Grabstätten werden teurer

Stadtrat beschließt Gebührenerhöhung für die beiden Friedhöfe – Leidenschaftliche Diskussion

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Für die nächsten vier Jahre steigen die Kosten für die Nutzung der Friedhöfe „Im Hag“ und „Am Herder“, die von der Stadt betrieben werden. Grundlage dafür ist eine Neukalkulation des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbandes für den Zeitraum von 2021 bis 2024, der die Kommune dazu verpflichtet, die Gebühren zu erhöhen. Würde die Stadt dagegen verstoßen, handele sie rechtswidrig, wie Thomas Rothmaier, Geschäftsleiter der Verwaltung, erläuterte. Das hielt einzelne Stadträte nicht davon ab, ein leidenschaftliches Plädoyer gegen die Steigerung zu führen. Foto: John Cater

Damit die Stadt kostendeckend arbeiten kann, klettert die Nutzungsgebühr beispielsweise für ein Einzelgrab „Im Hag“ von 763 Euro auf 832 Euro (4,60 Euro pro Jahr) und für den Friedhof „Am Herder“ von 927 Euro auf 1010 Euro (4,15 Euro pro Jahr). „Das macht am Tag Centbeträge aus“, wie Zweiter Bürgermeister Werner Gartner zu bedenken gab. Die Bestattungsleistungen wie Öffnen und Schließen der Grab-, Urnengrabstätten sowie Urnennischen, Durchführung der Bestattung, Leichenhausbetreuung, Umbettungen und Exhumierungen werden für die nächsten vier Jahre von der Firma Riedl übernommen.

 

Für Christian Flemisch (ÖDP), der auch in seiner Funktion als Pfarrgemeinderatsvorsitzender von St. Konrad sprach, ist diese Erhöhung nicht vertretbar. „Das hätte zur Folge, dass vor allem alte, finanziell belastete Leute oder Personen, die zeitmäßig unter Druck stehen, dies zum Anlass nehmen, ihre Gräber aufzulösen“, betonte Flemisch. Dies würde bedeuten, dass die Kosten bei der nächsten Erhöhung auf die verbleibenden Nutzer verteilt werden, sodass immer mehr Gräber aufgelöst würden, was wiederum zu höheren Gebühren führe. „Ein Teufelskreis“, so der ÖDP-Mann, der auch den menschlichen Aspekt anführte, wonach gerade Trauernde nicht auch noch mit höheren Kosten belastet werden sollten.

 

Auch würde der Friedhof als Rückzugsort der Stille und der Besinnung von Personen besucht, die gar kein Grab unterhalten würden. „Wenn also die Allgemeinheit etwas davon hat, warum sollte dann die Kostensteigerung auf die Grabbesitzer umgelegt werden“, fragte Flemisch, der schlussendlich forderte, dass die Stadt die Erhöhungen übernehmen sollte. Immer höhere Kosten, die durch aufgelassene Gräber auf die verbliebenen aufgeteilt werden, befürchtete auch Armin Sinzinger (Freie Wähler – Wasserburger Block): „ich kann dem nicht zustimmen.“ Ins selbe Horn stieß sein Parteikollege Markus Pöhmerer, der auch durch geänderte Friedhofskultur vermutet, dass in zehn Jahren immer mehr Gräber aufgelöst würden.

 

Wolfgang Schmid (CSU) stellte die Frage nach Einsparpotenzialen. Dafür gäbe es keinen Spielraum, so Werner Gartner und nannte als Beispiel, dass etwa Unkraut durch Heißwasser und nicht durch Chemie vernichtet werde: „Das ist kostenintensiver.“ Lorenz Huber (Bürgerforum) sah in den aufgegeben Gräbern auch eine Möglichkeit: „Ich will nicht pietätlos sein, aber so wird ein Grab auf den kleinen Flächen für Menschen frei, die dort begraben werden wollen.“ Friederike Kayser-Büker (SPD) sah zwar auch den sozialen Aspekt, betonte aber, dass der Altstadtfriedhof auch ein Kulturdenkmal sei.

Weil aus rechtlichen Gründen aber eine Ablehnung der Kostenerhöhung nicht möglich ist (Thomas Rothmeier: „Ganz klipp und klar!“), stimmte das Gremium mit sechs Gegenstimmen schließlich für die neue Satzung.

Die Laufzeit für den Friedhof im Hag ist 15 Jahre, für am Herder 20 Jahre.

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7 Kommentare zu “Grabstätten werden teurer

  1. Beim Erhöhen sans zur Zeit guat ….

    Wer hat die alle gewählt!
    Alles wird angehoben.
    Umsätze gehen zurück.
    Danke, liebe Stadt.
    Was lernen wir daraus … im nächsten Leben Beamter werden, dann sind Einkommen und Pension sicher.

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    1. Ist das jetzt eigentlich gar so schwer zu verstehen? Zitat: “Grundlage dafür ist eine Neukalkulation des Bayerischen Kommunalen Prüfungsverbandes für den Zeitraum von 2021 bis 2024, der die Kommune dazu verpflichtet, die Gebühren zu erhöhen. Würde die Stadt dagegen verstoßen, handele sie rechtswidrig, wie Thomas Rothmaier, Geschäftsleiter der Verwaltung, erläuterte.”

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  2. Wenn ein jeder um seine Grabstätte dass Unkraut selber entfernen würde dann könnte
    man sich die teure Behandlung mit Heißwasser sparen.

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  3. Amüsant, da meinen unsere gewählten Stadträte noch was entscheiden zu koennen. Der Bayerischen Kommunale Prüfungsverband hat das schon getan.
    Das soll noch Demokratie sein.
    Das ist die Herrschaft der Bürokratie.
    Würde mal empfehlen diesen “Verband”
    Zu googeln…..Die haben sogar Geld für ein nettes Büro in Brüssel,
    Aber den Kommunen vorschreiben, wie sie den Bürgern das Geld aus der Tasche zu ziehen haben.
    Ich Wette, mit dem Budget dieses Verbände könnte man die Friedhofsgebühren in ganz Bayern um 2 Drittel reduzieren.

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    1. Christian Stadler

      Da haben Sie wohl etwas falsch verstanden. Der kommunale Prüfungsverband hat nichts entschieden, sondern nur seiner Aufgabe entsprechend geprüft und berechnet. Dass die Kommune auf Basis dieser Berechnungen kostendeckende Gebühren festlegen muss, regeln wiederum Landesgesetze, die von einem demokratisch gewählten Gremium (Landtag) beschlossen wurden.
      Das können Sie jetzt gut finden oder nicht, aber es nicht per se undemokratischer als wenn die Gemeinde die Friedhofsgebühren frei Schnauze festlegen dürfte.

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  4. Seebestattung oder unter den Baum.
    Einmal sterben,einmal zahlen.
    Ruhen in Frieden…….

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  5. 4,60 € pro Jahr ist nicht teuer.

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