Kein Interesse an Stadtentwicklung?

Nur 20 Wasserburger bei öffentlichem ISEK-Vortrag im Rathaussaal

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Sind die Wasserburger wirklich so zufrieden mit ihrer Stadt? Diese Frage muss man sich stellen, wenn man den Besuch beim gestrigen Informationsabend im Rathaussaal zum „Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzept“ (ISEK) unter die Lupe nimmt. Rechnet man Mandatsträger und Verantwortliche ab, waren es wohl nicht mehr als 20 Wasserburger, die sich für die Stadtentwicklung interessierten. Die Referenten ließen sich davon nicht irritieren und sprachen in ihrem Vortrag über Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten für Wasserburg.

Die Arc-Architekten Dr. Robert Leiner und Michael Leidl wiederholten viele Infos aus den zwei vorausgehenden Informationsveranstaltungen vom Oktober 2016 und Juni 2017. Von einigen der Besucher hörte man am Rande der Veranstaltung durchaus leise Kritik – man hätte sich mehr konkrete Ergebnisse erwartet.

 

Lange und ernsthaft hatte man in der Lenkungsgruppe alleine um eine Positionierung für die Stadt gerungen. Das Fazit der Experten: Alleinstellungsmerkmal ist vor allem die historische Altstadt als Kulturstadt. Wasserburg will sich im Außenauftritt auch als lebendige, offene, zukunftsorientierte Stadt zeigen, die Entscheidungen im Hinblick auf Nachhaltigkeit treffen will und sich um ökologische wie ökonomische Belange gleichermaßen kümmert. Sie ist eine Schul- und Sportstadt, die sich als Treffpunkt der Region versteht. Keinesfalls ist sie nur eine Schlafstadt, sondern auch ein attraktiver Arbeitsplatzstandort.

 

Die Architekten weiter:  „Der Wirtschaftsstandort braucht vor allem qualifizierte Fachkräfte für die ansässigen Betriebe.“ Um die müsse man in Zukunft werben und dafür brauche man ausreichend attraktiven Wohnraum und gute Freizeitmöglichkeiten sowie Schulen vor Ort. Existenzgründer sollten von Seiten der Stadt gefördert und unterstützt werden.

 

Beim Wohnungsbau solle man vor allem auf eine „ressourcenschonende Entwicklung mit Nachverdichtung“ setzen, da Wasserburg durch den Inn und die Umlandgemeinden nur sehr begrenzt Flächen zur Verfügung hätten, so die Experten. Aktuell zur Verfügung steht vor allem das Gelände der aufgegebenen Essigfabrik und in naher Zukunft vielleicht auch das dem Landkreis gehörende Areal des jetzigen Kreiskrankenhauses – sobald die Romed-Klinik umgezogen ist. Durch erweitertes Baurecht in bestehenden Quartieren könnten auch Anreize für die Eigentümer auf Erweiterung des Wohnraumes und neue Wohnformen geschaffen werden.

 

„Die Altstadt hat ein Riesenpotential mit dem ehemaligen Salzstadel, der Polizeiinspektion am Kaspar-Aiblinger-Platz.“ Der könne zum Bürgertreff oder zum  Kulturzentrum umgebaut werden. Man hätte zudem die Möglichkeit, eine entsprechend schöne Freifläche davor zu gestalten. Auch Herrengasse, Palmanostraße und Heisererplatz sollten von Verbesserungsmaßnahmen profitieren.

Den Einzelhandel in Wasserburg könne man durch aktive Vermarktung stärken, um die, nach Meinung der Fachleute, noch einzigartig gute Situation in Wasserburg zu erhalten. „Dafür wäre in Zukunft ein professionelles Stadtmarketing wünschenswert.“

 

Im Tourismus positioniert sich die Stadt nach Meinung der Experten als Ausflugsziel für das Umland und die Metropolregion München sowie den Chiemsee-Alpenland-Tourismus. „Dabei spielt der Tagestourismus weiterhin die größte Rolle. Die Themen Wasser und Burg sowie die lebendige Altstadt als Kulturstadt sollten mehr ins Bewusstsein gerückt und beworben werden.“

 

In Sachen Verkehr wurde darauf hingewiesen, dass die Ortsteile nicht nur durch Individualverkehr zu erreichen sein dürften. Der ÖPNV müsse deutlich gestärkt und der Radwegeausbau verbessert werden.

