Gemeinden, strengt euch an …

Landrat Josef Huber: „Wenn wir die Jugend verlieren, haben wir verloren!“

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Reicht das, was wir in der Jugendarbeit machen, aus? Müssen wir neue Wege gehen, um unsere Jugendlichen zu erreichen? Was können wir tun, um die jungen Menschen in den Gemeinden zu halten? Das waren die zentralen Fragen des Empfanges der Kommunalen Jugendarbeit des Landkreises Rosenheim am vergangenen Montag im Landratsamt. Eingeladen dazu waren die Jugendbeauftragten der Gemeinden, Bürgermeister und Bürgermeisterinnen sowie der Kreisjugendring. Der Redner des Abends war Günter Katheder-Göllner (Foto), Jugendhilfeplaner des Landkreises Augsburg. Er sprach in seinem Vortrag zum Thema „Jugend möglich machen – ein Plädoyer für eine offensive Jugendpolitik“ …

Sabine Stelzmann, die den Fachbereich Kommunale Jugendarbeit seit 2006 geleitet hat, begrüßte die Gäste und stellte ihre Nachfolgerin Michaela Truß-Bornemann vor. Sie hat den Posten als Fachbereichsleiterin im September 2018 übernommen. Anschließend übernahm Truß-Bornemann die Moderation des Abends.

Der stellvertretende Landrat Josef Huber aus Babensham bezeichnete die Jugendarbeit als eine der größten Aufgaben des Landratsamtes. Er dankte den Jugendbeauftragten der Gemeinden für ihr Engagement. Dennoch gebe es noch immer Jugendliche, die man nicht erreiche.

Dabei sprach er vor allem die Altersgruppe zwischen 13 und 16 Jahren an. Hier müsse man auch die Jugendlichen erreichen, die sich nicht in Vereinen oder Verbänden engagieren. Das sei bisher noch nicht im gewünschten Maß gelungen. „Wir müssen den Jugendlichen einerseits etwas bieten, aber andererseits auch die Möglichkeit bieten, selbst etwas zu schaffen, ihre Kreativität abfordern und fördern. Wenn wir die Jugend verlieren, haben wir verloren“, so Huber.

Auch Truß-Bornemann empfahl, die Jugendarbeit in den Kommunen mit etwas Abstand zu betrachten. Passt das noch, was wir hier machen, welche Rahmenbedingungen brauchen junge Menschen, damit sie sagen, das ist ein Ort, an dem mir etwas geboten wird.

Ein Format im Landkreis ist beispielsweise „Ja Real“. Mit diesem Projekt geht die Kommunale Jugendarbeit an Realschulen im Landkreis Rosenheim. „Wir sind auf einem guten Weg“, so sieht es Truß-Bornemann.

Das bestätigte ihr auch der Redner des Abends, Günter Katheder-Göllner: „Ich will Ihnen nicht erzählen, wie Jugendarbeit funktioniert. Wir kupfern viel von Rosenheim ab. Der Landkreis Rosenheim hat in vielem die Nase vorn“. Dennoch würden die Zeichen der Zeit auch am Landkreis Rosenheim nicht vorbei gehen.

Der demographische Wandel ist für viele Jugendliche ein Thema. Dazu komme das Phänomen der „Schwarmstädte“. Viele Jugendliche verlassen ihre Gemeinden und „schwärmen“ in die Städte, um zu studieren oder eine Ausbildung zu machen und natürlich „schwärmen“ sie von dem in den Städten vielfältigen und attraktiven Freizeitangebot. Der ländliche Raum hingegen verliere junge Menschen.

„Natürlich werden Gemeinden im Landkreis Rosenheim nie das bieten können, was Großstädte wie München anzubieten haben. Dafür sind aber die Mieten hier noch günstiger und hier sind die Seen und Berge“, so Katheder-Göllner.

Familie, Freunde, Heimat – das sind für Jugendliche die Gründe in ihren Gemeinden zu bleiben oder dahin zurückzukehren. Hier müsse die Jugendarbeit ansetzen, sagte Katheder-Göllner. Man müsse Möglichkeiten schaffen, die zum Bleiben beitragen und auch welche, die das Zurückkommen ermöglichen beziehungsweise erstrebenswert machen.

Es sei wichtig, die Bürger aktiv zu beteiligen, um das Schrumpfen in den Gemeinden zu verhindern. Jugendtreff, Skaterpark, Ferienprogramme, Vereine und Verbände, das seien die Standards in der Jugendarbeit, aber es gehe um hjer. Wichtig sei, die Jugendlichen ernst zu nehmen, ihnen die Möglichkeit zu geben, selbst etwas aufzubauen, ihre Kreativität zu unterstützen, auch wenn es den Erwachsenen nicht immer gefalle.

Katheder-Göllner schloss seinen Vortag mit dem Goethe-Zitat: „Das Schicksal jedes Volkes und jeder Zeit hängt von den Menschen unter 25 Jahren ab“, und erntete nicht nur dafür viel Applaus.

Am Buffet blieb anschließend Zeit für angeregte Gespräche. Für die musikalische Umrahmung sorgte die Band Offroad Acoustics und die alkoholfreien Cocktails an der „Sansibar“ mixten Jugendliche aus dem Jugendtreff Brannenburg. So konnte im lockeren Rahmen der Empfang als gelungene Veranstaltung abgeschlossen werden.

 

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