Kein neuer Stoff, keine Noten – keine Panik!

Wasserburger Schulleiter: „Schule daheim“ dient lediglich zum Üben und soll Schülern Struktur geben

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Noch ist es ungewiss, wann der reguläre Unterricht in den Schulen wieder aufgenommen wird. Hoch schlugen deshalb die Wogen bei besorgten Eltern, die sich in ihrer Rolle als „Ersatzlehrer“ und aufgrund der vielen Angebote überfordert sahen. Die Leiter der Wasserburger Real- und Grundschule geben jetzt Entwarnung. „Unser Angebot dient dazu, den bisherigen Stoff zu verfestigen und das Lernverhalten der Schüler sozusagen auf Betriebstemperatur zu halten“, erklärt Markus Hösl-Liebig, Direktor der Anton-Heilingbrunner-Realschule, „es sollen keine neuen Lerninhalte vermittelt werden.“

Er bezieht sich dabei auf die Startseite des Internetauftritts seiner Schule, auf der für jede der 39 Klassen verschiedene Materialien hinterlegt sind. Dort finden sich auf PDFs oder unter Verlinkungen Arbeitsaufträge, Informationen und Aufgaben, die von der jeweiligen Lehrkraft eng betreut werden und in Tages- und Wochenplänen unterteilt sind. Dabei handelt es sich keineswegs nur um konventionellen Lernstoff. Auch Vorschläge wie etwa „so lernst du jonglieren“ sind zu finden.

Der Schulleiter habe vollstes Verständnis, wenn Eltern überfordert seien und äußern, dass „Schule daheim“ zu kompliziert sei. „Aber unser Angebot reicht vollkommen“, so der Schulleiter. Weitergehende Lernplattformen dienten nur zur zusätzlichen Information: „Die Eltern müssen nicht auf verschiedenen Internetseiten unterwegs sein.“

Die Lehrer stehen zudem in engem Austausch mit den rund 1.000 Schülern, auch jetzt in den Osterferien. „Es ist uns klar, dass die Eltern die Lehrer nicht ersetzen können und sollen“, betont Hösl-Liebig. Sie sollten allerdings darauf achten, dass ihre Kinder zirka von 9 bis 12 Uhr konzentriert arbeiten können. Es sei darauf zu achten, dass eine Atmosphäre geschaffen werde, in der weder Radio noch Fernseher oder andere Medien die Schüler ablenken. So soll eine schulähnliche Struktur erhalten bleiben. Sobald der Präsenzunterricht wieder beginnt, soll das online gelernte dann verfestigt werden.

Obligatorisch für alle Schüler ist ein Lerntagebuch, dass dann von den Lehrern eingesehen wird, damit die Pädagogen erkennen, womit sich die Kinder und Jugendlichen beschäftigt und ob sie die Inhalte verstanden haben.

Ganz wichtig: Die Arbeiten werden nicht benotet. Wie in Zukunft, wenn die Schulen wieder geöffnet sind, die Leistungen gewertet werden, entscheide das Staatsministerium für Unterricht und Kultus, das eine Regelung für ganz Bayern festlegt.

„Wir warten auf Anweisungen“, so Hösl-Liebig, „auch, ob wir die Termine so halten können.“. Das spiele vor allem für die zehnten Klassen eine Rolle, die sich mit entsprechenden Aufgaben jetzt schon auf den Schulabschluss vorbereiten können.

Auch die Lehrer der Wasserburger Grundschule stehen mit den Eltern der 260 Schüler in Kontakt, bestätigt Rektorin Sabine Obermaier-Tanner. Damit die Kinder üben können, gibt es für jede einzelne Klasse auf der Internetseite einen Wochenplan. „Dieser Plan bildet ein Grundgerüst“, sagt die Rektorin, „jeder kann sich was aussuchen, es muss nichts ausgedruckt werden.“ Die Online-Lerninhalte werden auch hier nicht benotet. „wenn der Unterricht dann wieder weiter geht, machen wir einfach dort weiter, wo wir aufgehört haben“, beruhigt die Rektorin.

Falls die Schulschließungen noch andauerten, zählen vor allem für Abschlussklassen die Noten, die bis zur Einstellung des Unterrichts erzielt wurden.

CF

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2 Kommentare zu “Kein neuer Stoff, keine Noten – keine Panik!

  1. Vielleicht könnte das bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus die aktuelle Situation als Gelegenheit zu nutzen, mal zu hinterfragen ob es zukünftig nicht besser wäre, vor allem den Schülern der Mittelstufe dieses unnütze Stoff-Hineinpressen zu ersparen.
    Viele kennen das sicher noch aus der eigenen Schulzeit und können im Nachhinein bestätigen, dass nur Übung den Meister macht und man sich besser aufs Wesentliche wie beispielsweise den nicht unerheblichen Dreisatz o.Ä. konzentrieren sollte, den nachwievor nur die wenigsten Schulabgänger beherrschen.
    – Unterrichtsstoff deutlich entschlacken, Transfer von Wissen in den Alltag, Ernährungskunde forcieren, mehr Sport an den Schulen, Schaffung von mehr Freizeit für die Schüler um das Gelernte besser verarbeiten und festigen zu können – das wären sinnvolle Maßnahmen für die Zeit nach COVID-19!

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  2. Ich habe Hoffnung in eine nachhaltige Veränderung. Lernen soll jeder in seinem eigenen Tempo zu Hause mit Lehrvideos und Bücher. In die Schule geht man zum Üben und Nachfragen. Das würde die wirklich interessierten Talente weit voranbringen und den anderen ist es eh egal.

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