Gesamtsituation kämen dann oft noch finanzielle Belastungen und die schwierigen Abstimmungen mit Krankenkassen und Behörden hinzu. Da dies für Familien häufig überfordernd sei, wolle das Zentrum in Rosenheim diese Familien durch die vielfältigen Unterstützungsmöglichkeiten stabilisieren. „Unser Ziel ist es, das ,System Familie’ in dieser belastenden Situation zu erhalten.”

Grundsätzlich kann jede Familie mit einem schwerst- oder lebensbedrohlich erkrankten Ungeborenen, Neugeborenen, Kind, Jugendlichen oder jungen Erwachsenen die Angebote in Anspruch nehmen. Zudem werden auch lebenslimitierend erkrankte Erwachsene mit minderjährigen Kindern im Haushalt unterstützt. „Wir klären dann in einem persönlichen Erstgespräch im Zentrum, wie wir weiterhelfen können und welcher Fachbereich zuständig ist”, so Nützel. Bei Bedarf werden die Familien auch an andere Einrichtungen vermittelt.

Für Eltern mit Frühchen soll es demnächst auch ein Angebot geben, wo sich Betroffene in der Gruppe austauschen können. Weitere Informationen dazu gibt’s auf unserer Plakatwand.

Für Fragen rund um das Angebot stehe das Zentrum Südostoberbayern jederzeit zur Verfügung. Telefonisch unter 08031 / 39 11 660 oder per Mail an Leiterin Elisabeth Nützel.

 

 

 

 

 

 

 

 

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