Ihre Meinung bitte!

Sechs Fragen zur Sozialpolitik an alle neun Landrats-Kandidaten - Fünf haben geantwortet

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Die Inntal-Werkstätten der Stiftung Attl im nördlichen und die Wendelstein-Werkstätten im südlichen Landkreis haben den neun Landratskandidatinnen und -kandidaten sechs Fragen zur Sozialpolitik gestellt. Fünf der Kandidaten haben die Gelegenheit genutzt, dazu Stellung zu beziehen und die Fragen zu beantworten …

  1. Waren Sie schon einmal in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung?

Otto Lederer (CSU): Ja, schon öfter!

Alexandra Burgmaier (SPD): Ja, selbstverständlich schon mehrfach! Und dies sowohl in Raubling als auch in Wasserburg.

Sepp Hofer (Freie Wähler): Ja, natürlich! Durch meine Tätigkeit als Bezirksrat konnte ich immer wieder feststellen, dass in den Werkstätten auch hervorragende Arbeit geleistet wird.

Florian Weber (Bayernpartei): Unter anderem war ich schon als Bezirksrat in mehreren Werkstätten für Menschen mit Behinderungen, auch bei Ihnen in der Stiftung Attl.

Rainer Auer (Parteifreie/ÜWG): Ja, gemeinsam mit Schulklassen. Solche Besuche haben nicht nur bei Schülerinnen und Schülern, sondern auch unter Lehrern Eindruck gemacht.

 

  1. Worin sehen Sie den Auftrag der Werkstätten für Menschen mit Behinderung (für Gesellschaft und den einzelnen Menschen?

Otto Lederer (CSU): Werkstätten für Menschen mit Behinderung bieten sowohl Arbeitsplätze als auch Berufsbildungsmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung an. Sie ermöglichen dadurch vielen Menschen, die im sogenannten „ersten Arbeitsmarkt“ geringe Erfolgschancen haben, ein Einkommen zu erzielen.

Darüber hinaus bereiten die Werkstätten auf Einstiege in den „ersten Arbeitsmarkt“ vor. Sie bieten damit nicht nur Beschäftigung, sondern auch Perspektiven und stiften gleichzeitig Gemeinschaft. Sie sind deshalb eine wichtige Säule der Integration.

Unabhängig davon sind diese Werkstätten, wie zum Beispiel die Wendelstein Werkstätten, ein wichtiger Arbeitgeber in der Region – auch für Menschen ohne Behinderung.

Alexandra Burgmaier (SPD): Die Inklusion von Menschen mit Behinderung. Arbeit ist sinnstiftend und fördert die Selbstständigkeit und das Selbstbewusstsein, dies gilt sowohl für Menschen mit als auch ohne Behinderung.

Sepp Hofer (Freie Wähler): Die vordringlichste Aufgabe ist sicherlich, dem einzelnen Menschen Wertschätzung entgegenzubringen und ihm durch seine Arbeit das Gefühl zu vermitteln, gebraucht zu werden. Der Gesellschaft wird durch die Werkstätten gezeigt, dass behinderte Menschen ein wichtiges Glied der Gemeinschaft sind und wertvolle Arbeit leisten können, wenn sie die nötige Assistenz erhalten.

Florian Weber (Bayernpartei): Ich sehe den Auftrag der Werkstätten für Menschen mit Behinderung darin, diesen Menschen ein erfülltes Leben zu ermöglichen. Ihre Arbeit ist für die gesamte Gesellschaft ein unverzichtbarer Beitrag, um das Zusammenleben aller zu verbessern.

Rainer Auer (Parteifreie/ÜWG): Der einzelne Mensch und seine Inklusion im Arbeitsleben und in der Gesellschaft stehen bei Ihrer Arbeit im Mittelpunkt. Darin sehe ich den Auftrag der Werkstätten.

 

  1. Wie wollen Sie die Inklusion von Menschen mit Behinderung im regionalen Arbeitsmarkt fördern?

Otto Lederer (CSU): Wichtige Instrumente zur Förderung von Menschen mit Behinderung im regionalen Arbeitsmarkt sind aus meiner Sicht öffentlich wirksame Kampagnen. Positive Erfahrungen, die sowohl von Arbeitnehmer- als auch Arbeitgeberseite gesammelt werden, sollten öffentlich dargestellt werden. Es bietet sich hierbei an, Organisationen, wie zum Beispiel die IHK und HWK, gezielt einzubinden.

Darüber hinaus kann das Landratsamt Arbeitgeber bei der Eingliederung von Menschen mit Behinderungen in den allgemeinen Arbeitsmarkt unterstützen und individuell begleiten.

Auch das Landratsamt selbst kann einen Beitrag dazu leisten und Menschen mit Behinderungen in der Landkreisverwaltung ausbilden und beschäftigen.

Darüber hinaus sollten bestehende Patenschaftssysteme und die Arbeitsgruppe „Arbeit und Beschäftigung“ des Landkreises weiterhin unterstützt werden. Mit einer Patenschaft werden derzeit zum Beispiel Kinder und Jugendliche im Landkreis Rosenheim im Übergang von der Schule in den Beruf begleitet. Dies könnte auf die Zielgruppe der Menschen mit Behinderung ausgeweitet werden.

