Immer mehr Berg-Unfälle

MdB Daniela Ludwig bittet Innenminister Herrmann um mehr Personal für die Polizei

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Die steigende Zahl von Unfällen und Vermisstensuchen in den Bergen stellt für das Polizeipräsidium in Rosenheim eine zunehmende Personalbelastung dar. Denn was kaum einer weiß: Bei Berg-Unfällen ist nicht nur die Bergwacht, sondern auch die Polizei gefordert. Polizeibergführer des alpinen Einsatzzugs müssen ausrücken, Vermisstensuchen durchführen und bei Lawinenunfällen Hilfe leisten. Auch bei der Bergung der verunglückten Opfer sind die Beamten gefordert.

Die Einsätze sind schwierig und sehr zeitaufwändig. Die Rosenheimer CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig bat deshalb jetzt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann um mehr Personal für die Dienststellen des Polizeipräsidiums.

Unser Foto zeigt von links MdB Daniela Ludwig, den Präsidenten des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd – Robert Kopp – sowie Hauptkommissar Thomas Zehetmair.

„Die Zahl der Einsatzstunden des Alpinen Einsatzzuges stiegen von 5824 im Jahr 2014 auf 6978 im Jahr 2018 an. Dazu kommen noch Stunden für Fortbildung und Referententätigkeit. 2018 waren das 6180 zusätzliche Stunden“, so die heimische Wahlkreisabgeordnete: „Das ist eine große Herausforderung, die für einzelne Dienststellen immer schwerer zu bewältigen ist. Schon ein Beamter mehr pro Dienststelle wäre hier eine Entlastung, zumal die Zahl der Einsätze seit Jahren kontinuierlich steigt.“ Alleine 2018 gab es im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums 41 Vermisstensuchen. 2015 waren es noch 25.

Der Alpine Einsatzzug des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd besteht aus drei Einsatzgruppen in Garmisch-Partenkirchen, Rosenheim und Traunstein und umfasst aktuell 34 Polizeibergführer, 8 Alpinbeamte und 9 Alpinhundeführer. Das Problem: Die Polizeibeamten üben diese Tätigkeiten quasi „nebenbei“ zu ihrem normalen Polizeidienst aus.

„Eine Alpine Einsatzgruppe ist vergleichbar mit einer Aufrufeinheit“, sagte Polizeipräsident Robert Kopp im Gespräch mit Ludwig. „Der Einsatz erfolgt oft aus dem üblichen Polizeidienst heraus, oder auch in der Freizeit. Die Gruppe wird nicht nur am Berg eingesetzt, sondern zum Beispiel auch beim Hochwasser in Simbach, beim G7 Gipfel in Ellmau oder zur Höhenrettung, bei Sportunfällen in Kletterhallen oder beim Rafting.“

Wenn ein Beamter der Alpinen Einsatzgruppe alarmiert wird, muss der Arbeitsplatz in der Dienststelle oder im Steifenwagen verlassen werden. Oft erfolgen die Einsätze aber auch in der Freizeit. „Die Folge ist, dass Kollegen den Dienst übernehmen müssen, und wir gar nicht wissen, wie lange der Einsatz dauert“, so Kopp weiter. „Wenn ein Polizeibergführer in seiner Freizeit alarmiert wird, muss die Dienststelle diese Arbeitszeit später ausgleichen. Das ist besonders für kleinere Dienststellen ein großes Problem.“

Die Beamten des Alpinen Einsatzzuges sind gefragte Spezialisten – aus gutem Grund. „Die Polizeibergführer machen neben ihrem Polizeidienst eine anspruchsvolle, dreijährige Ausbildung“, erläuterte Hauptkommissar Thomas Zehetmair. „Schon vor der Ausbildung müssen sie neben körperlicher Fitness umfassende Kenntnisse im Klettern, Skifahren oder in der Seilkunde vorweisen. Nach der Ausbildung müssen sie jährlich Fortbildungskurse besuchen.“

Ausbildungsfächer sind unter anderem Sportklettern, Trendsport Eis und Seil, Bergrettung, Lawinen oder Felsenkunde. Auch psychisch erfordert dieser Dienst ein hohes Maß an Stabilität. „Die Bergung von Menschen, die aus großer Höhe abgestürzt sind, nimmt jeden mit. Es ist kein schöner Anblick.“

Die Arbeitsbelastung wird in Zukunft weiter steigen, darin waren sich Polizeipräsident Robert Kopp und Daniela Ludwig einig. Gab es im Jahr 2014 noch 206 Einsätze des Alpinen Einsatzzuges, waren es 2018 bereits 327. Die tödlichen Bergunfälle stiegen in diesem Zeitraum von 33 auf 37 an, die Zahl der Unfälle mit Verletzten von 70 auf 128.

Unglaublich: Selbst das Thema Gaffer ist am Berg ein Thema. Bei einem Helikoptereinsatz am Watzmann lösten Schaulustige, die sich weiter oben am Berg versammelt hatten, einen Steinschlag aus. „Das brachte den Hubschrauber in Gefahr“, so Kopp. „Wir sind froh, dass hier kein Unglück passiert ist.“

 

 

 

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