„Lage besorgniserregend”

Die aktuelle Wochenbilanz des Rosenheimer Gesundheitsamtes - Fallzahlen aus den Gemeinden

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Greifen die verschärften Corona-Beschränkungen? Zumindest ist seit drei Tagen im Landkreis und der Stadt Rosenheim ein Trend mit rückläufigen Fallzahlen und 7-Tages-Inzidenzen zu verzeichnen (wir berichten laufend). Wie das Gesundheitsamt am heutigen Freitag meldet, sei von einer deutlichen Abschwächung des Infektionsgeschehens auszugehen: „Die Beschränkungsmaßnahmen der Staatsregierung dürften in zirka ein bis zwei Wochen ihre volle Wirkung entfalten”, so das Gesundheitsamt heute. Dennoch sei das Infektionsgeschehen insgesamt nach wie vor „besorgniserregend”.


Infektionsübertragungen ereignen sich überwiegend im privaten Umfeld, heißt es aus Rosenheim. Infektionen und Folgefälle ereigneten sich auch in Schulen. Zunehmende Bedeutung erlangten Ausbrüche in Einrichtungen wie Kliniken, Pflege- und Behindertenheimen sowie Asylbewerberunterkünften. Es komme aber auch vereinzelt zu Superspreading-Ereignissen zum Beispiel durch private Feiern. Zunehmend falle es schwerer, die Quelle einer Ansteckung zu ermitteln und die Infektionsketten nachzuverfolgen.

Trotz des Anstiegs der Fallzahlen versucht das Gesundheitsamt Rosenheim, die Fälle weiterhin tagesaktuell telefonisch und schriftlich über ihre Infektion zu informieren und die erforderlichen Infektionsschutzmaßnahmen anzuordnen. „Es wird jedoch immer schwieriger, daran anschließend die engen Kontaktpersonen zeitnah zu kontaktieren und ebenfalls eine häusliche Quarantäne anzuordnen. Das Personal des Gesundheitsamtes wurde in der Vergangenheit deutlich aufgestockt und wird auch durch Soldaten der Bundeswehr unterstützt, um die Infektionsschutzmaßnahmen leisten zu können.”

„Trotz des jetzt aktuell eingetretenen Rückgangs der Fallzahlen ist der exponentielle Anstieg der letzten Wochen besorgniserregend und dramatisch. Insbesondere die Ausbrüche in den medizinischen Einrichtungen wie Kliniken und Heimen bereiten uns Sorgen“, mahnt Dr. Wolfgang Hierl, Leiter des Staatlichen Gesundheitsamtes Rosenheim. „Es steht zu befürchten, dass durch die Ausbruchsgeschehen zunehmend betagte Personen sowie Patienten mit Grunderkrankungen und geschwächtem Immunsystem erkranken mit der Folge schwerer Krankheitsverläufe und von Todesfällen. Erste Hinweise darauf sind die gestiegenen Behandlungszahlen auf den Normalstationen aber gerade auch auf den Intensivstationen in den Kliniken der Region.

Das Gesundheitsamt stemmt sich weiterhin mit aller Macht gegen diese zweite Welle und versucht, durch deutliche Aufstockung des Personals ein Wiederaufflammen der unkontrollierten Ausbreitung in der Region zu verhindern. „Wir hoffen, dass durch die von der Bayerischen Staatsregierung beschlossenen neuen Beschränkungsmaßnahmen das Infektionsgeschehen deutlich abgebremst werden kann. Wir müssen zwingend eine Überlastung der Krankenhäuser in unserer Region vermeiden. Das gelingt aber nur, wenn sich alle Bürgerinnen und Bürger streng an die Hygieneregeln halten”, so Dr. Hierl.

Grundsätzlich lassen sich auch jetzt noch Infektionsübertragungen im privaten Umfeld durch einfache Mittel verhindern: „Ich appelliere daher eindringlich an alle Bürgerinnen und Bürger, sich sowohl zu Hause als auch im Urlaub verantwortungsvoll an die AHA+L-Regeln, das sind das Abstandsgebot von mindestens 1,50 Metern, die Hygienemaßnahmen mit Husten- und Niesregeln sowie regelmäßigem Händewaschen und die Verwendung von Alltagsmasken, einzuhalten zum Schutz unserer Gesundheit. Auch der gemeinsame Aufenthalt in geschlossenen Räumen über 30 Minuten kann im Einzelfall bei Aerosolbildung zu Übertragungen führen. Hier ist auf regelmäßiges und ausreichendes Lüften zu achten“, so Hierl.

