Insekten-Labyrinth nahe Klinik

Aktionswoche Artenvielfalt: Zu Gast auf einem Vogtareuther Beispiel-Betrieb - Energiepflanzenfeld

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Schon seit ein paar Jahren bemüht sich der Maschinenring Rosenheim um eine stärkere Verbesserung beim Einsatz von Energiepflanzen für den Natur- und Artenschutz. Letztlich auch für eine nutzvolle Verwertung in der Biogasanlage. Darauf, dass Artenvielfalt und Biogas keinen Widerspruch darstellen, machte der Fachverband Biogas gemeinsam mit dem Maschinenring Rosenheim und dem Bayerischen Bauernverband jetzt auf dem Energiepflanzenfeld von Milchviehbauer und Biogaserzeuger Hans Bürger-Schuster in Vogtareuth aufmerksam.

Der Vogtareuther Beispiel-Betrieb war aus verschiedenen Gründen für die öffentliche Präsentation geeignet – unter anderem wegen eines rund 3.000 qm großen Insekten-Labyrinths nahe des Klinik-Komplexes, das einen guten Lebensraum für Insekten und Wildtiere bietet.

„Insgesamt besteht das Feld aus 20 Komponenten, unter anderem aus Kulturhanf, Sonnenblumen, Luzerne und anderen Leguminosen, durch die Fläche wurden Wege gemäht, so dass das Labyrinth von Interessierten bewandert und besucht werden kann und geplant sind auch Führungen für Kindergartengruppen“, so Bauer Bürger-Schuster, der noch ergänzt, dass im Herbst das im Labyrinth Gewachsene in der Biogasanlage sinnvoll verwertet und zu Strom veredelt wird.

Biogasstrom ist ein wichtiger Bestandteil im Zuge der Energiewende und ist nicht mehr wegzudenken, wenn die Sonne nicht scheint oder der Wind nicht weht.

Hans Bürger-Schuster, der sich gleichzeitig als zweiter Bürgermeister engagiert, hat sich zusammen mit dem örtlichen Bauernverbandsobmann Hans Mayerhofer und weiteren Bauern von Vogtareuth und mit der Gemeinde Vogtareuth an der Blühstreifen-Aktion beteiligt.

„An verschiedenen Stellen wurden mehrjährige Blühstreifen an sogenannten Eh-Da-Flächen angelegt, hier braucht es Magerstandorte und viel Zeitaufwand“, so Mayerhofer. Eine weitere MR-Aktion ist –wie bereits berichtet- der Anbau der Durchwachsenen Silphie (silphium perfoliatum), diese Pflanze ist eine Dauer-Kultur und wird im ersten Jahr als Untersaat gemeinsam mit dem Mais ausgesät und kann anschließend ohne Weiteres 15 Jahre genutzt werden. Die Silphie blüht ab dem zweiten Jahr von Juni bis September und ist ein wahres Insektenparadies, verschönert ebenfalls das Landschaftsbild, ist eine alternative Energiepflanze und wird auch im Herbst zur Stromgewinnung in der Biogasanlage verwertet.

Auch die Jagdgenossenschaft macht in Vogtareuth mit:

Vorbildhaft ist in Vogtareuth, dass seit Jahren die Jagdgenossenschaft, bestehend aus Landwirten und Landbesitzern aus den Erlösen der Jagdpacht den Blühstreifen positiv gegenübersteht. Bauer Hans Mayerhofer legte die Blühstreifen zum wiederholten Male an. Zusätzlich wurden dieses Jahr durch den Maschinenring im Landkreis Rosenheim rund 45.000 qm angesät. An der Groß-Aktion beteiligen sich erfreulicherweise auch Kommunen, Gewerbebetriebe und Privatleute.

