„Kein Verständnis für Attacken“

Christoph Klobeck vom gleichnamigen Traditionsgeschäft nimmt Stellung zur Verkehrsproblematik

image_pdfimage_print

Er ist aktives Mitglied beim Wirtschafts-Förderungs-Verband, seine Familie betreibt das gleichnamige Traditionsgeschäft in Wasserburg. Christoph Klobeck, dessen Familienbetrieb am Ende der Herrengasse liegt, wäre direkt von der „Pfosten-Lösung“ in der Schustergasse (wir berichteten) betroffen. Deshalb nimmt er jetzt mit einem offenen Brief Stellung zur Verkehrsproblematik in der Altstadt und zur jüngsten Stadtratssitzung, bei der der WFV hart kritisiert worden war.

„Mit großer Verwunderung lese ich die Kritik von einigen Stadträten am WFV. Die Bürgerversammlung, bei der die Pfosten-Variante vorgestellt wurde, ist gerade einmal vier Wochen her. Der Bürgermeister hatte bei der Präsentation um Vorschläge oder Feedback zu dieser Variante gebeten. Das hat der WFV getan und musste dafür jetzt öffentlich Kritik einstecken.“

Klobeck weiter: „In der hitzigen Diskussion um die Verkehrsberuhigung und den beiden Unterschriftenaktionen wurde dem WFV immer wieder, Kompromisslosigkeit‘ und ,Gutsherrenart‘ vorgeworfen. In den vergangenen Wochen hat sich nun ein Teil des WFV-Vorstands sowie zwei Fördermitglieder – ich war auch dabei – mit einer der Initiatorinnen sowie zwei weiteren Befürwortern der Hofstatt-Sperrung getroffen und das Thema diskutiert.“

Nachdem man beim ersten Treffen zwar noch keine Einigung erzielt, jedoch ruhig und sachlich miteinander gesprochen habe, sei WFV-intern diskutiert worden, inwieweit man der anderen Seite entgegenkommen könne. „Ich denke, dass dies eine ganz normale Art und Weise ist, wie man einen Kompromiss erreicht. Dass dieses Vorgehen nicht in 48 Stunden umzusetzen ist, dürfte jedem klar sein. Zudem waren sich beide Seiten darüber einig, dass die Pfosten-Lösung das größere Übel wäre. Meiner Meinung nach wäre hier ein Konzept verändert worden, dass bis auf drei Stunden in der Woche absolut reibungslos läuft.“

Nach einem weiteren Treffen des WFV-Vorstands und ein paar Mitgliedern habe der WFV nach Rücksprache mit den betroffenen Gewerbetreibenden folgenden Kompromiss vorgeschlagen:

1. Sperrung der Hofstatt am Samstag von 12 bis 24 Uhr: „Nur samstags, weil zwischen 11 und 14 Uhr die einzig hochfrequentierte Zeit mit Fußgängern und gleichzeitig Verkehr ist. Um 12 Uhr sind in der Regel Paketdienste und sonstige Lieferfahrzeuge durch. Außerdem kann sich jeder gerne mal mit den Gemüsehändlern auf dem Bauernmarkt unterhalten, was die von einer Durchfahrtssperre ab 9 Uhr halten würden“, so Klobeck weiter.

„Zugleich hätte der WFV den musikalischen Samstag im kommenden Jahr zeitlich ein wenig nach hinten verlegt damit es nur eine Stunde die Überschneidung mit Musik und Verkehr gibt.“ Eine Sperrung am Sonntag sehe er als nicht notwendig an, „weil an diesem Tag sowieso so gut wie kein Auto durchfährt – außer vormittags die der Gottesdienstbesucher“.

2. Umkehr der Einbahnregelung Gerbelgasse: Damit in dieser Zeit Anwohner und Bürger, die auf das Fahrzeug angewiesen sind, noch in die Nähe von ihrer Wohnung, kommen können.

3. Kurzzeitparkplätze in der Ledererzeile, Färbergasse: Damit man vielleicht auf das Reinfahren in die Hofstatt verzichtet.

