John Cater darf nicht auf CSU-Liste

Erstes Wasserburger Brexit-Opfer - Gebürtiger Engländer seit 27 Jahren in der Stadt

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„Das ich nicht kandidieren darf, das ist nicht so schlimm. Wir haben bei der CSU viele gute Kandidaten. Aber, dass ich mein Kreuz nicht machen darf, das trifft mich hart.” Der bekannte Fotograf John Cater (54), er hat mittlerweile in der Stadt schon Kultstatus, ist das erste Brexit-Opfer. Vorgestern teilte das Landratsamt der Stadt mit, dass der gebürtige Engländer wegen des EU-Austritts seines Heimatlandes nicht zur Kommunalwahl am 15. März antreten darf. Er stand auf der CSU-Liste auf Platz 21.

„Da bist du 27 Jahre in Deutschland, fühlst Dich durch und durch als Wasserburger – und dann das. Ich bin sehr enttäuscht. In erster Linie von der unsäglichen Brexit-Entscheidung in meinem Geburtsland, aber auch von der deutschen Bürokratie, die wieder einmal alles sehr genau nimmt. Ich bin Wasserburger und Mensch und mag das Wort Brite gar nicht.”

Auch Wasserburgs CSU-Vorsitzender Wolfgang Schmid fiel vorgestern aus allen Wolken, als er die offizielle Mitteilung bekam: „Das ist wirklich sehr schade. Der John wäre ein echtes Zugpferd gewesen.”

Man habe von Seiten der CSU noch geprüft, ob eine Einbürgerung John Caters möglich sei. „Er ist doch schon viel mehr Wasserburger als Engländer. Wir mussten aber leider feststellen, dass das Einbürgerungsverfahren viel zu lange dauern würde. Für die Wahl wird das nichts mehr.”

„Wir haben zwar drei wirklich hervorragende Ersatzkandidaten, von denen jetzt Martin Rahm nachrückt“, kommentiert die Listenführerin und CSU-Bürgermeisterkandidatin Heike Maas die Situation, „aber das ist schon echt ärgerlich, nicht zuletzt weil ich John auch persönlich sehr schätze. Außerdem kommt das äußerst kurzfristig, bereits fertige Drucksachen müssen zum Bespiel neu erstellt werden. Wir haben bei der Zusammenstellung der Kandidaten sehr viel Wert darauf gelegt, Erfahrungen aus unterschiedlichen Kulturkreisen, die Wasserburg mit prägen, in unserem Wahlvorschlag widerzuspiegeln. Wir empfinden es alle als große Bereicherung, dass sich Frauen und Männer mit rumänischer, russischer, italienischer und eben britischer Abstammung bereit erklärt haben, für die CSU in Wasserburg anzutreten. Da sind wir nun um eine Facette ärmer geworden, wenngleich uns John natürlich auch ohne Wahlrecht weiterhin unterstützt.“

Für John Cater rückt jetzt Martin Rahm in der CSU-Liste nach. Er kommt auf Listenplatz 24. Und die Kandidaten von ehemals Platz 24, 23 und 22 rücken einen Platz weiter nach oben.

 

 

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14 Kommentare zu “John Cater darf nicht auf CSU-Liste

  1. Das Werk der Populisten

    Das böse Erwachen nach dem vollzogenen Brexit – insbesondere in Großbritannien – wird erst in den kommenden Jahren kommen. Aber dann ist es halt zu spät! Und die Schotten werden für ihren Austritt aus dem vereinigten Königreich wohl eine Mehrheit zusammenbekommen.

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  2. Die Dramatik kann ich ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen: Aktives und passives Kommunalwahlrecht haben nun mal in der EU nur EU-Bürger. Briten sind ab dem 31. Januar keine EU-Bürger mehr.

    So hat es die Mehrheit der britischen Bürger nun mal entschieden – so bescheuert das auch ist.

    Das hätte der CSU Wasserburg wohl auch bekannt sein können und müssen.

    Was das mit einer angeblich übergenauen, deutschen Bürokratie zu tun haben soll, weiß ich nicht so recht.
    Großbritannien hat sich für den Brexit entschieden, nicht Deutschland.
    Die Wahlbehörde hat nicht anders entscheiden können.

