„Glaube kann auch Heimat sein“

„Neuer Heimatfilm unterwegs“ macht Station in Wasserburg – Frühschoppen mit Pfarrer Schießler im „Central“

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Es ist das Vorspiel zur Biennale Bavaria International 2021: Die Veranstaltungsreihe „Neuer Heimatfilm unterwegs“, die mit sechs Filmen in sechs Kommunen, den Heimatfilm abseits von Heile-Welt-Schnulze und Mainstream neu definiert. Im Utopia wurde „Corpus Christi“ gezeigt, der den Begriff „Heimat“ mit Glauben verknüpft. Anlass genug, um das Thema vorher in einem Frühschoppengespräch am Sonntagvormittag aufzugreifen. Prominenter Gast: Pfarrer Rainer Maria Schießler (links), der sich mit unkonventioneller Seelsorge einen Namen gemacht hat. 

Günther Knoblauch, Vorsitzender des Vereins „Internationales Festival des neuen Heimatfilms“ (links) hat eine Mission. „Die Bevölkerung soll sich mit Heimat auseinandersetzen, miteinander was erschaffen, das Sicherheit bringt. Denn auch das ist Heimat.“ Diese Botschaft wurde von Freitag bis Sonntag mit sechs besonderen Filmen transportiert, die mit speziellen Erzählungen und Lebenssituationen Heimat in einem neuen Licht zeigen.

„Und eben nicht im Ganghofer-Stil“, so Knoblauch mit einem kleinen Seitenhieb auf die mitunter arg kitschigen Verfilmungen der Heimatromane des bayerischen Schriftstellers Ludwig Albert Ganghofer. „Neuer Heimatfilm unterwegs“ dient aber auch als Vorspiel und Appetitmacher zur Biennale Bavaria International. Beim Filmfestival, das vom 21. bis 25. April 2021 stattfinden soll, werden rund 60 neue Heimatfilme gezeigt und prämiert.

In Wasserburg, mit Mühldorf, Altötting, Burghausen, Trostberg und Haag Station für „Neuer Heimatfilm unterwegs“, war jetzt „Corpus Christi“ zu sehen, ein polnischer Fim von 2019, der dieses Jahr sogar für den Oscar als bester internationaler Film nominiert war. In dem Drama macht ein 20-jähriger in der Jugendstrafanstalt eine spirituelle Wandlung durch. Nach seiner Entlassung will er Priester werden, was aber aufgrund seiner Strafakte nicht möglich ist. Also verkleidet er sich als Pfarrer und gibt seiner neuen Gemeinde Halt, die nach einem traumatischen Ereignis unter Schock steht.

Inwieweit Glaube eine Heimat schaffen kann, war denn auch das Thema beim Frühschoppen, zu dem Wasserburgs Bürgermeister Michael Kölbl auch Pfarrer Schießler begrüßte. Für den Kirchenmann ist klar: „Glaube ist Heimat, das ist die Grundlage dafür.“ Wichtig sei es, Glaube von Kirche zu differenzieren, so Schießler, für den die Konfessionen ein anachronistisches Relikt sind. Mit seiner Toleranz auch anderen Religionen gegenüber machte sich Schießler nicht nur Freunde. So berichtete der katholische Pfarrer über herbe Kritik als er einmal seine Kirche auch für Muslime öffnete.

Die Vielfalt im Glauben vertritt auch Kölbl: „Wir haben 90 Nationen, über 25 Prozent unserer Bürger haben Migrationshintergrund, es gibt sogar eine Moschee.“ Er sei froh, dass es in der Innstadt eine bunte Gesellschaft gebe. Verschiedene Veranstaltungen würden Heimat und Geborgenheit vermitteln. Der Bürgermeister: „Für mich gehören Glaube, Kirche und Heimat zusammen.“ Dafür nimmt Pfarrer Schießler die Religionen in die Verantwortung, deren Aufgabe es sei, den Menschen Sicherheit und Geborgenheit zu bieten. „Da haben wir noch eine wahnsinnige Wegstrecke vor uns.“

„Glaube, Liebe und Toleranz – dafür kann Heimat Identität stiften“, fasste Moderatorin Birgit Kern-Harasymiw die Gesprächsrunde zusammen. Gut möglich, dass die neuen Heimatfilme dafür Inspiration sind…

 

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2 Kommentare zu “„Glaube kann auch Heimat sein“

  1. War eine gute Veranstaltung. Der “Kultpfarrer” brachte gute Beiträge. Es passte einfach alles. Der Film war der Hammer – empfehlensw.

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  2. Abstand Fehlanzeige, siehe Fotos und von den Bürgern alles verlangen, selber aber nicht dran halten.

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