Jugend in die Politik

Stadt prüft die Einrichtung eines Jugendparlaments – Junge Menschen sollen befragt werden

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Wie beteiligt man Jugendliche und Kinder an der Politik? Nach den Vorstellungen der Grünen könnte ein Jugendparlament in Wasserburg dazu dienen, wozu ein entsprechender Antrag dem Hauptausschuss vorgelegt wurde. Keine ganz einfache Sache, wie der Kreisjugendring Rosenheim oder die Jugendreferentin Wasserburgs es sehen.

„Die Politikverdrossenheit nimmt zu“, begründete Steffi König (Grüne) den Antrag ihrer Fraktion. Abhilfe könnten Kinder- und Jugendgremien schaffen, „von denen es in Bayern rund 70 gibt.“ Mit mehr oder weniger Erfolg: Das Jugendparlament der Stadt Erding beispielsweise ist vor zwei Jahren gescheitert. Auch habe eine Umfrage der Stadtverwaltung beim Landkreis und bei der Stadt Traunstein (wo es ebenfalls ein Gremium dieser Art gibt) ergeben, dass das Engagement der jungen Menschen personen- und zeitabhängig ist und daher sehr unterschiedlich ausfällt. Darüber hinaus sei die Betreuung recht zeitintensiv.

 

Jörg Giesler, Geschäftsführer vom Kreisjugendring Rosenheim, ist skeptisch. So betrachte der KJR die Einrichtung eines Jugendparlamentes als keine geeignete und vor allem langfristige Methode der Teilhabe von jungen Menschen. „Man kann den Jugendlichen seitens der Erwachsenen nichts vorschreiben“, so Giesler in seiner Stellungnahme gegenüber der Stadt. Ein Problem sei auch, dass die jungen Menschen über einen längeren Zeitraum dabei bleiben. „Das ist sehr zeitintensiv“, so Giesler. Stattdessen sollte mit den Jugendlichen direkt gesprochen werden, welche Form der Beteiligung sinnvoll und geeignet sei.

 

Ähnlich kritisch äußerte sich Irene Langer, Jugendreferentin des Stadtrates: „Man kann Jugendlichen ein Parlament nicht überstülpen.“ Die Verantwortlichen des Wasserburger Jugendzentrum „Innsekt“ teilten Langer zwar mit, dass sie ein Jugendparlament zwar interessant betrachten, aber aufgrund mangelnder Manpower keine Unterstützung anbieten könnten.

 

Das Problem, jungen Menschen zu begeistern, sieht auch Heike Maas (CSU): „Bei Bürgerversammlungen sind nie Jugendliche dabei.“ Sie schlug deshalb vor eine Jugendbürgerversammlung abzuhalten, um zu sehen, wie groß die Akzeptanz ist. Edith Stürmlinger (Bürgerforum) begrüßte grundsätzlich den Antrag: „Es ist uns bei der letzten Wahl wieder nicht gelungen, den Stadtrat zu verjüngen.“ Sie hoffe deshalb, dass es gelingt, ein Jugendparlament einzurichten.

 

Dafür sollte das Jugendzentrum mit im Boot sein, wünscht sich Bürgermeister Michael Kölbl, „wobei auch das JUZ nur einen kleinen Teil der Jugendlichen erreicht.“ Für ein Jugendparlament müsse geworben werden, forderte die Antragstellerin. „Die jungen Menschen müssen unter sich sein, ohne erwachsene Aufsicht“, so Steffi König. „Und es muss ernstgenommen werden, wenn so etwas zustande kommt“, fügte Werner Gartner (SPD) hinzu , der sich ebenfalls für den Vorschlag begeistern konnte.

Allerdings: Man müsse herausfinden, wie viele Jugendliche sich genauso begeistern lassen. Der Hauptausschuss beschloss deshalb einstimmig per Anschreiben an die Schulen, in den Medien oder auf Jugendversammlungen abzufragen, ob Interesse an einem Jugendparlament oder an einer anderen Form der Politikbeteiligung besteht. In der Abfrage sei klar zum Ausdruck zu bringen, dass von den Interessent eine nicht unerhebliche Einsatzbereitschaft, Durchhaltevermögen und zeitintensives Arbeiten erwartet wird.

CF

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