„Jetzt erfahren wir Wertschätzung”

Ab kommenden Montag dürfen die Wasserburger Friseure wieder öffnen - Ende einer Leidenszeit

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„Natürlich ist der wirtschaftliche Schaden groß. Aber die Seele leidet mindestens genau so. Es war echt hart, über Jahre liebgewonnene Kunden nicht mehr empfangen zu dürfen.” Sabine Fellner vom gleichnamigen Friseur-Salon am Weberzipfel in Wasserburg ist die Erleichterung ins Gesicht geschrieben. Am kommenden Montag dürfen sie und ihre Kollegen die Pforten wieder öffnen. Was sie derzeit besonders freut: „Während der mehrwöchigen Schließung haben wir etwas erfahren, was wir sonst im Alltag kaum spürten: Echte Wertschätzung.”

Es sei im Leben eben oft so, dass man erst dann merkt, wie sehr man etwas braucht, wenn es nicht mehr da ist. „Das tut schon gut, dass wir in den letzten Wochen sehr viel Zuspruch bekommen haben – auch wenn’s nur übers Telefon oder per Mail war.”

Der Neustart am 4. Mai wird übrigens nicht ganz einfach: „Wir haben uns an strenge Hygienemaßnahmen und Richtlinien zu halten.”  So habe man bereits einige Stühle aus dem Geschäft herausschaffen müssen, um den Mindestabstand zwischen zwei Kunden einhalten zu können. Auch dürften sich im Salon vorerst keine Begleitpersonen aufhalten. Die Warteplätze seien abgeschafft. „Auch kosmetische Behandlungen und Bartpflege bleiben uns noch untersagt.” Plexiglas an der Rezeption und Trennwände sowie Atemschutzmasken für die Angestellten seien selbstverständlich. „Außerdem müssen wir jedem Kunden vor dem Haarschnitt jetzt die Haare waschen.”

Insgesamt seien die Vorgaben und Regeln sehr umfangreich. „Das sind über sechs DIN A4-Seiten an Vorschriften. Aber lieber so, als gar nicht.” Was Sabine Fellner dennoch sehr bedauert: „Der enge Kontakt zu manchen Kunden muss jetzt erstmal unterbleiben. Eine Umarmung gibt’s gerade leider nicht. Das wird bei manchen Menschen, die schon Jahrzehnte zu uns kommen, nicht ganz einfach. Aber Zurückhaltung muss jetzt einfach sein.”

Fellner bittet um Verständnis, dass es kommende Woche zu Wartezeiten kommen kann.” Man könne jetzt leider nicht so viele Kunden gleichzeitig versorgen, wie zu normalen Zeiten. „Aber wir arbeiten das schon ab.” Sabine Fellner bittet um Geduld und rät von Selbstversuchen ab: „Das kann ins Auge gehen.”

Insgesamt sieht die Friseur-Meisterin in der Krise auch eine Chance: „Unser Berufsstand hatte jetzt jahrelang ein eher nicht so positives Image. Angeblich schlechte Bezahlung und harte Arbeitsbedingungen machten es uns nicht einfach, Nachwuchs zu bekommen. Dabei stimmt das längst nicht mehr. Wir üben einen tollen Beruf für die Menschen aus. Und das haben viele jetzt auch bemerkt.”

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