 

Reitmehring bescheinigen die Architekten ein deutliches Entwicklungspotential mit dem gut genutzten Bahnhof „und viel Grund und Boden, der für eine städtebauliche Entwicklung sehr geeignet wäre“. Dort brauche man aber jetzt vor allem eine geeignete Nahversorgung mit Lebensmitteln und eine gute Infrastruktur.

 

Im Anschluss an den Vortrag konnten die Bürger im Foyer des Rathauses im Gespräch mit den Architekten ihre Meinung einbringen. Bis Ende des Jahres sollten dann die Handlungsfelder für das ISEK weitestgehend abgeschlossen sein. Danach beginnt allerdings erst die Hauptaufgabe, mit der sicher nicht immer leichten Umsetzung der gemeinsam erarbeiteten Ziele. STÜ

 

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7 Gedanken zu „Kein Interesse an Stadtentwicklung?

  1. Ein Stadtentwicklungskonzept bringt am Ende nur etwas, wenn es dann auch tatsächlich bei allen beinhalteten Punkten umfassend umgesetzt wird. Definitiv müssen noch mehr Bereiche der Altstadt meiner Meinung nach in Zukunft ansprechender gestaltet werden – z.B. in dem man Parkplätze für Fußgänger und Radfahrer umwidmet (Mensch vor PKW). Das bringt mehr Lebensqualität für die Anwohner und wäre echte Zukunftsentwicklung.

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    1. einer der schon länger

      Wer die WS die letzten Tage aufmerksam gelesen hat, erfuhr so einiges über die reale Stadtentwicklung.

      An einem Nachmittag intensiver, eigentlich normaler Polizeiarbeit, weil mal vorübergehend ausreichend Beamte verfügbar waren:
      13 Festnahmen – mind. 6 Polizeibeamte, um einen „Familienstreit“ zu schlichten – und dann noch, ein fast tot geschlagener Mitbürger, abends um 19h auf offener Strasse……

      Und da beauftragt ihr Städteplaner und Architekten und macht euch Gedanken, dass Rad- und Fusswege mehr Lebensqualität bringen könnten usw.
      Ist das nur Realsatire oder schon Zynismus ?

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      1. Es geht im obigen Artikel eindeutig um die für unsere Stadt wichtigen Themen/Inhalte des Entwicklungskonzepts. Hier sind wir alle aufgerufen, uns aktiv und konstruktiv zu beteiligen. Rechte Hetze und Sarkasmus sind daher an dieser Stelle – wie leider so oft in den Kommentarforen – völlig deplatziert und definitiv nicht zielführend!

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        1. Noch klarer Denker

          Ich hab die Kommentare jetzt ein paar mal durchgelesen aber ich find sie nicht …die angebliche rechte Hetze von der Sie schreiben…?!

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    2. Ich finde solche Veranstaltungen sehr gut, leider hatte ich gestern keine Zeit.
      Wobei bei einer der letzten Veranstaltungen z.B. die kostenlosen Parkhäuser sehr positiv von den Fachleuten bewertet wurden.
      Das hat den Stadtrat aber nicht gehindert die Gebühren für 2018 einzuführen…

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  2. Wolfgang Smasal

    Vielleicht kam einfach auch keiner weil die Leute dachten ein Ziel des ISEK, die autofreie Altstadt wäre schon umgesetzt und um mit dem Radl reinzufahren wars einfach schon zu kalt?

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    1. Wasserburg macht soviel unüberlegte, sinnlose Dinge. Solche Abende kann man anders nutzen!

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