Gegen Rodung des Waldstreifens

Bund Naturschutz Wasserburg und Bürgerinitiative Wasserburger Land nehmen wieder Deponie ins Visier

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Der Bund Naturschutz Wasserburg und die Bürgerinitiative Wasserburger Land haben sich jetzt in einer offiziellen Erklärung zu einer möglichen Zufahrt zum geplanten Odelshamer Deponieglände an der B304 geäußert. Im Visier der beiden Gruppierungen: Eine mögliche Rodung eines Waldstreifens an der Bundesstraße nahe der Umgehungsbrücke (Pfeil). Dort soll eine Zufahrt für das potenzielle Deponiegelände entstehen, das etwa zehn Meter entfernt vom Straßenrand liegt.

Zur Zeit lägen die Planfeststellungsunterlagen zur Genehmigung einer DK 1 Deponie am Innhochufer zwischen Wasserburg und Babensham bei der Regierung von Oberbayern zur Entscheidung, so Max Finster,  Vorsitzender des Bund Naturschutz Wasserburg, und Roger Diller,  Vorsitzender der Bürgerinitiative Wasserburger Land.

„Die Anhörung aller Träger öffentlicher und privater Belange ist abgeschlossen. Sowohl die Gemeinde Babensham, als auch die Stadt Wasserburg sind sich einig diese problematische Deponie ihren Bürgern ersparen zu wollen. Für das ehemalige Kiesabbaugelände ist die Wiederverfüllung abgeschlossen. Die im rechtsverbindlichen Kiesabbau- und Rekultivierungsbescheid des Landratsamtes festgesetzte Wiederaufforstung wurde durch die beantragte DK1-Deponie, zunächst bis zur Entscheidung über das Planfeststellungsverfahren, aufgeschoben”, so die beiden Vorsitzenden.

Und weiter: „Wir alle hoffen auf einen negativen Planfeststellungsbeschluss, damit dieser gewaltige neue Eingriff in Natur und Landschaft endlich vom Tisch ist. Gerade auch deshalb, weil in Oberbayern keine Entsorgungslücke für DK1-Abfälle besteht. Jetzt über mögliche Zufahrten zur DK1-Deponie öffentlich in politischen Gremien zu diskutieren oder gar Empfehlungen auszusprechen, wie jüngst im Gemeinderat Babensham passiert, ist gefährlich und alles andere als entscheidungsdienlich in einem laufenden Verfahren.”

Diller und Finster: „Mit dem aktuellen Rodungsantrag des Vorhabensträgers soll auch noch der letzte Waldstreifen beseitigt werden. Der zirka zehn Meter breite Waldstreifen ist wunderschön, denn er ist sehr reich an Laubbäumen. Vor allem aber bietet er den einzig noch vorhandenen Sichtschutz auf die brachliegende, öde und immer noch nicht aufgeforstete Kiesgrubenfläche. Wahrlich kein schöner Anblick an der Stadtgrenze von Wasserburg.”

Die beiden Vorsitzenden fordern: „Dieser Sichtschutzstreifen darf nicht fallen. Hier bauen wir auch ganz fest auf die Unterstützung durch unseren Landrat. Das Landratsamt darf hierfür kein Einvernehmen erteilen. Die Argumente wie ,Entschärfung einer gefährlichen Verkehrssituation’, oder ,dringender Bedarf an Parkplätzen’ sind Scheinargumente und dienen allein dem Privatwohl des Vorhabensträgers, der damit einen weiteren Stolperstein für seine DK1-Deponie, nämlich eine geeignete Zufahrt vorweisen zu können, aus dem Weg räumen möchte.”

Man bitte deshalb alle beteiligten Behörden und politischen Mandatsträger um Zurückhaltung während des laufenden Planfeststellungsverfahrens. „Vorschnelle Diskussionen und Abstimmungen, oder gar Genehmigungen für Nebenanträge, belasten nur die objektive Abwägung der Regierung von Oberbayern für dieses folgenschwere Projekt. Wir sind überzeugt, dass die Errichtung einer DK1-Deponie nicht genehmigt werden kann und darf, denn sie dient nicht dem Wohle unserer Bürger. Und dafür werden wir weiter friedlich, aber mit allen rechtsstaatlichen Mitteln kämpfen.”