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    1. Sven-Michael Karthäuser

      Sie lieben es jawohl dramatisch. Es geht um den Einsatz den jemand bringen möchte, egal welcher Herkunft. Wie sieht es mit Ihrem ehrenamtlichen Engagement für unsere schöne Stadt aus?

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      1. Was ist denn daran “dramatisch”? Es ist die schlichte Darstellung der Tatsachen. Ich stelle mir gerade vor was hier los wäre, wenn sich nicht an bestehende Regeln gehalten würde …

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      2. Keine Sorge, Herr Karthäuser. Mein ehrenamtliches Engagement für die Stadt Wasserburg ist durchaus ausreichend.

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  3. Auch ich sehe hier keine Dramatik. Wenn die einbürgerung erfolgt ist kann er ja gerne bei der nächsten Wahl kandidieren.

    Und ob es den Briten nach dem Austritt aus der EU schlechter geht bleibt abzuwarten.
    Sie werden ihr Commonwealth mehr aktivieren und viele Länder warten schon darauf mir den Engländern Handelsabkommen zu schließen.

    Ich bin überzeugt, wenn es den Engländern in 5 Jahren gleich gut oder gar besser geht, dann wird Italien folgen. Dann ist die EU so wie sie jetzt gestaltet ist am Ende. Ein Schritt zurück in die europäische Wirtschaftsgemeinschaft wäre dann wohl der sinnvollste Schritt.

    Ist ja auch kein Drama, Deutschland ging es in der D-Mark Zeit auch sehr gut ! Vielleicht sogar besser.

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  4. Seit 2016 ist der Brexit im Gange. Das war jetzt keine böse Überraschung

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    1. Eben! Die Einbürgerung hätte er schon längst machen können. Dies habe ich 2019 selbst gemacht – war kein Problem.

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  5. Eigentlich gibt es eine Übergangsfrist nach der Briten erst einmal mindestens bis zum Jahresende 2020 weiter wie EU-Bürger behandelt werden, um noch Verhandlungsspielräume zwischen EU und GB für die weiteren Beziehungen zu ermöglichen. Davon ist aber das Kommunalwahlrecht ausgenommen, was erst letzte Woche vom Innenministerium festgestellt und an die Landratsämter mitgeteilt wurde und dann noch ein bisschen gebraucht hat, bis es uns erreicht hat.

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    1. Umso mehr könnte sich die CSU auf Länder, Bundes und Europa Ebene dafür einsetzen, dass auch nicht EU Bürger*innen, die in den Kommunen seit längerer Zeit ihr Leben verwirklichen ein Stimmrecht wenigstens zu den Kommunalwahlen in Anspruch nehmen dürfen. Die bestrebungen in diese Richtung halten sich, kleiner Scherz am rande, in Grenzen. Und ich möchte nur sehr ungern auf einen bayrischen CSU Bürgermeisterkandidaten mit muslimischen Hintergrund verweisen, den die eigene Partei aufgrund der Glaubensfrage verhinderte. Ging ja unlängst durch die Presse.

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  6. @Christian: Und das hat jetzt was mit der CSU-Stadtratsliste in Wasserburg und John zu tun? Wir sind nicht der CSU OV in Wallerstein und ganz abgesehen davon wurde in Neufahrn der Muslim Ozan Iyibas einstimmig zum Bürgermeisterkandidaten der CSU nominiert.

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  7. Irgendwie verstehe ich das Problem nicht. Der Herr kann doch die deutsche Staatsbürgerschaft erwerben und schon ist er wieder mit dabei…

    Anmerkung der Redaktion: Ja, aber nicht bis zum Wahltermin am 15. März – das steht auch im Text!

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  8. Sven-Michael Karthäuser

    Ich finde es echt schade, das Du nicht mitmachen darfst. Ein bayerischer Pass ist wohl die einzige Lösung.

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  9. Was spricht dagegen, deutscher Staatsbürger zu werden, wenn man seit 27 Jahren hier lebt und arbeitet?

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