Fallzahlen-Entwicklung:

Seit dem letzten Wochenbericht vor einer Woche – mit Stand 5. November, 24 Uhr – wurden dem Gesundheitsamt 861 neue Fälle für Stadt und Landkreis Rosenheim gemeldet.

Bisher sind insgesamt 6367 Fälle von COVID-19 in Stadt und Landkreis Rosenheim aufgetreten (Landkreis: 4981, Stadt: 1386).

233 Personen sind bis zu diesem Zeitpunkt an der Erkrankung gestorben (Landkreis: 210, Stadt: 23). Von den Verstorbenen waren sieben Personen unter 60 Jahren. 151 Verstorbene waren über 80 Jahre alt.

50 COVID-19-Patienten werden aktuell in Stadt und Landkreis Rosenheim stationär behandelt. Hiervon befinden sich nun acht Patienten mit schweren Verläufen auf einer Intensivstation.

Die 7-Tage-Inzidenz (Fälle pro 100.000 Einwohner während der letzten 7 Tage) liegt mit Stand heute (0 Uhr) für die Stadt Rosenheim bei 259,63, für den Landkreis Rosenheim bei 266,33 (wir berichteten bereits).

Der Blick auf die Gemeinden:

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13 Kommentare zu “„Lage besorgniserregend”

  1. Wenn ich die Zahlen sehe, hätte schon lange ein kompletter Lockdown erfolgen müssen. Und bevor die sogenannten Coronafall, die sog. Querdenker demonstrieren, macht einfach einen besseren Vorschlag, wie man eine solche Pandemie euerer Meinung in den Griff zu bekommen ist. Wohlgemerkt es handelt sich um eine Pandemie!! Das ist nicht nur so eine Seuche in Deutschland. Sie ist auch nicht von unseren deutschen Politikern erfunden worden. Es betrifft die gesamte Welt. Auf der gesamten Welt gibt es Beschränkungen. Wollt ihr Querdenker alles unter den Tisch kehren? Um was geht es euch wirklich. Würdet ihr zu 100% die Verantwortung übernehmen, die sterben, die bleibende Schäden haben? Sieht euch die Zahlen an, die Dunkelziffer wird leider höher sein. Es geht um die Gesundheit der Menschen auf der ganzen Welt.

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    1. Wenn der Lock down so effektiv ist und auch das Masken tragen, dann soll mir jemand mal erklären weshalb die Zahlen jetzt so steigen.
      Wir sperren einfach alles mal zu ohne zu wissen woher der Anstieg kommt.
      Blinder Aktionismus.
      Wir müssen doch mal herausfinden wo sich die Leute anstecken.
      Das kann mir hier keiner sagen. Einfach nur wegsperren.

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      1. gesunder Menschenverstand

        Bei Querdenkerdemos und dann Weitergabe des Virus an Familie, Freunde und Kolleginnen/Kollegen

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      2. Wenn „alles“, wie Sie behaupten, zu wäre, und alle sich konsequent an die AHA Regeln halten würden, hätten wir diesen Anstieg vermutlich nicht.
        So langsam gehen mir die bequem am Computer sitzenden ewigen Meckerer und Schuldzuweiser, die selber keine Idee zur Verbesserung der Lage haben, auf den Geist.

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      3. Zwischen “Lockdown” und “Wegsperren” ist dann doch ein himmelweiter Unterschied.

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      4. Bewohner der Altstadt

        Nur dank den Maßnahmen und wegen des Lockdowns haben wir es geschafft, die Kurve lange Zeit flach zu halten und tausende Leben zu retten. Aktuell haben die Maßnahmen nicht mehr ausgereicht, da sich die Leute vermehrt innen aufgehalten haben und Maßnahmen ignoriert haben. Daher jetzt ja die verschärften Maßnahmen. Man darf auch nicht vergessen, dass man die Auswirkungen der Maßnahmen erst 2 Wochen später in den Daten sieht.

        Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass die häufigste und risikoreichste Verbreitung des Virus über eine Ansteckung in Innenräumen stattfindet. Vorallem in Räumen, in denen sich viele Leute über einen längeren Zeitraum aufhalten.Dies ist in der Gastro gegeben, daher sollte diese auch erst einmal geschlossen bleiben, bis ein Impstoff zur verfügung steht, oder die Zahlen wieder im alten Bereich sind.

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  2. Die Auswirkungen vom Lockdown müssten ab nächster Woche in den Zahlen zu sehen sein.

    Leider gibt es viele die Ihre Masken nicht richtig tragen und Abstand halten wollen viele beim Einkaufen nicht.

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  3. @Martin
    Nochmal hoffentlich einfach und verständlich erklärt:
    Für eine Nachverfolgung 1:1 ist es zu spät. Dafür sind die Zahlen zu hoch und die Kapazitäten zur Nachverfolgung zu begrenzt. Das nennt sich „exponentieller Wachstum“. So viele Mitarbeiter kann man gar nicht aufstocken. Reine Mathematik.
    Der Lockdown soll die Zahlen wieder runter bringen. Auf ein nachverfolgbares Level. Das tut er nach zwei Wochen natürlich nicht. Denn die Zahlen heute bilden das Infektionsgeschehen von vor zwei Wochen ab. Und da, richtig: war noch alles offen. Sofern sich alle vorbildlich an die Regeln halten sehen wir frühestens Mitte nächster Woche einen Effekt.
    Und „einfach mal alles zugesperrt“ wird nicht. Es wird dadurch versucht die nicht notwendigen Kontakte zu reduzieren. Gleichzeitig die Versorgung zu gewährleisten.
    Informieren und mitdenken hilft. Vor allem nach nun 9 Monaten hat sich an Mathematik und Verbreitungsweg des Virus nichts geändert. Allein das Verhalten der Bevölkerung ist die Variable.
    In BGL z.B. merkt man jetzt erst, dass die Zahlen runter gehen. Nach einem kompletten Lockdown sehr spät. Aber es funktioniert. Wenn man sich hieran orientiert dauert es bei einem Teillockdown logischerweise noch länger.

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  4. @Martin, wie so oft in diesen Zeiten der Fall lese ich auch in ihren Kommentar nur Kritik aber keine Vorschläge.
    Ich denke, die Wirkung der Maßnahmen stellt sich deshalb nur so zögerlich ein, weil es sich um eine “light” Version handelt und sich viele Menschen nicht daran halten.
    Immerhin geht der Anstieg nicht mehr so rasant wie vor 2 Wochen. Aber ich bin mir auch nicht sicher ob das reicht und denke, man wird die Maßnahmen verlängern und sogar verschärfen müssen.

    Haben sie gute Vorschläge wie man die Pandemie mit anderen Mitteln in den Griff bekommen könnte?

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  5. Servus

    @Martin:
    Es wird versucht, mit möglichst geringen Einschränkungen, möglichst gesund durch die Pandemie zu kommen. Dadurch wirken die Maßnahmen im Detail betrachtet Ineffektiv.
    Trotzdem bringt es was. Die Geschwindigkeit der Verbreitung hat sich bereits verringert.
    Natürlich wäre es Effektiver alles zu schließen und eine absolute Ausgangssperre zu verhängen. Dann würde das Virus aber trotzdem wieder vom Ausland eingeschleppt.
    Solche Maßnahmen funktionieren am besten in Totalitären Staaten. In Deutschland eher nicht.
    Das andere Extrem wäre alles zu erlauben. Was meiner Meinung fahrlässig ist. Es reicht nicht die Toten zu zählen. Viele jüngere, welche einen schweren Verlauf haben aber überleben, haben Langzeitschäden. Niemand weiß, ob diese jemals wieder ausheilen. Dann überlasten die Krankenhäuser, da diese Patienten Wochen bis Monate auf Intensiv liegen. Dadurch würde die Sterblichkeitsrate immens steigen.
    Dann haben wir Vllt 5% Sterblichkeitsrate und 5% dauerhaft geschädigt. Das wird wohl niemand verantworten wollen. Auch die Hellblauen nicht.

