Idyll für kleinen Froschlurch nicht zerstören!

Im Namen der Natur und gefährdeter Unken mal eine andere Sicht zu den Fahrspuren im Wald

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Solche Fahrspuren (unser Foto) sind beim Menschen nicht beliebt, für die Unke aber sind sie ein wichtiger Lebensraum! Durch die Stürme der vergangenen Wochen sind in vielen Wäldern im Landkreis teils erhebliche Schäden entstanden. Dort, wo die Gelbbauch-Unke vorkommt, können die bei der Aufarbeitung entstehenden Fahrspuren sehr hilfreich sein. Hier also mal im Namen der Natur eine andere Sicht der Dinge …

Im Februar/März sind starke Stürme über Oberbayern gefegt und haben viele Bäume umgeworfen oder gebrochen. In vielen Waldgebieten sind nun Menschen mit Maschinen unterwegs, um entsprechendes Holz zu entnehmen. Dabei sind Fahrspuren der Fahrzeuge unvermeidlich. Ist das gut oder schlecht? Erholungssuchende erfreuen sich an einem harmonischen Waldbild und stören sich unter Umständen an den zerfurchten Waldböden. Aus der Sicht der Gelbbauch-Unke (Foto unten) bietet sich aber ein ganz anderes Bild.

Ab April kommen sie jetzt wieder aus ihrem Winterversteck … Foto: Wolfgang Willner

Die Gelbbauch-Unke ist ein kleiner Froschlurch und seit jeher in unseren Wäldern heimisch. Ihre natürlichen Laichgewässer gingen jedoch vielerorts beispielsweise durch trockene Sommer verloren. Daher stellen mit Wasser gefüllte Fahrspuren im Wald einen wichtigen Ersatzlebensraum für die stark gefährdete Unke dar und sollten nicht restlos verfüllt werden. Dort, wo es Unken gibt, sind sie deshalb auf die Mithilfe von uns Menschen angewiesen, um ihrem Nachwuchs ein Überleben zu ermöglichen.

Kleine Gewässer, Quelltümpel, Viehweiden, aber auch Pfützen und wassergefüllte Fahrspuren: Hier fühlt sich die Gelbbauch-Unke wohl, hier legt sie ihre Eier ab. Doch durch Trockenlegungen und Straßenbauten sind diese Laichgewässer immer weniger geworden – und in der Folge auch die Tiere.

Ziel ist es nun, neue Lebensräume zu schaffen, Biotope aufzubessern und zu vernetzen, um die Unkenwanderung wieder zu ermöglichen. Dazu braucht es engagierte Grundeigentümer und Kiesabbauunternehmen sowie Privatpersonen, die die Laichgewässer freiwillig erhalten und pflegen. Forst-, Land- und Wasserwirtschaft sind ebenso angesprochen wie Gemeinden und Schulen.

Wer etwas für die heimische Gelbbauch-Unke tun will, wird gerne beraten.

Einfach eine Mail an judith.jabs-ingenhaag@kreis-fs.de schreiben oder anrufen unter der 0172/3213054. Im Rahmen des Projektes „Allen Unkenrufen zum Trotz“ werden in diesem Frühjahr verschiedene Maßnahmen, die der Gelbbauchunke helfen, finanziell gefördert.

„Allen Unkenrufen zum Trotz“

Sechs oberbayerische Landkreise beteiligen sich mit dem groß angelegten Projekt „Allen Unkenrufen zum Trotz“ am Erhalt der Gelbbauchunke, die laut der bundesweiten Roten Liste gefährdeter Tiere, Pflanzen und Pilze in ihrem Bestand stark gefährdet ist.

Gefördert wird das Projekt durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMU) im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt und durch den Bayerischen Naturschutzfonds.

Träger des Projektes „Allen Unkenrufen zum Trotz“ sind die Landkreise Altötting, Freising und Neuburg-Schrobenhausen, der BUND Naturschutz in Bayern e. V. mit seinen Kreisgruppen Altötting, Erding, Freising, Mühldorf, Neuburg-Schrobenhausen und Pfaffenhofen a. d. Ilm. Insgesamt fließen in fünf Jahren 670.000 Euro in verschiedene Maßnahmen, so dass sich die Bestände der Gelbbauchunke bis zum Ende der Laufzeit am 30. Juni 2021 möglichst erhöht haben werden. Da ein großer Teil der Weltpopulation der „Bombina variegata“ in Deutschland vorkommt, hat Deutschland für dieses Tier eine ganz besondere Verantwortung.

Die Landkreise Altötting, Freising, Neuburg-Schrobenhausen sowie der BUND Naturschutz in Bayern e.V. haben zum Zweck der Umsetzung des Projektes eine Trägergemeinschaft gebildet, für die der Landkreis Freising die Geschäftsführung übernommen hat. Mit im Boot sind auch das Wissenschaftszentrum Weihenstephan mit der TU München und der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, die mit ihrem Fachwissen zum Gelingen des Projekts beitragen.

 

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