Nach den Präsentationen und Diskussionen beim Energiepflanzenfeld in Vogtareuth zog MR-Geschäftsführer Florian Hötzelsperger ein gemischtes Fazit mit den Worten: „Einerseits tragen viele Landwirte zum Erhalt der Artenvielfalt bei, allerdings wird vom MR und auch vom Bayerischen Bauernverband festgestellt, dass die bäuerliche Beteiligung und die Tendenz für Ökoleistungen vor dem Volksbegehren für Artenvielfalt 2019 deutlich höher war, weil sich jetzt einige Landwirte gekränkt und an den Pranger gestellt fühlen – und das ist schade“.

Nachdenklich stimmt auch, dass immer mehr Betriebe ihre Tore schließen, in Vogtareuth zum Beispiel hat sich die Zahl der aktiven Landwirte von etwa 80 vor zwanzig Jahren auf inzwischen weniger als 40 halbiert.

Ökoleistungen führen natürlich zu weniger Erträgen, haben Mehrkosten bei gleichen Erlösen und dennoch gibt es aus Überzeugung und in Eigeninitiative die Förderung von Artenvielfalt. Ein enger Dialog zwischen Landwirtschaft und Öffentlichkeit wird angestrebt.

Letztlich fasst Florian Hötzelsperger zusammen: „Die Zuversicht überwiegt, wir sind grundsätzlich auf dem richtigen Weg, jeder Einzelne kann selbst einen Teil zur Artenvielfalt beitragen, die Aktionen der Durchwachsenen Silphie und die Anlage von Blühstreifen werden wir fortführen, zudem streben wir an, die Anlagen von Hecken und andere Ökoleistungen in Zusammenarbeit mit dem Landschaftspflegeverband zu fördern“.

Ein zufriedenes Fazit zog bei dieser Zusammenkunft auch Dipl.-Wirt.-Ing. Susanne Jakschitz-Wild vom Fachverband Biogas, ihr Resümee: „Der Gedanke, dass Artenvielfalt und Biogas kein Widerspruch sind, wird weiterblühen“.

Fotos: Hötzelsperger

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2 Kommentare zu “Insekten-Labyrinth nahe Klinik

  1. Es ist schön, dass ein Umdenken stattfindet. Einzig die hochgelobte Silphie kann ich nur bedingt loben, wie jede andere Monokultur auch. Natürlich viel besser wie Mais, das ist keine Frage. Aber es fehlt leider dann wieder an Artenvielfalt. Diese braucht es aber dringend um das komplexe System von ineinandergreifenden Pflanzen, Insektenarten, Vögeln …… zu erhalten. So wie auch einzelne Inseln mit vielen Arten nicht wirklich helfen, wenn die nächste Insel zu weit weg ist. Und leider drängt die Zeit. Damit eine Art nicht ausstirbt müssen genügend Individuen da sein um die Genvielfalt zu gewährleisten. Weitergedacht heißt das einfach bitte zur Silphie noch andere Arten pflanzen und dieses Feld bitte bitte viele Jahre stehen lassen. Es dauert auch einige Zeit, bis sich Insektenarten ansiedeln. Und die eine oder andere Art benötigt ja auch einen Brutplatz. Es tut sich viel, und hier auch ein dickes Danke an alle beteiligten. Aber es gibt auch noch viel zu tun.

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  2. Die Wiese schaut herrlich aus – es wäre wirklich wünschenswert wenn für die Energiegewinnung genau solche Wiesen angebaut werden würden. Wie aber schon in dem Artikel heraus zu lesen ist – und von Krim auch angesprochen wird – hat die abgebildete Wiese womöglich nur Alibifunktion. Eine Monokultur ist eben viel einfacher zu bewirtschaften. Aber eben leider nicht zielführend. Auch wir werden krank wenn wir immer das selbe essen. Auch kann eine Pflanze nicht für Artenvielfalt sorgen. Meine große Bitte an alle Verantwortlichen, an die Bauern, die für uns ja auch so wichtig sind: Bitte Bitte eine Wiese wie abgebildet, keine Monokultur.

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