Hofstatt-Sperrung nicht vom Tisch

Wasserburger Stadträte widersprechen in öffentlicher Sitzung dem Verkehrsplaner

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Am Ende gab’s vom Verkehrsplaner betretenes Schweigen: Robert Ulzhöfer hatte bei der gestrigen Sondersitzung des Wasserburger Stadtrates über eine Stunde lang über das Verkehrskonzept im Rahmen des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzeptes (ISEK) referiert (wir berichteten). Ganz am Ende ging er auch auf die von einer Bürgerinitiative beantragte zeitweise Sperrung der Hofstatt für den Verkehr ein. „Da sind wir zurückgerudert. Wir würden die Finger davon lassen.“ Was umgehend Christian Stadler (Grüne ) auf den Plan rief.

„Die Aussage wundert mich sehr. Wir haben im Arbeitskreis keinen Rückzieher gemacht. Das haben wir ganz anders besprochen.“ Warum, so Stadler, solle man die zeitweise Sperrung nicht mal ausprobieren. „Die 4.000 Unterschriften, die der WFV gegen die Sperrung vorgelegt hat, bedeuten doch nicht, dass wir alles so lassen müssen, wie es ist.“

Rückendeckung bekam Stadler zunächst von Bürgermeister Michael Kölbl: „In der ISEK-Broschüre, die mir und der Lenkungsgruppe vorliegt, steht die temporäre Verkehrsberuhigung der Hofstatt als mögliche Maßnahme mit drinnen. Da ist nichts gestrichen. Die Broschüre nehmen wir als Vorlage und über die stimmen wir heute auch ab.“

Marlene Hof-Hippke (SPD) legte sogar noch einen drauf und nahm den Wirtschafts-Förderungs-Verband (WFV), der sich gegen jeglichen Versuch einer Sperrung der Hofstatt ausspricht, ins Visier: „Das Verkehrskonzept, das hier vorliegt, zeigt klar, dass wir handeln müssen. Wir sollten mit kleinen Maßnahmen starten, warum nicht in der Hofstatt? Das Schwarz-Weiß-Denken des WFV ist da nicht dienlich. Ich frage mich, warum man auf eine Bürgerinitiative gleich so massiv reagieren muss, wie das von WFV-Seite geschehen ist. Da kommt man da doch nie zu einer gemeinsamen Lösung, wenn man gleich mit solchen Kalibern schießt.“

Edith Stürmlinger mahnte an, man solle mehr auf den Sprachgebrauch achten. „Wenn wir vom Sperren und von Aussperrung sprechen, ist das die reinste Verbotskultur. Besser wäre eine Angebotskultur. Es sollte viel mehr Spaß machen, mit dem Radl in die Altstadt reinzufahren. Vorschläge hätte ich da viele.“ Worauf Verkehrsexperte Ulzhöfer antwortete: „Ohne Verbote wird’s nicht gehen. Es ist ein Irrglaube zu denken, man könne die Motorradfahrer, die ihre Maschinen sonntags vor dem Rathaus parken, aufs Radl oder die eigenen Cowboystiefel umlenken.“

Georg Machl (CSU) wollte in Sachen Hofstatt-Sperrung bestehende Regeln besser umgesetzt sehen: „Wenn wir keine Alternativen schaffen, bringt es nichts, wenn wir den Autofahrern das Leben schwer machen. Eine reine Fußgängerzone macht keinen Sinn. In der Hofstatt ist die Regel so wie sie ist, eigentlich perfekt. Aber die Einhaltung der Regeln wird zu wenig kontrolliert.“

Der Verkehrsplaner hatte eingangs der Ausführungen zur Hofstatt-Sperrung die Befürchtungen des WFV dargelegt. „Der Einzelhandel sieht eine Spirale, die sich mit dem ersten Versuch entwickeln könnte: Sperrungen an immer mehr Tagen, zu immer mehr Zeiten. Und das ist natürlich schon zu befürchten. Aber das hat ja der Stadtrat in der Hand. Es gibt in Bayern positive und negative Beispiel für so eine Sperrung.“

Seiner Erfahrung nach gebe es allerdings schon alleine mit der Beschilderung Probleme. „Wer wann reinfahren darf, das artet zu ellenlangen Beschreibungen auf den Schildern aus, die kein Mensch mehr liest.“ Ulzhöfers Rat an die Stadträte: „Vorsichtig mit dem Thema umgehen. Da kann jeder Schuss schnell nach hinten losgehen.“

Den Vorwurf, es habe gar keinen Rückzieher im Verkehrsarbeitskreis zum Thema Hofstatt-Sperrung gegeben, ließ Ulzhöfer im Raum stehen. Er schwieg … 

 

 

 

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10 Gedanken zu „Hofstatt-Sperrung nicht vom Tisch

  1. verkehrterverkehr

    Comedy pur. Der Verkehrsplaner „schweigt“.