Alexandra Burgmaier (SPD): Glücklicherweise ist die Arbeitsmarktsituation so, dass es in vielen Bereichen mehr Stellen als Arbeitssuchende gibt. Dies ermöglicht bei entsprechendem politischen Engagement die deutlichere Öffnung des Arbeitsmarktes auch für Menschen mit Behinderung.

Sepp Hofer (Freie Wähler): Ich werde die vermehrte Schaffung von Zuverdienstarbeitsplätzen einfordern, weil ich überzeugt bin, dass vor allem dadurch das Verständnis auch für die Stärken behinderter Menschen wächst. Ebenso werde ich selbst Unternehmer/ innen ansprechen und sie überzeugen, dass Inklusion sich für ihre Firmen in vielfältiger Art und Weise auszahlt.

Florian Weber (Bayernpartei): Die Herausforderungen in diesem Bereich sind, das wissen Sie am besten, enorm. Konkret möchte ich bei öffentlichen Arbeitgebern, also auch beim Landratsamt Rosenheim noch intensiver versuchen, Menschen mit Behinderung einzusetzen. Dies ist auch im Zeitalter des Arbeitskräftemangels nicht nur richtig, sondern auch notwendig.

Rainer Auer (Parteifreie/ÜWG): Die Förderung für Menschen mit Behinderung unter Berücksichtigung ihrer Fähigkeiten in den regionalen Arbeitsmarkt zu bringen, kann nur geschehen, wenn wir die Kontakte zu den heimischen Betrieben herstellen.  Die Arbeitsgruppe „Arbeit und Beschäftigung“ in Stadt und Landkreis leistet hier schon eine gute Arbeit. Ich denke, dass wir durch weitere gemeinsame Gespräche mit Firmeninhabern, Agentur für Arbeit, den Akteuren ihrer Einrichtungen, Sozialplaner des Landkreises und Behindertenbeauftragte der Gemeinden mit ihren Bürgermeistern durchaus weitere Fortschritte erzielen könnten.

 

  1. Zu den großen Herausforderungen gehört auch der Mangel an Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Be­hinderung. Wie wollen Sie da Abhilfe schaffen?

Otto Lederer (CSU): Ziel sollte sein, neue (gemeinschaftliche) Wohnformen für Menschen mit Behinderung zu schaffen. Hier kann das Landratsamt den Kommunen beratend zur Seite stehen. Dazu muss natürlich der örtliche Bedarf erörtert und weiterentwickelt werden.

Des Weiteren sollte eine bedarfsgerechte Betreuung im ambulanten Wohnen stärker unterstützt und Übergänge von einer stationären in eine ambulante Wohnform eng begleitet werden. Dies könnte über Wohntrainingsgruppen bzw. das Angebot der therapeutischen Wohngemeinschaft als Schnittstelle gelingen.

Alexandra Burgmaier (SPD): Ich setze mich seit vielen Jahren für den Bau von Sozialwohnungen und „bezahlbaren“ Wohnungen ein. Die landkreiseigene Wohnungsbaugesellschaft ist auch auf Grund des intensiven Wirkens meiner Fraktion jetzt aktiv und baut gemeinsam mit interessierten Kommunen. Diese Abteilung möchte ich – auf Grund der hohen Bedeutung – personell noch weiter stärken.

Sepp Hofer (Freie Wähler): Auch wenn es nicht zu den Aufgaben eines Landkreises gehört, speziell für behinderte Menschen Wohnungen zur Verfügung zu stellen, ist der Wohnungsmangel ein generelles Problem unserer Region, das gelöst werden muss.

Dies geht nur mit den Gemeinden und den Bauunternehmen, da nur die Gemeinden die Planungshoheit haben und ohne Baufirmen keine Wohnungen entstehen werden.

Gemeinsam mit diesen werde ich ein Programm für deutlich mehr Wohnungsbau auflegen.

Florian Weber (Bayernpartei): Hier gilt es speziellen Wohnraum, z. B. über die Absicherung in städtebaulichen Verträgen, bei der Genehmigung von Baumaßnahmen verbindlich zu schaffen.

Rainer Auer (Parteifreie/ÜWG): Der Mangel an Wohnmöglichkeiten für Menschen mit Behinderung wird noch zusätzlich verstärkt, weil allgemein Wohnungen in der Region und Oberbayern fehlen.  Bei der Herstellung neuer barrierefreier Wohnungen durch die Wohnbaugesellschaft des Landkreises Rosenheim würde ich mit gutem Beispiel vorangehen und so weitere Wohnmöglichkeiten schaffen. Barrierefreie Immobilien sind übrigens langfristig werthaltiger. Verstärktes Engagement in diese Richtung lässt sich damit auch wirtschaftlich begründen.

 

  1. Wie können die bürokratischen Hürden bei der Antragstellung im Landratsamt zu verschiedenen Förderun­gen reduziert werden?