 

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4 Kommentare zu “Gegen Rodung des Waldstreifens

  1. Als überzeugter Grüner bin ich für die Deponie, auch wenn ich mich das im Freundeskreis kaum sagen traue. Ich habe mich lange mit dem Thema beschäftigt und bin dabei auf die unheimlich CO2 intensive Praxis gestoßen Erdaushub mit LKE nach Ostdeutschland zu verfrachten, nur weil es dort günsziger ist. Wir externalisiefen also unser Entsorgungsprobleme auf Kosten des Klimas.

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    1. Bei der Bewertung, ob eine DKI-Deponie in Odelsham sinnvoll ist oder nicht, spielen eine ganze Reihe von Faktoren eine Rolle. Der Transport ist nur einer davon und von eher untergeordneter Bedeutung. Es gibt ausreichend große Kapazitäten in bestehenden, bayerischen Deponien, die auf kurzem Weg zu erreichen sind und trotzdem ungenutzt bleiben. Etwa jede dritte bayerische Deponie ist derzeit mangels Bedarf nicht in Betrieb. Darunter auch die größte bayerische DKI-Deponie am Autobahnkreuz München Nord.
      Nicht umsonst kommt das Landesamt für Umwelt zu dem Schluss, dass ein möglicher Bedarf an Deponiekapazitäten durch die Wiedereröffnung bayerischer Deponien abgedeckt werden kann.
      Nicht vergessen sollte man auch, dass für eine Deponie Odelsham u.a. große Mengen an Beton in den Untergrund injiziert werden müssten, um sie standsicher zu machen. Die mit der Zementherstellung verbundenen CO2-Emissionen wären erheblich.
      Dass auch Grüne beim Thema Deponien nicht vor Irrtümern gefeit sind, beweist der Bürgermeister von Eiselfing. Seine Forderung, in jedem Landkreis eine DKI-Deponie zu errichten, ist weder ökonomisch noch ökologisch sinnvoll. Trotzdem sorgte sie auch für Begeisterung (bei der CSU).

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      1. Neutraler Beobachter

        Unsere heutige Art und Weise zu leben und zu bauen, trägt eben dazu bei, dass wir längst den Sondermüll (die Auflagen/Klassifizierungen werden bekanntermaßen immer strenger) der Zukunft produzieren. Das Zeug muss dann halt auch entsprechend entsorgt werden. Und da sind mir z.B. dezentrale Deponien in jedem Landkreis oder zumindest ausreichend in jedem Bundesland mit den strengen deutschen Auflagen (auch moralisch) lieber, als etwa unkontrollierbare Fahrten ins Ausland!

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        1. Oh ja, die strengen deutschen Auflagen. Die würden zumindest theoretisch auch im Osten des Landes gelten. Was meinen sie, warum die Deponierung dort dann so viel billiger ist?
          Die Frage ist: soll die geplante Odelshamer Deponie eine ähnliche Billigdeponie werden, mit der Folge, dass dann der Asbestabfall aus dem Rest der Republik und dem nahen Ausland per Lkw zu uns gefahren wird und wenn ja, wo ist da dann erstens die CO2-Ersparnis und wollen wir so etwas zweitens quasi vor der Haustüre haben. Oder wird es eine teure Deponie nach dem Vorbild der bereits in der Region vorhandenen Flächen, wo man die gültigen Auflagen (im Idealfall) entsprechend ernst nimmt – nur was sollte das dann an der Praxis ändern, dass aus wirtschaftlichen Gründen gefährliche Abfälle lieber in den Osten exportiert werden? Wie man es auch dreht und wendet: wer wirklich will, dass gefährliche Abfälle mit der notwendigen Sorgfalt und einigermaßen ökologisch verantwortungsvoll entsorgt werden, darf dies nicht der privaten Marktwirtschaft und ihrem permanenten Kostendruck überlassen.

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