Guten Morgen, Wasserburg!

Mittwoch, 21. November: Gedanken zum Start in den Tag von Magdalena

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Achtung, heute dauert mein Beitrag länger. Denn es ist der „Welt-TV-Tag“ und der ist sogar von der UNO initiiert worden. Ja, richtig gelesen, die Weltorganisation, dessen oberste Aufgabe die Herstellung und Wahrung des Friedens ist. Und ausgerechnet     D I E …

… feiern das Fernsehen?

Versteh i ned. Zu Zeiten, in denen die Tagesschau noch der Grund war, warum man die Glotze eingeschaltet hat (lang vor meiner Zeit), hatte das vielleicht noch seine Berechtigung, aber heutzutage?

Ich hab – vor allem in Gesprächen mit meinen Altersgenossen – aktuell eh das Gefühl, dass es fast schon „en vogue“ ist, zu sagen: „Also ich schau ja gar kein Fernsehen mehr. Nur noch Netflix oder YouTube.“ Und auch die älteren Generationen scheinen sich langsam, aber sicher vom guten, alten Flimmerkasten abzuwenden, wofür das Ende der Lindenstraße vielleicht als Beispiel gelten kann.

Denn wenn man sich mal anschaut, was da verbreitet wird, dann braucht man sich auch nicht wundern, dass „die Welt immer schlimmer wird“, wie allzu häufig und lapidar dahergesagt wird.

Woher das kommt? Darauf hab ich keine fundierte Antwort. Aber das TV-Programm trägt sicher nicht zum Gegenteil bei. Hier mal ein Beispiel:

Montag, 22.15 Uhr, RTL II: „Naked Attraction“

Eine Frau darf sich aus ein paar Männern ihren Wunschkandidaten aussuchen, erinnert anfangs ein bisschen an Herzblatt. Nur, dass am Ende nicht ein romantisches Date und ein Helikopterflug winken, sondern das beste Stück des Mannes. Die drei Favoriten stehen dann nämlich splitternackt da. Ob „Adoniskörper“ oder „Quasimodo-Statur“ entscheidet sich also erst dann, wie der Sender das Prinzip selbst beschreibt.

Schon da geht’s um Entweder-Oder, um Schön oder Nicht-Schön, um gesellschaftstauglich oder verstoßenswert.

Und dieses „Entweder-Oder“-Denken setzt sich fort: Arm oder reich, dick oder dünn, deutsch oder ausländisch, klug oder dumm.

Egal, wohin man auf seiner Reise beim „Durchzappen“ gelangt – Naturdokus auf ARTE mal ausgenommen – wird man zugedröhnt mit Inhalten, die Schubladendenken verfestigen. Weil’s ja so bequem ist, wenn das, was man sieht, zusammenpasst mit der Einstellung, die man eh schon hat.

Und das klingt jetzt recht abwertend und so, als würde ich mich da selbst ausschließen wollen, aber das tu ich nicht, weil ich es nicht kann.

Tausend Eindrücke, tausend Reize, jeden Tag. Man braucht gedankliche Schubladen, sonst würden alle im psychischen Chaos versinken, aber ich finde, man sollte diese Schubladen nicht zusperren und den Schlüssel nicht wegwerfen. UND – und darauf kommt’s mir ausgerechnet am heutigen „Tag des Fernsehens“ an – man sollte sich seine Schubladen nicht aus TV-Ausschnitten zusammenbauen und verfestigen.

Das sind Bilder, die nur einen Bruchteil der Welt abbilden, wenn überhaupt, und die im Zuschauer Emotionen hervorrufen sollen, um der Einschaltquote Willen. Und ob das dann Freude, Wut oder Hass ist, ist erstmal Wurscht.

Monolog Ende. Kopf aus. Herz an. Schönen Tag! … wünscht d’Magdalena.

 

 

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