„Hilfe von außen ist keine Schande!“

Vortrag von Bestsellerautorin zum Thema „Pflege" gestern im Gasthaus Sanftl

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„Pflege kann gelingen, wenn wir uns vorbereiten und offensiv mit dem Thema umgehen“, so lautete das Fazit des Vortrags von Bestsellerautorin Martina Rosenberg (Foto) im Gasthaus Sanftl in Eiselfing. In Zusammenarbeit mit der Sparkasse wurde gestern Abend allen Interessierten das Thema „Pflege“ sowohl aus der Perspektive der Pflegenden als auch aus finanzieller Sicht näher gebracht. Dabei standen die Erfahrungen und Erlebnisse der Buchautorin im Fokus.

2001 zog Martina Rosenberg mit ihrer Tochter und ihrem Partner zurück in ihr Elternhaus in der Nähe von München. Damals war noch nicht abzusehen, dass ihre Mutter und ihr Vater bald darauf erkranken und auf Hilfe angewiesen sein würden. So lag es in Rosenbergs Hand, das Leben ihrer Eltern zu organisieren. Da das Pflegeheim  nicht in Frage kam, versuchte sie neun Jahre lang mit Pflegediensten, Betreuerinnen und eigenem Einsatz die beste Unterstützung für ihre Eltern gewährleisten zu können, hatte jedoch nie das Gefühl, deren Bedürfnissen gerecht zu werden.

Da sie diese Erfahrung an ihre persönliche Belastungsgrenze trieben, entschloss sie, ihre Erlebnisse in einem Buch zusammenzufassen, das es unter dem Titel „Mutter, wann stirbst du endlich“ 2012 auf die Spiegel-Bestsellerliste schaffte. Der Erfolg des Buches zeigt dabei deutlich, dass das Thema Pflege viele Deutsche zu beschäftigen scheint.

„Wenn ich Sie jetzt um Handzeichen bitten würde, wer von Ihnen schon einmal jemanden gepflegt hat oder einen solchen Fall im näheren Umfeld hat, dann würden hier bestimmt einige Hände nach oben gehen“, leitete Mischa Schubert (Foto oben), Vorstandsmitglied der Sparkasse Wasserburg, zu Beginn des Abends das Thema ein.

Ein Problem im Bezug auf die Pflegesituation in Deutschland sei, dass es als Aufgabe der Familie gesehen werde, sich um pflegebedürftige Angehörige zu kümmern. Dabei seien es überwiegend die Frauen, denen diese Aufgabe zugeschrieben werde. Gleichzeitig steige aber die Erwerbsquote, was den Spagat zwischen eigenem Leben und den Pflegeaufgaben zunehmend erschwere.

„Wenn man da im Vorhinein mit Plan rangeht, kann man viele Probleme vermeiden“, rät die 55-jährige Autorin. Man solle niemandem seine Hilfe aufzwingen, solange dieser noch in einem ausreichenden Maße sein Leben managen kann. „Dass in der Wohnung mehr Staub rumliegt als früher oder eine Marmelade verschimmelt, heißt nicht, dass derjenige gleich unbedingt Hilfe braucht. Man muss auch akzeptieren, wenn jemand keine Unterstützung möchte.“

Im Bezug auf die Pflegenden rät Rosenberg ebenso zur Absprache. So sei es absolut notwendig, dass sich Geschwister beispielweise im Bezug auf die Pflege der Eltern absprechen, bevor diese erkranken oder altersbedingt Hilfe benötigen. „Auch Hilfe von außen ist keine Schande“, meint Rosenberg, falls sich die Angehörigen der Aufgabe nicht gewachsen sehen. Jedoch sollten neben dem Fachpersonal auch immer Familienmitglieder der Hilfsbedürftigen vor Ort sein.

Rosenberg betonte auch, dass Altersheime oft besser seien als ihr Ruf. „Geben Sie niemals das Versprechen ab, dass sie jemanden vorm Heim bewahren“, mahnt die Autorin die Gäste im vollbesetzten Saal. Man könne nie wissen, welche Strapazen einen bei der Pflege eines Menschen in den eigenen vier Wänden erwarten. Außerdem sei das Zusammenleben mit anderen Senioren oder Pflegebedürftigen oft eher eine Erleichterung als eine Belastung für viele Betroffene.

Über die finanziellen Risiken im Bezug auf stationäre oder ambulante Pflege klärte Daniel Dietze von der Versicherungskammer Bayern (Foto) auf. So gebe es verschiedene Möglichkeiten, der Kostenfalle „Pflege“ vorzubeugen. Hierfür sei es ratsam, sich von den zuständigen Mitarbeitern der Bank bereits in jungen Jahren beraten zu lassen.

Abschließend erinnerte Rosenberg an die Wichtigkeit der Absprache und des Zusammenhalts der Familie im Bezug auf die Pflege einer nahe stehenden Person. Auch betonte sie, dass es äußerst sinnvoll sei, sich um eine Patientenverfügung zu kümmern. „Sie ermöglicht es Ihnen, zu bestimmen, wie Sie sterben wollen“. Auch, wenn es nicht angenehm sei, sich schon früh mit dem Tod auseinanderzusetzen, so sei dies absolut notwendig. „Man tut das nicht nur für sich selbst, sondern man erspart auch seinen Angehörigen viele Probleme.“

 

MP

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