Jetzt kommt die Motorsäge

Es ist die längste Baumallee im Wasserburger Stadtgebiet: Die Bahnhofstraße in Reitmehring. Gut 60 Eschen, die vor über 100 Jahren dort gepflanzt wurden, säumen auf zirka einem Kilometer Länge die Fahrbahn. Damit ist es vorbei: Denn das Eschensterben hat auch dort die Bäume ergriffen, die in absehbarer Zeit weichen müssen, aber damit Platz für Neuanpflanzungen machen werden.

Der Name des Pilzes klingt harmlos, doch für die Esche bedeutet das „Kleine Stengelbecherchen” das Aus. Erste Anzeichen sind die gelichteten Kronen – und die sind in der Bahnhofstraße deutlich sichtbar. Vom Ernst der Lage konnte sich gestern der Umweltausschuß der Stadt bei einer Ortsbegehung ein Bild machen. „Wir schneiden pro Jahr drei bis viermal Totholz raus”, erklärte Alexander Murner, Leiter des Städtischen Bauhofes, „es wächst nichts mehr nach.” Murner prognostiziert deshalb, dass der Verfall rapide zunimmt.

Zusätzlich setze den Eschen auch noch der Hallimasch zu, ein Pilz, der den Wurzelteller angreift, wie Umweltreferent Lorenz Huber (Bürgerforum) verdeutlichte. „Beim nächsten Windstoß kann der Baum umfallen”, so Huber. „Es geht hier nicht mehr um ,ob'”, betonte denn auch Bürgermeister Michael Kölbl, „sondern, dass etwas passiert.” Auch, wenn es „ewig schade” sei, so die Mitglieder des Umweltausschusses unisono, werde ein Umbau damit alternativlos.

Der könne behutsam vorgenommen werden, sagte Bauhofleiter Murner. Etwa zehn bis 15 Bäume könnten neu angepflanzt werden, damit „der Eingriff nicht zu hart ausfällt.” Unterschiedlicher Meinung waren die Stadträte bei der Frage, ob die Allee einheitlich oder mit unterschiedlichen Bäumen bepflanzt werden soll und welche Baumart künftig an der Bahnhofstraße steht.

Andreas Wilhelm, Gärtner im Bauhof und geprüfter Natur- und Landschaftspfleger, schlug vor, sich auf zwei bis drei verschiedene Baumarten zu konzentrieren. Denkbar seien Winterlinde oder Bergahorn (Kölbl: „wunderschön im Herbst”). Diese könnten in Gruppen gepflanzt werden, damit eine Einheit entstehe – ähnlich der bisherigen Ansicht. Auch eine einzige Art sei denkbar – vorzugsweise „autochthon” (einheimisch). Denn zwar gibt es auch ausländische Eschen im Stadtgebiet, die noch gesund seien, aber ein Befall sei nicht auszuschließen. Unterschiedliche Bäume favorisierte auch Norbert Buortesch (Bürgerforum), um größere Schäden auszuschließen, falls eine Baumart in Zukunft wieder von einem Pilz angegriffen werde.

Vom Umweltausschuss erhielt Gärtner Wilhelm abschließend den Auftrag bis Oktober, wenn die nächste Baumprüfung ansteht, ein Konzept zu erstellen. Darin soll die „zwingende Notwendigkeit” des Umbaus festgeschrieben werden sowie eine Ausarbeitung der Neubepflanzung mit nur einer und mit drei bis vier verschiedenen Baumarten. Kölbl: „Wir geben keine Baumarten vor.” CF

 

Schlechtes Zeichen: Wenn die Krone sich lichtet, ist das Schicksal der Esche oftmals besiegelt