Klobeck: „Der Vorschlag wäre für eine Testphase von zum Beispiel sechs Monaten gewesen. Dieser Kompromiss wurde vom WFV eingereicht, da die Gegenseite mit dem Vorschlag einverstanden war und diesen sogar selbst unterzeichnete. Warum diese Befürwortung per Mail an den Bürgermeister nochmal zurückgezogen wurde, entzieht sich meiner Kenntnis.“

Der Unternehmer weiter: „Warum von Seiten des Stadtrats dann Vorwürfe wie Erpressung, Blockierer, Pipifax-Vorschlag kommen, kann ich nicht nachvollziehen. Es hatte keinen taktischen Hintergrund, weshalb das Schreiben erst am Montag vor der Sitzung am Donnerstag zugestellt wurde. Scheinbar sind vier Tage Vorlauf für einen Teil des Stadtrates zu wenig.

Wie oben erklärt, muss man einen Kompromiss erst ausarbeiten, dass so etwas drei Wochen dauern kann, ist, denke ich, ganz normal. Zudem wurde einigen Stadträten, die man auf der Straße traf oder die man näher kennt, bereits eine Woche vorher über den Kompromiss informiert. Weshalb dies in der Sitzung nicht erwähnt wurde, verstehe ich auch nicht.“

 

Klobeck weiter: „Weiter möchte ich noch auf die von Frau Jokisch angesprochene Situation in Murnau eingehen. Ich weiß nicht ob Frau Jokisch jemals im Murnau war, die Situation von Murnau und Wasserburg kann man in keiner Weise vergleichen. Es gibt eine gut funktionierende Fußgängerzone, das ist richtig.

Hierbei ist der alles entscheidende Faktor aber, dass Kunden und Betreiber quasi jedes Geschäft von der Rückseite mit dem Pkw erreichen können. Das größte Geschäft ,Mode Echter‘ hat auf der Rückseite einen kundeneigenen Parkplatz mit zirka 45 Stellplätzen. Ein Blick auf Google Maps erklärt die Situation. Lieferverkehr und Kunden erreichen die Geschäfte von der Rückseite, inwieweit das in Wasserburg möglich sein soll würde mich interessieren.“

 

Der Unternehmer: „Aufgrund der ehrenamtlichen Aktivitäten des WFV ( Frühlingsfest, Wasserburg Gutscheine, musikalischer Samstag, Christkindlmarkt, Eislaufbahn, Weinfest) möchte ich als aktives Fördermitglied, das nicht im Vorstand sitzt, den ein oder anderen Stadtrat fragen, ob er Angesicht der zweistündigen Attacke nicht glaubt, sich ein wenig im Ton vergriffen zu haben. Ich kann mich als Mitglied nur beim Vorstand des WFV bedanken, dass sie die Interessen der Wasserburger Gewerbetreibenden und deren Angestellten vertreten. Zudem kann ich über das Verhalten einiger Räte nur den Kopf schütteln.“

 

„Abschließend noch eines. Es gibt meiner Ansicht nach kein Verkehrsproblem im Stadtkern von Wasserburg, lediglich drei Stunden am Samstag in der Hofstatt sind problematisch. Für diese drei Stunden ein funktionierendes System, wie es aktuell läuft, komplett umzukrempeln, wäre unverantwortlich.“

Lesen Sie auch:

Verkehr bleibt heißes Thema

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Leitfaden für die Veröffentlichung von Kommentaren

3 Kommentare zu “„Kein Verständnis für Attacken“

  1. Bravo Herr Klobeck!
    Vielleicht ist es ja Zeit, an unserem – bis auf wenige Ausnahmen – veraltetem Stadtrat mal was zu ändern.

    Die nächste Wahl wird’s zeigen.

    215

    24
    Antworten
  2. Das Problem sind eben nicht nur ein paar Stunden. Dann wär das Problem ja auch gelöst. Und das die Umkehr der Einbahnstraße in der Gerbelgasse keine Option ist wurde schon oft genug dargelegt. Mit der Pfostenlösung allerdings würde nach wie vor jedes Haus zu jeder Zeit ereichbar bleiben, nur würden halt nur noch die reinfahren, die wirklich rein müssen.

    31

    185
    Antworten
  3. @ Christoph. Klobeck: “Daumen hoch” für Ihr Fazit, dass es schwer nachzuvollziehen wäre, das aktuelle, weitgehend funktionierende System, komplett umzukrempeln.
    @ Korbiniam Weyh: Haben Sie immer noch nicht begriffen, dass die sog. “Pfostenlösung” mangels Wendemöglichkeiten nicht funktioniert. Es wurde hier ausführlich darüber berichtet und anhand einer Fotoserie gezeigt, dass der Platz nicht reicht!

    168

    19
    Antworten