Häufig heftig erkältet?

 Wiederkehrende Infektionen können Hinweis auf angeborenen Immundefekt sein

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„Wer über Gebühr häufig erkältet ist, vielleicht auch öfter eine Mittelohr- oder Lungenentzündung hat und schlecht auf Antibiotika anspricht, sollte seinen Arzt auf die Möglichkeit eines angeborenen Immundefekts ansprechen“, rät Gabriele Gründl, Bundesvorsitzende der Patientenorganisation „dsai” mit Sitz in Schnaitsee. „Denn das können Warnhinweise auf diese seltene Erkrankung sein.“

Nieselregen, kalte Windböen, der Wechsel zwischen warmer Wohnung und ungemütlichem Draußen: Herbst und Winter verlangen dem Immunsystem ganz schön was ab; es ist oft geschwächt und Erkältungsviren haben leichtes Spiel. In dieser Jahreszeit leiden Menschen häufiger an Husten und Schnupfen als in den warmen Monaten. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann zunächst selbst einen Immuncheck machen:

www.mach-den-immuncheck.de

„Da die Symptome eines angeborenen Immundefekts nicht eindeutig sind, ist die Diagnose nicht auf den ersten Blick ersichtlich“, erklärt Gründl. „Bestimmte Warnhinweise aber legen den Verdacht nahe, dass eine Person eventuell an dieser Erkrankung leidet.“ Bei Betroffenen ist ihr Körper nicht in der Lage, ausreichend Antikörper gegen Erkrankungserreger zu bilden.

Die Folge sind häufige, oft schwere Infektionen, die im schlimmsten Fall zum Tod führen
können. Die Erkrankung wird meist erst im Erwachsenenalter diagnostiziert, wenn viele
Betroffene schon eine langjährige Leidensgeschichte hinter sich haben: unzählige
Krankenhausaufenthalte, falsche Behandlungen, das Ausscheiden aus dem Berufsleben oder soziale Isolation. Richtig behandelt ist aber auch mit einem angeborenen Immundefekt ein nahezu normales Leben möglich. Je früher die Diagnose gestellt wird, umso kürzer müssen Betroffene mit den Symptomen leben. „Die Warnhinweise spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, der Erkrankung auf die Spur zu kommen, sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen“, stellt Gabriele Gründl fest.

Zwölf Warnhinweise für einen Immundefekt:

Zwei oder mehr Lungenentzündungen innerhalb eines Jahres, mehrfach hintereinander oder dauerhaft Nasennebenhöhlenentzündungen sowie wiederkehrende tiefe Haut- oder
Organabszesse können Anzeichen dafür sein, dass ein angeborener Immundefekt vorliegt.

Bleiben antibiotische Therapien bei bakteriellen Infektionen ohne Wirkung, kommt es zu acht oder mehr eitrigen Mittelohrentzündungen im Jahr und gibt es Pilz-Infektionen an Haut, Nägeln oder Schleimhaut jenseits des ersten Lebensjahres, kann dies ebenfalls auf die seltene Krankheit hinweisen.

Weitere Warnhinweise sind Infektionen mit ungewöhnlichen Bakterien oder anderen Erregern wie Viren, Pilzen oder Parasiten, Impfkomplikationen nach Lebendimpfungen, zum Beispiel Rota-Virus oder Polio oral, sowie zwei oder mehr Infektionen
innerer Organe, zum Beispiel Hirnhautentzündung, eitrige Gelenkentzündung oder
Blutvergiftung. Im Säuglingsalter zählen Gedeihstörungen, mit und ohne chronische
Durchfälle, bei Neugeborenen und jungen Säuglingen unklare Hautrötungen zu den
Warnhinweisen.

Schließlich können auch angeborene Immundefekte in der Verwandtschaft
ein Hinweis sein. Unter www.mach-den-immuncheck.de können Erwachsene und auch Eltern für ihre Kinder einen Immuncheck durchführen und so frühzeitig erkennen, ob eventuell ein Immundefekt vorliegt.

Hohe Dunkelziffer an Betroffenen
Experten schätzen die Zahl der von einem angeborenen Immundefekt betroffenen Menschen auf rund 100.000 in Deutschland, allerdings sind bisher nur etwa 4.500 Patienten diagnostiziert. Gerade weil die Erkrankung oft als eine scheinbar gewöhnliche, wenn auch häufige Infektion von Stirnhöhle, Ohren oder Lunge auftritt, wird sie nicht schnell genug erkannt.

Die „dsai”-Patientenorganisation für angeborene Immundefekte macht sich daher unter
anderem stark für eine frühe Diagnose und angemessene Therapie sowie die
flächendeckende Versorgung aller Betroffenen und ist Anlaufstelle für Patienten und deren Angehörige.

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