„Ich habe noch nie gearbeitet”

2. Inn-Gespräch im InnKaufhaus mit Prof. Maus: Vom Eisenwarenhändler zum OBI-Gründer

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Zum zweiten Inn-Gespräch war am gestrigen Donnerstagabend Professor Manfred Maus im Innkaufhaus zu Gast. Er ist der Begründer des Obi-Baumarktes und des Franchise in Deutschland, vor allem aber auch ein Unternehmer, der christliche Werte mit ökonomischem Denken vereinbaren kann. Seinen Lebensweg, seine Philosophie und seine Tipps auf dem Weg zu unternehmerischen Erfolg teilte er gestern mit den Besuchern im InnKaufhaus.

Gerd Maas (Foto unten), der Vorsitzender der Kommission für Wirtschaftsethik des Verbands „Die Familienunternehmer”, leitete charmant durch den Abend und stellte Herrn Prof. Maus interessante und teils auch überraschend private Fragen zu seinem Werdegang.

Maus, geboren in Gottmadingen bei Konstanz, machte eine Ausbildung zum Eisenwarenhändler, wo sich auch sein Interesse für alles, was mit Handwerken zu tun hat, zeigte. „Ich bin durch die Gegend gefahren, hab Baustellen abgeklappert und denen meine Waren verkauft.” Nach der Lehre studierte er in Wuppertal Betriebswirtschaft, trat anschließend in die Firma „Lux” ein und machte weitere, teils auch internationale Erfahrungen im Bereich Unternehmensführung.

Seine Idee für OBI resultierte daraus, dass er eine Marktlücke erkannte. „Wenn man seinen Garten herrichten wollte, musste man in fünf verschiedene Geschäfte fahren, bis man alles beisammen hatte.” Maus wollte eine Anlaufstelle schaffen, wo es alles rund ums Handwerken auf einmal gibt. „Das geht doch nicht!”, lautete die einhellige Antwort, wenn er seine Idee kund tat. „Aber je mehr Widerspruch kam, desto motivierter war ich.” So gründete er im Jahr 1970 den inzwischen viertgrößten Baumarkt der Welt. Die Entstehungsgeschichte des Namens OBI und des Bibers als Logo ist dabei kurios:

Bei einer Reise in Frankreich sagte ein Franzose in gebrochenem Deutsch zu ihm, sein Hobby sei Tapezieren. „Weil die Franzosen das ,H’ nicht aussprechen können, hörte sich das an wie ,Obi’ und ich hatte den Namen.”

Den Biber als Logo habe er als passend empfunden, weil dieser „sein ganzes Leben selber baut”, auch wenn sein Umfeld ihm aufgrund seines Namens zur Maus geraten habe, scherzt er. OBI ist mittlerweile Branchenführer in Deutschland mit 586 Filialen auch in Italien, Österreich, Polen, der Schweiz, Slowenien, Tschechien und Ungarn und beschäftigt 44.000 Mitarbeiter.

Seinen Erfolg erklärt sich Maus aus seinem vehementen Festhalten an christlichen Werten. Der örtliche Pfarrer sei für ihn während des Krieges eine Art „Ersatzvater” gewesen und auch seine Familie haben ihn katholisch erzogen. Was in der Religion „Du sollst nicht lügen” heißt, münzte Maus im unternehmerischen Kontext zu seinem Credo „Sage, was du tust und tue, was du sagst” um. Andernfalls verliere man das Vertrauen seiner Mitarbeiter und auch das seiner Kunden.

Auch sei Profitmaximierung, das als gängigstes Ziel in kapitalistischen Wirtschaftsformen gelte, nie sein Hauptaugenmerk gewesen. „Das Ziel eines Unternehmens sollen zufriedene Kunden sein und nicht der Profit. Sind die Kunden zufrieden, kommt der Profit von allein.”

Für habe der heute 83-Jährige Arbeit  immer als etwas Positives gesehen. „Ich habe noch nie ,gearbeitet’ in meinem Leben. Ich habe immer das getan, worauf ich Lust hatte.”

Für sein außergewöhnliches unternehmerisches Tun, das sowohl von christlichen Werten als auch vom Nachhaltigkeitsgedanken geprägt war und ist, wurde Maus unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz und dem Silvesterorden durch Papst Johannes Paul II. ausgezeichnet. Seit 2013 ist Maus Vorsitzender der Diözesangruppe Köln des „Bundes Katholischer Unternehmer”. Neben Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit waren die zwei wichtigsten Werte im Laufe seines Werdegangs Disziplin und Konsequenz. „Das heißt für mich, keine faulen Kompromisse zu machen. Kompromisse muss man machen, das ist klar, aber sie müssen immer Sinn ergeben.”

Im Anschluss an den äußerst kurzweiligen Vortrag, der interessante, teils auch äußerst private Einblicke in Maus’ Leben bot, stand der OBI-Gründer noch Rede und Antwort für die Fragen der zahlreichen Besucher. Unter den Anwesenden waren einige Inhaber und Funktionäre hiesiger Unternehmen, so zum Beispiel Dr. Stefan Schmale, Finanzvorstand der Firma Meggle, Peter Schwertberger, Vorsitzender der Sparkasse Wasserburg, sowie zahlreiche Vertreter des Wirtschafts-Förderungs-Verbands, so zum Beispiel Markus Ruepp, Christine Deliano und natürlich Sybille Schuhmacher mit ihrem Mann Tobias (links) als Hausherren.

Bei einem Stehempfang, gesponsert durch den ebenfalls anwesenden Andi Aß von den Wasserburger Markthallen, konnte das Thema dann noch vertieft und der Abend gemütlich ausgeklungen werden.

mp

 

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