Otto Lederer (CSU): In allen Städten und Gemeinden sowie auch im Landratsamt Rosenheim stehen Behindertenbeauftragte als Interessensvertretung und Ansprechpartner für Menschen mit Behinderung zur Verfügung. Diese müssen bekannter gemacht und deren Stellung insgesamt gestärkt werden.

Weiterhin müssen alle relevanten Informationen gebündelt über regionale Anlaufstellen und Beratungsangebote für Menschen mit Behinderung zur Verfügung stehen.

Auch die Online-Plattform Rosenheim-Mobil sollte hierfür verstärkt genutzt und bezüglich der Gestaltung inklusiv weiterentwickelt werden.

Alexandra Burgmaier (SPD): Der Landkreis muss alle Beratungsleistungen, die es gibt, sichten, kanalisieren und neu strukturieren, damit der Zugang für alle Menschen erleichtert wird. Für das Landratsamt stelle ich mir eine professionelle Info- und Beschwerdestelle vor, die Anliegen von Bürgern sinnvoll in das Landratsamt hineinträgt. Eine so große Behörde wie das Landratsamt braucht zudem einen speziellen Ansprechpartner für Menschen mit Behinderung, wenn es darum geht, dass diese Anträge beim Landratsamt stellen wollen.

Sepp Hofer (Freie Wähler): Die Einrichtung von Pflegestützpunkten ist hierfür das richtige Instrument, da die Hilfesuchenden dort alle Informationen aus einer Hand bekommen. Von der Erstberatung bis zur konkreten Antragstellung erhalten sie jegliche Unterstützung.

Florian Weber (Bayernpartei): Da liegt der Teufel im Detail. Grundsätzlich sollte ein Ansprechpartner für alle Förderungen zuständig sein. Hier könnte der Landrat als Vorgesetzter eingreifen und entsprechend “anschieben”.

Rainer Auer (Parteifreie/ÜWG): Durch individuelle Beratung durch Mitarbeiter des Landratsamtes vor Ort zu den verschiedenen Förderungen bei der Antragstellung könnten meines Erachtens bürokratische Hürden reduziert werden.

 

  1. Menschen mit Behinderung sind zum Großteil auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen. Wie stellen Sie sich einen barrierefreien Ausbau vor?

Otto Lederer (CSU): Es muss in die Infrastruktur, wie zum Beispiel in barrierefreie Bahnhöfe, investiert werden. Ziel sollte zudem mindestens eine barrierefreie Bushaltestelle in jedem Ort ab 500 Einwohnern sein.

Damit die Züge und Busse dann auch genutzt werden können, müssen diese behindertengerecht ausgestattet sein.

Die Informationen zu den Fahrtzeiten bei Bus und Bahn sollten dann sowohl hör- als auch sichtbar dargestellt werden.

Über das Angebot des ÖPNV hinaus sollte auch über weitere Konzepte nachgedacht werden, wie zum Beispiel bürgerschaftliche Fahrdienste oder andere bedarfsgerechte Angebote.

Alexandra Burgmaier (SPD): Auch für spürbare Verbesserungen im ÖPNV kämpfe ich mit meiner Fraktion schon seit vielen Jahren. So wurde der Etat für öffentliche Verkehrsmittel im Landkreis verfünffacht. Das von uns angestoßene Mobilitätskonzept, das jetzt fertiggestellt wurde und in Kürze in die Umsetzungsphase kommt, beinhaltet auch einen barrierefreien Ausbau der öffentlichen Verkehrsmittel.

Sepp Hofer (Freie Wähler): Der ÖPNV ist nur für einen Teil der Hilfebedürftigen geeignet. Es stellt sich die Frage, ob nicht ein eigenes Angebot an behindertengerechten Fahrzeugen vorgehalten werden kann. Dass es sich dabei um eine freiwillige Leistung des Landkreises handeln würde, ist mir natürlich bewusst. Die Details wären mit privaten Unternehmen abzustimmen.

Florian Weber (Bayernpartei): Bei der Neuanschaffung und Zulassung von Busfirmen sollte auf barrierefreie Fahrzeuge geachtet werden.

Rainer Auer (Parteifreie/ÜWG): Beim barrierefreien Ausbau bei öffentlichen Verkehrsmitteln muss weiter gedacht werden. Durch eine konkrete Planung durch Spezialisten unter Einbindung der Fachstelle für Inklusion im Landkreis und den bereits genannten Akteuren könnten nach meiner Vorstellung gute Lösungen erzielt werden.

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2 Kommentare zu “Ihre Meinung bitte!

  1. Die Partei, die sich Alternative schimpft, hat hier wohl keine Meinung abgegeben.

    Zeigt auf, wie sie dazu steht und wie wertschätzend sie mit dem Thema Inklusion umgeht.

    Für mich ein klares Statement gegen Menschlichkeit und gegen ein Miteinander in unserer bayr. Gesellschaft.

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  2. Zweiter Besucher

    Find ich auch.

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