    Es ist das Zusammenspiel der einzelnen Maßnahmen, welche das Infektionsgeschehen verringern. NICHT jede einzelne Maßnahme für sich.

    Da hab ich letztens einen schönen Vergleich gehört, der in der WS-S bereits zu lesen war.
    Versuchen Sie mit Käsescheiben vom Emmentaler eine “dichte” Schicht zu machen. Jede Scheibe für sich gesehen hat Löcher aber wenn wir diese übereinander stapeln, verringert sich die durchlässigkeit mit jeder Scheibe, Die neu darauf gestapelt wird. Wir brauchen dabei keine 100%, sondern soviel, das wir damit klarkommen.

    Wie sollen wir herausfinden, was funktioniert und was nicht, wenn wir es probieren?
    Ja die Masken sind nervig, aber es ist mir wert, wenn ich damit das Risiko auch nur ein bisschen verringern kann.

    Blinder Aktionismus ist das nur weil wir so lernen zu sehen.

    Die Leute stecken sich überall da an, wo Leute sich begegnen.

    Es wird nicht einfach so weggesperrt. Die Regierung Bericht die Maßnahmen So gering wie möglich zu halten. Weniger geht aus oben genannten Gründen leider nicht.

    Schönes WWochenende und bleibt Gesund
    Grüße Benjamin

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  6. Besorgniserregend ist die Anzahl der Menschen, die nach einem dreivierteljahr weltweiter Pandemie, immer noch nicht erkennen wollen/können(?) was die Stunde geschlagen hat. Die Politik versucht das bestmögliche, um dieser existenziellen Herausforderun gerecht zu werden. Daß die Sommermonate nicht dazu genutzt worden sind, sich intensiver auf die zweite Welle vorzubereiten, wie es ja den Anschein hat, ist keinesfalls ein deutsches Alleinstellungsmerkmal. Der Blick in sämtliche Nachbarländer sollte genügen, um das zu erkennen. Was allerdings die staatliche Unterstützung angeht, ist dieses Land weltweit führend. Sich das einzugestehen, würde zwar nachhaltig das Weltbild der Leugner und ….denker(?) durcheinander bringen, aber doch zu der Erkenntnis führen (können) daß es so übel nun doch (noch) nicht aussieht. Unsere Gesellschaft, jeder einzelne, hat es in der Hand, wie sich die Dinge weiterentwickeln werden. Verweigerung wird uns jedenfalls einer erhofften Eindämmung von COVID-19 keinen Schritt näher bringen.

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  7. @mvb

    Wie ich geschrieben hab: nach 9 Monaten müssten es doch mittlerweile alle verstanden haben.
    Oft kommt es mir vor, als würden die am lautesten Schreien, die sich bisher mit sonst nichts auseinander gesetzt haben.
    Es gibt auf der Welt und auch hier vor unserer Haustüre weitaus weitreichendere „Ungerechtigkeiten“ als eine Maske tragen zu müssen.
    Dafür interessiert sich aber komischerweise keiner. Um viele Themen ist es ziemlich leise. Und das finde ich eher beunruhigend, als dass ich meinen Hintern einfach mal über einen überschaubaren Zeitraum soweit möglich zu Hause lasse und meine persönlichen Kontakte minimiere.

    An alle gerne noch eine konstruktive Idee um evtl. einiges abzufedern:

    Ich nehme mir vor die nächste Zeit die Gastronomie zu unterstützen, mir was ToGo zu holen da wo es möglich ist und angeboten wird.
    Ich kaufe regional ein, nicht übers Netz. Vor allem jetzt vor Weihnachten kann jeder mal überlegen, wo er die Geschenke kaufen will.
    Und ja, nicht jeder kann sich vieles leisten. Und ein Gutschein ist evtl fad. Dann gibt es halt dieses Jahr weniger. So what. Dafür mit Hirn und der einheimischen Wirtschaft ist auch geholfen.

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    1. Ja den Eindruck hab ich auch. Das halbe Leben mit Facebook, Alkohol und Kopfkratzen verbracht und jetzt ist auf einmal jeder Mediziner und Mathematiker/Statistiker zugleich. Und der Martin schaffts noch nicht einmal eine Grafik zu interpretieren.

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