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  2. Schön dass sich Herr Kölbl zum wiederholtem Male gegen die Interessen des WFV stellt, er hat offensichtlich noch nicht verstanden, wo die öffentlichen Mittel herkommen, die er Jahr für Jahr im Badria versenkt…..

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    1. Was wäre denn in diesem Fall das „Interesse des WFV“ gewesen, gegen das sich der Bürgermeister Ihrer Ansicht nach gestellt hätte? Dass eine offensichtliche Falschaussage des Verkehrsplaners unwidersprochen im Raum stehen bleibt?
      Das Badria gehört übrigens den Stadtwerken Wasserburg. Die Mittel, welche dort versenkt werden, kommen also in erster Linie aus der Tasche der Stromkunden der Stadtwerke.

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    2. Herr Kölbl weiß sehr genau, wo die öffentlichen Mittel herkommen.

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    3. Wenn schon der Begriff das Mittel der Stadt im Badria Jahr für Jahr versenkt werden, dann bitte genauer hinschauen. Im „Badria“ sind Sportstätten für Fußballer ,Basketballer, für den Breitensport usw,Übungsräume,Badriahalle als Veranstaltungssaal Sauna und das Schwimmbad. Das kostet Geld und ist vor allem als Familienbad sehr beliebt weil bezahlbar und attraktiv. Wo bitte sollen denn die Kinder das Schwimmen lernen,wo bitte soll Seniorenschwimmen angeboten werden. Umdiese Einrichtung beneiden die Stadt viele Kommunen und sind zugleich froh selbst keine defizitären Schwimmbäder unterhalten zu müssen.Wer Strom der Stadtwerke bezieht weiß so nebenbei was mit seinen erwirtschafteten Überschuss finanziert wird, was bei den Großkonzernen und deren überschwenglichen Managergehältern nicht derfall ist . Rolf ,gehen sie einfach mal auf eine Bürgerversammlung, da kann man auch lästern und schimpfen, aber man muß halt sein Gesicht zeigen

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  3. Vermutlich kommen die gelder fürs badria nicht nur vom wfv….zumindest hab ich noch keine sponsoring plakate entdecken können 😊

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    1. Es waren doch 2 oder 3 Personen des WFV, die gegen die Sperrung waren.
      Diejenigen halt, die dort ihre Geschäfte haben.
      Hab keinen Vertreter der großen Firmen Wasserburgs gesehen bei der Stimmenübergabe.
      Schaut Euch doch bitte mal an wer die Stimmen gegen die Schließung übergeben hat, es sind die Geschäftstreibenden, die eher auf Autofahrer und -parker setzen, als auf Fußgänger.

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      1. @ Bernd…
        es waren nicht 2 oder 3 Personen, die gegen die Sperrung waren, sondern es waren über 4000 in Worten viertausend Personen.

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        1. Ja. Weiß ich doch.
          Aber diese paar Personen, die die Überschriften gegeben haben, haben doch jeden x-Beliebigen gefragt, ob er unterschreibt. Nicht nur Wasserburger. Denen war es nur wichtig, viele Unterschriften zu bekommen, keine einzige Unterschrift ist geprüft. Da können doch Tausende Fake Namen drauf stehen. So eine Stimmungsmache, mit Vorlage von vielen UNGEPRÜFTEN Zetteln ist doch völlig unzutreffend.
          Bei einem echten Bürgerentscheid dürfen nur wahlberechtigte Bürger ihr Votum abgeben und da ginge die Abstimmung ganz anders aus.

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        2. Texte auf die man antwortet, sollte man lesen und nicht das hineinlesen was zur eigenen Filterblase passt. Bernd schrieb „2 oder 3 Personen des WFV”. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der WFV keine „4000 in Worten viertausend Personen” hat.

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