Hinauf zur Sauermöseralm

Unsere Serie „Tourentipps" - Teil 4: Wanderung in den Chiemgauer Bergen

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Wandern, Mountainbiken, Klettern, Rodeln, Langlauf – alles, was man in den bayerischen und Tiroler Bergen machen kann, beschreibt der Rosenheimer Autor Reinhard Rolle auf seiner Internetseite und in seinen Wanderführern. Zusammen mit dem Bergexperten präsentieren wir unseren Lesern heute den vierten Teil der Serie „Tourentipps” – diesmal mit einer Wanderung zur Sauermöseralm und zur Stoibenmöseralm in den Chiemgauer Bergen. Dazu Reinhard Rolle …

Südlich der Rauhen Nadel im Chiemgau liegt eine baumfreie und leicht wellige Hochfläche, die einige karstähnliche Erscheinungen wie Dolinen aufweist. Hier befinden sich mehrere typische Almen, die ihre Urtümlichkeit behalten haben. Sie gelten bei vielen Wanderern als Geheimtipp und sind nicht stark frequentiert, ganz anders als zum Beispiel bei dem eine halbe Wanderstunde tiefer gelegenen Taubensee mit seinen vielen Besuchern.

Aber gerade diese Ruhe macht den Reiz dieser Almen aus. Inmitten der idyllischen Hochfläche stehen die Sauermöseralm und die Stoibenmöseralm, von denen letztgenannte während der Weidezeit bewirtschaftet ist. Andrea Klauser vom Stoibhof und eine Sennerin betreuen während der Almzeit hier oben das Almvieh.

Um die 50 Stück Weidevieh sind es, die hier sömmern, auch einige Pferde sind darunter. Wir entdecken auf einmal auch Lamas, die wohl jeden Herbst nach den Kühen zum Nachgrasen auf die Alm gebracht werden. Die Kinder haben viel Spaß mit den Tieren. Wie uns die Stoiberhof-Andrea erzählt, betreiben die Tiere natürliche Weidepflege und fressen das, was die Kühe stehen lassen. Um sie zu finden, mussten wir einige Minuten in Richtung Sauermöseralm hinaufgehen, da die Tiere sich gern oben ihre sonnigen Fleckchen aussuchen.

Die Brotzeiten für die Tagesgäste werden meist direkt auf der Alm oder unten im Hof hergestellt; als besonderes Schmankerl der Stammgäste gilt das selbstgemachte Griebenschmalzbrot. Und auch die Aussicht von hier oben kann sich wirklich sehen lassen: Direkt von der Alm aus schweift der Blick über einen kleinen Teich hinweg bis zum Chiemsee, während der herrliche Tauernblick nur ganze fünf Gehminuten entfernt ist. Er lässt den Blick auf einige Eisriesen wie den Großvenediger oder auch auf den Watzmann zu. Ein weiteres Highlight ist die interessante Botanik, denn allein 15 Orchideenarten und über 200 verschiedene Schmetterlingsarten wurden hier gezählt. Kein Wunder, denn die Almen liegen in direkter Nachbarschaft eines Naturwaldreservates.

Startpunkt: Wir starten bei Reit im Winkl. Westlich des Ortszentrums biegen wir in die Birnbacher Straße ein und fahren bis zu dem Wanderparkplatz an deren Endpunkt (GPS-Wegpunkt N47 40.806 E12 26.849).

Aufstieg: Direkt am Parkplatz beginnt der beschilderte Wanderweg zu den Almen. Er ist anfangs asphaltiert und kann somit bis zur Hutzenalm (980 Meter) auch mit dem Kinderwagen genutzt werden. Die Alm ist bewirtschaftet. Der weitere Weg führt links an dem Gebäude vorbei.

Wir gehen zuerst kurz durch ein Wiesengelände und stoßen dann auf zirka 1030 Meter auf eine markante Weggabelung. Hier weisen gleich zwei Schilder in verschiedene Richtungen zur Stoibenmöseralm. Wir wählen den rechten Weg, einen schmalen, schönen Steig in einer Hanglage oberhalb parallel zur Forststraße. Er steigt nur mäßig an und kreuzt bald wieder die Forststraße. Wir überqueren diese und steigen entsprechend der Beschilderung geradeaus weiter auf einen Wiesenweg.

Nach wenigen Metern, in einer Rechtskurve, sehen wir einen schmalen Pfad, auf dem wir später wieder herabkommen. Bei dem Wegweiser auf 1220 Meter verlassen wir den Hauptweg nach rechts (Schild) auf einen steinigen Wiesenweg. Nun ist es nicht mehr weit!

Zur Freude unserer Kinder sehen wir beim Verlassen des Waldes plötzlich vor uns ein Schild mit dem Text »Stoibenmöseralm 10 Minuten«. Wir wandern jetzt ohne Steigung über das Almwiesengelände, rechter Hand schweift schon der Blick hinunter auf den Chiemsee. Nach einer Linkskurve stehen wir direkt vor der Alm. Sie liegt 1275 Meter hoch windgeschützt, aber trotzdem sonnig, in einer kleinen Mulde.

Abstieg: wie Aufstieg

Wegcharakteristik: Forststraße und einfache Berg- und Wiesenwege, leicht, Aufstieg etwa 1 Std. 40 Min., nicht kinderwagengeeignet

Höhenunterschied: 480 Meter, Variante Sonnwendköpfl 40 Höhenmeter, höchster Punkt: 1261 Meter; Entfernung hin und zurück 7,6 Kilometer; Orientierung: gut beschildert

Die Wanderung liegt nur auf bayerischem Gebiet, kein Grenzübertritt!

 

Text und Fotos: Reinhard Rolle, www.roBerge.de

Aus dem Wanderführer „Familienwandern – Bayerische Alpen und Tirol”, erschienen im Rosenheimer Verlagshaus:

https://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3475548305/robergede-21

 

 

 

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