Gewerkschaft warnt: Wald in Not

Dürre-Stress und massiven Schäden in Oberbayern - Fichten besonders betroffen

image_pdfimage_print

Zu trocken, zu warm, zu viele Schädlinge: Ein Großteil der bayerischen Nadelbäume ist nach Einschätzung der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) akut bedroht – mit massiven Folgen für die Forstwirtschaft in der Region. „Nach dem Hitze-Jahr 2018 fehlt auch in diesem Sommer bislang der nötige Regen. Gerade heimische Fichten leiden unter Dürre-Stress. Die Bäume sind Schädlingen wie dem Borkenkäfer fast schutzlos ausgeliefert“, sagt der Bezirksvorsitzende der Forst-Gewerkschaft in Oberbayern, Michael Müller.

Die aktuelle Lage sei dabei erst der Anfang. „Der heimische Wald bekommt den Klimawandel längst zu spüren. Bei Fichten, Kiefern und Tannen geht es langfristig ums Überleben“, warnt Müller.

Nadelbäume machen knapp zwei Drittel der 2,6 Millionen Hektar des bayerischen Waldes aus. Das geht aus der letzten Bundeswaldinventur hervor. „Vier von zehn Bäumen im Freistaat sind Fichten. Sie sind besonders von der aktuellen Witterung betroffen“, so Müller. Ohne ausreichend Wasser könnten die Bäume kaum Harz bilden, das sie gegen die Schädlinge schütze, erklärt der Gewerkschafter. Wegen der Wärme halte sich der Buchdrucker derzeit etwa vier Generationen lang – statt wie sonst nur zwei. Geschwächte Bäume seien zugleich anfälliger für Stürme. Nach Beobachtung der IG BAU Oberbayern sind mittlerweile sogar junge Bäume vom Borkenkäfer betroffen, obwohl der Schädling sonst überwiegend ältere Bäume mit dicker Rinde befalle. „Die Ausfälle bei der Holzernte könnten damit in einigen Jahren massiv sein“, warnt Müller.

 

Wichtig sei jetzt eine neue „Waldstrategie“, um den Forst vor dem Klimawandel zu schützen. „Wir brauchen eine breite Aufforstung mit den Baumarten, die vor Ort gedeihen. Dabei müssen private Waldbesitzer und staatliche Forsten noch stärker als bisher auf Mischwälder setzen. Eine Fichte, die neben Buchen und Eichen steht, kommt besser mit Schädlingen zurecht“, so die Gewerkschaft.

 

Für eine nachhaltige Bewirtschaftung seien aber auch mehr Förster und Waldarbeiter nötig. „Aktuell rächt sich der jahrzehntelange Personalabbau im Forst. Der Waldumbau ist eine Mammutaufgabe, für die man qualifizierte und ordentlich bezahlte Fachkräfte braucht. Sie dürfen in keinem Haushaltsplan fehlen“, fordert die IG BAU.

 

Zugleich warnt die Umwelt-Gewerkschaft vor einem reinen betriebswirtschaftlichen Blick auf die Wälder. „Wer nur Gewinninteressen im Sinn hat, setzt eher auf Ein-Baum-Kolonien, mit denen sich einfacher Geld verdienen lässt. Aber am Ende kommt die Rechnung von der Natur – nämlich wenn Trockenheit und Schädlinge der Monokultur zusetzen“, so Gewerkschafter Müller.

 

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums fielen in den deutschen Wäldern im vergangenen Jahr mehr als 32 Millionen Kubikmeter „Kalamitätsholz“ an – das ist Holz von kranken oder beschädigten Bäumen. Zwei Drittel davon gingen auf das Konto des Borkenkäfers, ein Drittel fiel Stürmen zum Opfer.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.


Leitfaden für die Veröffentlichung von Kommentaren

2 Kommentare zu “Gewerkschaft warnt: Wald in Not

  1. Vielleicht auch mal mit den Kollegen der IG BCE reden. Die sind klar gegen Klimaschutz, würde ja Arbeitsplätze im Braunkohlebergbau kosten.

    8

    6
    Antworten
  2. Da kein Link in Kommentaren gegeben werden darf, kopiere ich ein paar Sätze aus einem gut passenden Text, von der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) bzw. dem Zentrum Wald Forst Holz.

    “Die Fichte trifft man überall in Bayern. Beinahe jeder zweite Baum ist eine Fichte. Das entspricht allerdings nicht der natürlichen Verteilung unserer Baumarten. Grund dafür ist die historische Entwicklung.
    Mitte des achtzehnten Jahrhunderts gab es bei uns vor allem ertragsarme, devastierte, von Übernutzung und Streunutzung gezeichnete Laubholzbestände. Um der Holznot zu begegnen wurden die Laubwälder immer mehr zugunsten nadelholzreicher Mischbestände und Nadelholzbestände zurückgedrängt. Im Zuge der Bodenreinertragslehre – einer forstökonomischen Denkrichtung – wurde die Fichtenwirtschaft forciert. Mit den so entstandenen Reinbeständen waren Katastrophen, wie Insektenkalamitäten, vorprogrammiert. Durch diese Katastrophen entstanden Kahlflächen, ebenso durch die Reparationshiebe nach dem Zweiten Weltkrieg.
    Oft wurden sie auf ungeeigneten Standorten gepflanzt. Hier wird ihnen ihr Flachwurzelsystem oft zum Verhängnis. Sie haben dann keine Chance, einem Sturm Stand zu halten. In Fichtenreinbeständen hat der Borkenkäfer oder die Nonne leichtes Spiel. Und werden die Fichten nicht sachgemäß gepflegt und durchforstet, wachsen sie zu schnell in die Höhe. Schneebruch ist dann wahrscheinlich. In den letzten Jahrzehnten arbeitet die Forstverwaltung daran, diese Bestände in stabilere Mischbestände umzubauen.”

    Und schon deswegen sehe ich die Ursachen, für die entstandene Lage, etwas anders als es mir der Text von der IG Bauen-Agrar-Umwelt weiß machen will. Und die Zukunft des Waldes sieht wohl weiterhin düster aus, wenn die Konsequenzen aus der aktuellen Lage so aussehen: “Wichtig sei jetzt eine neue „Waldstrategie“, um den Forst vor dem Klimawandel zu schützen.”

    1

    1
    Antworten