Große Sorgen: Einsatzkräfte am Limit

Ein Bericht zur Lage in den Pflegeheimen bei uns - BRK-Appell: Brauchen dringend Schutzanzüge

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Gedankenaustausch mit Maske: Der BRK-Kreisverbands-Geschäftsführer Martin Schmidt und MdB Daniela Ludwig, die sich zu einem Gespräch mit dem Krisenstab des BRK traf. Die Sorge wegen fehlender Schutzausrüstung – und zwar nun fehlender Kittel, Schutzanzüge – ist weiterhin groß. Die Einsatzkräfte seien zudem am Limit. Ein Bericht zur Lage in den Pflegeheimen …


Die Situation in den Alten-  und  Pflegeheimen, eine mangelhafte Ausrüstung an Schutzbekleidung und fehlende Pflegekräfte – diese Sorgen treiben den Kreisverband Rosenheim des Bayerischen Roten Kreuzes in der Corona-Krise derzeit um. Denn leider ist die Situation bei der Schutzbekleidung und die Situation bei den Pflegekräften ganz grundsätzlich weiter angespannt und unbefriedigend – so berichtet es BRK-Kreisgeschäftsführer Martin Schmid.

Man helfe sich mit den Einsatzkräften so gut es gehe in Alten- und Pflegeheimen aus. Aber man könne das nicht auf Dauer leisten.

Während sich die Lage zwar bei den Schutzmasken entspanne, gebe es zu wenig Kittel und Schutzanzüge für die Einsatzkräfte.

Schmidt: „Wir kaufen alles, was wir bekommen können. Mit der letzten Lieferung konnten wir nur sieben Prozent des Bedarfs abdecken. Wir appellieren dringend an die Politik, hier für mehr Material zu sorgen.”

Daniela Ludwig arbeitet als Drogenbeauftragte des Bundes in Berlin Tür an Tür mit dem Krisenstab des Bundesgesundheitsministeriums. „Ich werde  hier noch einmal nachhaken. Aber ich kann sagen: Der Bund arbeitet intensiv an der Ausstattung von Schutzkleidung im Gesundheitswesen.”
Mit einem großen finanziellen und personellen Aufwand hat das BRK einen 17-köpfigen Krisenstab eingerichtet.

„Wir haben einen digitalen Krisenstab im Home-Office, der täglich von 8 bis 20 Uhr arbeitet, und rund um die Uhr erreichbar ist”, berichtete Verwaltungsleiter Marco Laner. „Darauf sind wir stolz, und es funktioniert auch sehr gut.” Der Krisenstab organisiert die Einsätze des BRK und die Hilfe vor Ort.

Was das BRK aber hart trifft: „Wir mussten einige Leistungen vorläufig einstellen. So etwa die Besuchsdienste zu Hause oder in den Heimen, den offenen Betrieb im Jugendzentrum Bad Aibling oder unsere Breitenausbildung. Jährlich nehmen über 10.000 Menschen an unseren Kursen teil.” Auch das Notfalltraining für die Praxen oder Kurse an Schulen gibt es derzeit nicht, die beliebten Kleiderläden sind auch geschlossen.

Worauf das BRK besonders stolz ist: Es hat einen Stufenplan mit einer Online-Schulung zur Pandemie für Pflegekräfte entwickelt, der allen Einrichtungen zur Verfügung gestellt wurde.

Die Situation in den Heimen macht den Verantwortlichen des BRK große Sorgen. Corona-Fälle könnten noch zunehmen, das Personal ist knapp und derzeit überlastet. „Wir hatten 77 Kräfte in Alten- und Pflegeheimen im Einsatz und helfen aus, wo es geht”, sagte der Stellvertretende BRK-Kreisgeschäftsführer Stefan Müller. Allein beim Großeinsatz im Altenheim St. Lukas in Bad Feilnbach waren 36 Einsatzkräfte des BKR vor Ort.

Über den Pflegepool Bayern hatten sich für Stadt und Landkreis Rosenheim 49 Pflegekräfte gemeldet, die eingesetzt werden könnten. Lediglich zwei davon konnten ihre Arbeit bisher antreten. „Es gibt leider viel Bürokratie, das dauert zu lange. Bis die alle kommen, überrennt uns die Situation”, so Stefan Müller.

Die Corona-Krise belastet das Rote Kreuz auch finanziell. „Wir machen 140.000 Euro Defizit im Monat”, erklärte Kreisgeschäftsführer Martin Schmidt. „Wir hoffen jetzt, dass die Verantwortlichen in der Region unsere Leistungen nicht vergessen, wenn es darauf ankommt.”

Konkret hat das BRK für die nächste Kreistagssitzung im Mai einen Antrag auf Zuschüsse, etwa für Mieten, gestellt.

Daniela Ludwig ist selbst Kreisrätin und wird sich im Kreistag für eine Zustimmung einsetzen.

„Wir sind dem BRK und allen Einsatzkräften zu großem Dank verpflichtet. Ich bin mir sicher, dass das meine Kollegen im Kreistag genauso sehen. Ich selbst werde mich auch auf Landes- und Bundesebene dafür einsetzen, dass das BRK die größtmögliche Unterstützung bekommt, damit wir die Corona-Krise weiter gut bewältigen. Jedem einzelnen – egal ob im Hauptamt oder im Ehrenamt – möchte ich persönlich für das große Engagement bedanken.”

 

Die Feuerwehr Wasserburg meldet dazu heute: „Im Notfall kann man sich an uns wenden. Wir holen entsprechendes Material persönlich ab und kümmern uns um den Transport ins Zentrallager.” Ansprechpartner ist Zweiter Kommandant Stefan Gartner: stefan.gartner@feuerwehr-wasserburg.de

MdB Daniela Ludwig (Mitte) beim Krisenstab des BRK Kreisverbandes Rosenheim.

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4 Kommentare zu “Große Sorgen: Einsatzkräfte am Limit

  1. Die CSU ist seit vielen Jahren an der Bundesregierung in Berlin beteiligt und trägt somit ebenfalls Verantwortung dafür, dass die Produktion von Schutzausrüstungen, Medikamenten, etc. in vielen Bereichen beinahe vollständig nach Asien ausgelagert worden ist. Diese Abhängigkeit rächt sich nun – das war nur eine Frage der Zeit. Hilferufe der Katastrophenschutz-Organisationen gab es ebenfalls schon seit vielen Jahren!

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    1. Pst, das will doch niemand hören…

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      1. Nun, man hätte seit 2012/13 was machen können..
        Da gibt es doch ein Schriftstück dazu….sogar von der Bundesregierung in Auftrag gegeben.

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        1. Es ist nichts anderes als eine Bankrotterklärung der Regierung.
          2013 wurde die Bundesdrucksache herausgegeben, wo genau vor dieser Pandemie, wie wir sie jetzt haben gewarnt wurde.
          Aufgabe der Bundesregierung wäre es gewesen, diese Drucksache abzuarbeiten – wozu auch die Bevorratung von Schutzkleidung gehört.
          Hat sie aber nicht !
          War ja die meiste Zeit mit sich selbst beschäftigt – Wahlen, Regierungsbildung usw.
          Man kann schon den Eindruck gewinnen, dass unsere Regierung samt aufgeblähten Sitzen, in erster Linie für sich da ist.
          Für den Bürger interessiert man sich scheinbar kaum – den kann man – so wie es jetzt ist – ins offene Messer laufen lassen.
          Pfui.

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