Johanniter helfen Menschen in Not

Wohin der Johanniter-Weihnachtstrucker heuer fährt – und warum ...

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„Die ganz normalen Arbeiter verdienen oft nur einen Bruchteil des bei uns üblichen Lohns, manchmal nur 130 Euro, dabei sind die Lebensmittel ähnlich teuer wie in Deutschland.“ Aussagen wie diese hört man häufig, wenn man mit Helfern des Johanniter-Weihnachtstruckers spricht. Egal, ob diese in Albanien, Bosnien oder Rumänien im Einsatz waren. „Die Not besteht weiter, ganz nah vor unserer Tür, mitten in Europa. Da können wir einfach nicht wegsehen“, erklärt Sven Aschenbrenner, lokaler Weihnachtstrucker-Koordinator bei den Johannitern in Wasserburg, das seit nunmehr 24 Jahren anhaltende Engagement der Johanniter-Weihnachtstrucker.

Auch in diesem Jahr sammeln die Johanniter-Weihnachtstrucker wieder Hilfspakete mit Grundnahrungsmitteln, Hygieneartikeln und einem kleinen Geschenk für Kinder, um sie zu notleidenden Menschen nach Albanien, Bosnien-Herzegowina und Rumänien zu bringen. Die Gründe hierfür liegen für diejenigen, die die Zustände vor Ort selbst gesehen haben, auf der Hand.

Albanien etwa zählt nach wie vor zu den ärmsten Länder Europas. Der kleine Balkanstaat steckt nach wie vor im Umbruch von der sozialistischen Planwirtschaft zur Marktwirtschaft. Die Arbeitslosenquote beträgt rund 15 Prozent. Die meisten Menschen leben mehr schlecht als recht vom Ackerbau. Viele Familien leiden unter Armut und gerade in den harten Wintern bisweilen unter Hunger. Daniela Benkert und Christian Stögbauer sind Johanniter-Ehrenamtliche aus Schwaben. Sie leiteten letztes Jahr den Konvoi nach Albanien und sagen: „Die notleidenden Minderheiten sind chancenlos, weil sie einfach keine Lobby haben. Das ist erschütternd und umso wichtiger sind Lichtblicke, wie sie von der Hilfe der Johanniter-Weihnachtstrucker ausgehen.“

Das sieht auch Johanniter-Helfer Markus Kristen so. Er leitete im Vorjahr zusammen mit Stefan Reitsam den Konvoi nach Bosnien-Herzegowina. „Wir haben mit Menschen gesprochen, die von 130 Euro im Monat leben müssen – und das bei Lebenshaltungskosten von 900 Euro“, berichtet er. „Da sind die Pakete eine Hilfe, um etwas Geld für andere wesentliche Dinge zur Verfügung zu haben.“

In Rumänien fahren die Johanniter-Weihnachtstrucker rund 200 Verteilstationen, überwiegend Schulen, an. Im vergangenen Jahr wurden so über 19.000 Päckchen in den Norden und weitere 15.600 Päckchen ins Zentrum des Landes gebracht. „In Rumänien herrscht ein krasses Missverhältnis zwischen einer kleinen, sehr reichen Oberschicht und einer großen Unterschicht; dazwischen gibt es nichts“, erklärt Lorand Szüszner, langjähriger Leiter des Konvois nach Rumänien. „Die Lebensumstände vieler Menschen sind, man kann es nicht anders sagen, absolut katastrophal. In manchen Bergdörfern herrschen Zustände wie bei uns vor 200 Jahren.“

Ein weiteres Problem spricht Manfred Emmerling an, der gemeinsam mit Christoph Fleschutz für die Verteilaktion in Zentral-Rumänien verantwortlich zeichnete: „In Rumänien wird oft von Saison-Waisen berichtet. Da es in einigen Regionen kaum Arbeit gibt, gehen viele Eltern für Wochen oder Monate ins benachbarte Ausland, um dort etwa als Erntehelfer zu arbeiten. Nicht immer sind Großeltern in der Nähe, die die zurückgelassenen Kinder unterstützen. Viele von ihnen sind ganz auf sich allein gestellt und müssen irgendwie sehen, wie sie sich selbst versorgen“, berichtet er erschüttert. Auch ihnen versuchen die Johanniter mit der Aktion zu helfen.

„Wir werden immer wieder gefragt, warum wir denn Menschen in Südosteuropa helfen, wo es doch auch hierzulande genügend Menschen gibt, die Hilfe benötigen“, greift Miriam Wolf, Projektleitung der Aktion Johanniter-Weihnachtstrucker, eine häufig gestellte Frage auf. Sie sagt: „Das ist uns selbstverständlich bewusst. Wir Johanniter engagieren uns ja nicht nur beim Johanniter-Weihnachtstrucker, vielmehr bieten wir in ganz Deutschland zahlreiche Dienste, Einrichtungen und Angebote für unterschiedlichste Zielgruppen an“, gibt sie zu bedenken. „Wir meinen, keine Gruppe hilfebedürftiger Menschen sollte hier gegen die andere ausgespielt werden.“

Der Johanniter-Weihnachtstrucker läuft in diesem Jahr vom 25. November bis 15. Dezember. In diesem Zeitraum sind Schulen, Kindergärten, Vereine und Firmen sowie Privatleute dazu aufgerufen, Pakete mit Grundnahrungsmitteln und Hygieneartikeln gemäß einer Packliste zu packen und in den Dienststellen der Johanniter abzugeben. In Bayern können die Pakete zudem in allen Filialen des Lebensmitteldiscounters Lidl abgegeben werden. Die Pakete werden zwischen Weihnachten und Silvester von ehrenamtlichen Fahrern und Helfern in die Zielländer gebracht und dort möglichst persönlich an die Menschen verteilt.

Nicht nur mit Päckchen, auch mit Spenden kann man den Weihnachtstruckern unter die Arme greifen und den Transport der Pakete und die Koordination des Projektes unterstützen – über die Internetseite der Aktion, an den jeweiligen Abgabestellen oder direkt über folgendes Konto: Johanniter-Unfall-Hilfe e.V.; IBAN: DE89 3702 0500 0004 3030 02; BIC: BFSWDE33XXX; Stichwort: Weihnachtstrucker.

Weitere Spendenmöglichkeiten sowie Informationen zur nächstgelegenen Sammelstelle gibt es im Internet unter www.johanniter.de/weihnachtstrucker.

 

Die Packliste: 1 Geschenk für Kinder (Malbuch oder -block, Malstifte), 3 kg Zucker, 3 kg Mehl, 1 kg Reis, 1 kg Nudeln, 1 Liter Speiseöl in Plastikflaschen, 3 Packungen Multivitamin-Brausetabletten, 3 Packungen Kekse, 5 Tafeln Schokolade, 500 g Kakaogetränkepulver, 2 Duschgel, 1 Handcreme, 2 Zahnbürsten und 2 Tuben Zahnpasta.

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