Heizstrahler, Trennwände und To-go

In Zeiten von Corona: Wie sich Wasserburger Wirte auf den Winter vorbereiten

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Dem schönen Wetter sei Dank: Weil auf den Freiflächen vor den Gaststätten und Cafés der Altstadt zahlreiche Gäste bewirtet werden konnten, kamen die Gastronomen trotz der Corona-Beschränkungen relativ glimpflich über die letzten Monate. Doch was passiert, wenn es draußen zu kalt wird? Große Hoffnungen werden auf Heizstrahler gesetzt, die von der Stadt wieder erlaubt wurden (wir berichteten). Die Wasserburger Stimme hat sich bei einigen Wirten stellvertretend umgehört.

Mino Bruno, Inhaber des kleinen italienischen Restaurants in der Hofstatt, zeigt sich pragmatisch: „Weil wir mit unseren 50 Quadratmetern drinnen den Mindestabstand eh nicht halten können, stellen wir Heizstrahler auf und schenken Glühwein aus.“ Weiter setze er auf das To Go-Geschäft. „vielleicht geht a bissl was, es bleibt mir ja nichts anderes übrig.“ Bruno hofft, dass es irgendwie weiter geht. „Falls nicht, mache ich von Dezember bis Ende Januar eben Urlaub.“

 

Gar nichts ändern wird sich im „Klosterstüberl“ im Hennagassl. „Es bleibt so, wie es ist“, sagt Max Huber, der Wirt, „es tröpfelt so dahin.“ Er werde weiterhin mit den Sicherheitsabständen in seiner Gaststube leben müssen, die nur noch rund 20, statt sonst 45 Gäste zulassen. Klar habe man Einbußen hinnehmen müssen. „Aber wenn am Monatsende ois zoit is, dann basst’s“, so der Max gelassen.

 

Ihre Freifläche unbedingt beibehalten will Christine Deliano, Inhaberin der „Backstube“. Auch sie plant, Elektrostrahler aufzustellen. „Wir können keine Decken bereithalten, wir müssten sie ja nach jedem Gast waschen“, so Deliano. Gerne würde sie mehr Tische und Stühle bereithalten, ist aber durch die Nachbarn eingeschränkt. „Gottseidank haben wir die Bäckerei und die Rösterei“, sagt die Chefin, „denn die Gastronomie lief nicht so gut.“ Etwa ein Drittel weniger Gäste verzeichnete sie in den letzten Monaten, „die Verluste sind aber zu verkraften.“ Ihre Mitarbeiter sind nach wie vor in Kurzarbeit.

Dennoch nimmt Christine Delaino das Thema „Corona“ nach wie vor sehr ernst. „Es wird keinerlei Lockerung bei uns geben“. Als die Pandemie sich abzeichnete, setzte die Inhaberin umgehend auf Hände waschen, Gesichtsmasken, Handschuhe und Desinfektionsmittelspender. „Meine Mitarbeiter meinten anfangs, die Chefin spinnt“, blickt sie zurück, „aber ich kenne dramatische Fälle von Leuten, darunter auch junge Menschen, die sich infiziert haben. Einige müssen auch nach Monaten nach Asthma-Spray nehmen.“

 

Für Jakob Hastreiter, Geschäftsführer des „Queens“, kam es nicht so schlimm, wie zunächst befürchtet. „Weil die meisten Leute wahrscheinlich nicht den Urlaub gefahren sind, hatte ich doch einige Gäste“, sagt Hastreiter, „ich musste niemand ausstellen.“ Der Winter werde aber schwierig. Seine Theke zählt zu den beliebtesten Plätzen. Deshalb plant er, dort Trennwände aus Plexiglas einzurichten. „Sonst können wir die Bar nicht nutzen.“ Zwischen den Tischen sind mobile, durch Folie durchsichtige Wände denkbar. Und draußen bleiben einige Tische („auch für die Raucher“) stehen.

 

Plexiglastrennwände will auch Edin Bajric, Chef des „El Paso“ aufstellen. Trotzdem komme er nicht auf die Anzahl der Tische, die sonst Platz finden, „wir haben es ja recht kuschelig.“ Nur noch 50 Plätze von rund 90 kann er anbieten. „Das größte Problem ist ja, dass niemand mehr irgendwo im Gang stehen darf“, stellt Bajric fest. Auch im „El Paso“ zählt die Bar zu den beliebtesten Plätzen. Die ist aber nur 5,30 Meter lang. Wenn man den Ausschankbereich für die Barkeeper und den Mindestabstand miteinbeziehe, bleiben höchstens 3,50 Meter übrig. „Wie soll das gehen?“, so der Wirt. „Es wird sehr schwer werden, überall die 1,50 Meter einzuhalten, wenn konsequent nachgemessen wird, wird es prickelnd“, sagt er. Auch Bajric wird vor seiner Gasstätte Heizstrahler platzieren und To-go beibehalten, „auch wenn das nicht so lukrativ war und deshalb auch kein zweites Standbein ist“.

Obwohl das „El Paso“ vom 18. März bis Ende Mai keinen Umsatz verbucht hat, ist der Personalstand gleich geblieben. „Ich habe allerdings keinen Plan, wie sich die Lage entwickelt“, blickt der Chef voraus, „wir wollen einfach alle nur überleben.“

 

„Heizpilze bringen nur etwas bis zu einem bestimmten Punkt“, weiß Miriam Sommer, Inhaberin vom „Roten Turm“. Sie wird wieder den Holzkamin unter den Arkaden vor dem Eingang befeuern. Trennscheiben an der Theke, an der bislang niemand sitzen durfte, sind auch für Sommer eine Option. Trotzdem könnten bestenfalls zehn Gäste dort sitzen. Im Innenraum wird nur an zehn Tischen, statt 15 bewirtet. „Das Gartengeschäft lief gut“, bilanziert die „Turm“-Chefin, „To-go war aber witzlos.“ Den Altstadtbiergarten am Schopperstattweg sieht sie kritisch: „Ich habe in vier Wochen dadurch mindestens 3000 Euro weniger Umsatz gemacht“, glaubt die Wirtin.

 

„Wir können nicht sagen, ob wir wirtschaftlich über die Runden kommen“, bringt es Maik Oehlke, Wirt vom „Herrenhaus“, auf den Punkt. Zehn statt sonst 15 Tische darf er nur noch aufstellen. Trennwände kommen nicht in Frage: „Das passt nicht. Bei uns ist es etwas exklusiver.“ Zwar seien die drei bis vier Gartenmonate sehr gut gelaufen, dennoch machen sich März, April und Mai bemerkbar, wo nichts gegangen sei. Die Pacht ist ihm noch gestundet. „Ich kann erst nächstes Jahr Bilanz ziehen“, betont Oehlke, „ich habe aber kein so schlechtes Gefühl.“ Und so behält er auch bis auf weiteres sein Team aus drei festangestellten Mitarbeitern, einer Aushilfe und zwei Azubis.

CF

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